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Schlaglicht

CEO versus Personal: Wer ist Schuld an der digitalen Stagnation?

Von Michael StanczykTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die digitalen Zukunftspläne der Versicherer sorgen draußen für so manche Aha-Erlebnisse. Intern geben die Unternehmen ein weniger schmeichelhaftes Bild ab. Das Personal ist unzufrieden. Berichten zufolge glaubt weniger als die Hälfte der Allianzer noch an ihren Chef Bäte. Ergo-Boss Rieß sah sich schon vor einem Jahr mit dem Vorwurf "Alles mies wegen Rieß" konfrontiert. Doch wo liegt die Wahrheit in der schwierigen Grundsatzdebatte? Fehlt dem Personal die Lust aufs Neue, überragt die Angst vor Stellenkürzungen oder ist dem CEO im Disruptionsdrang einfach nur die Fähigkeit abhandengekommen, Gutes auch mal gut sein zu lassen?

Vor allem von Seiten des Personals wird immer wieder Kritik an den ambitionierten Umbauprojekten laut, die eng an den Kernprozess Digitalisierung geknüpft sind. Vorstandschefs wie Oliver Bäte, Markus Rieß oder Giovanni Liverani könnten mittlerweile wohl ganze Bücher schreiben über die Strapazen des Change Managements.

 

So differenziert die einzelnen Projekte und Agenden der Unternehmen in Strategie und Praxis auch ausfallen, so ähnlich sind sie sich in ihrem Ziel: Effizienz, Agilität und Fortschritt. Neue Computersysteme sollen die Versicherer klüger machen, neue Strukturen effizienter und neue Services kundenfreundlicher.

 

Dabei werde es eine Verschiebung des Bedarfs vom Sacharbeiter zum Experten geben, prognostiziert Johannes-Tobias Lorenz von McKinsey. "Zudem lassen sich viele einfachere Prozessschritte gut automatisieren – ein gewisser Personalabbau wird sich also nicht vermeiden lassen."

 

Am kürzen Hebel sitzen die Mitarbeiter hinter den Rechnern in den Headquarters der Unternehmen. Entweder sind sie von Stellenabbauprogrammen direkt betroffen oder kennen Kollegen, die es selbst getroffen hat.

 

Die Zahl der Versicherungsangestellten im Innen- und Außendienst ist laut Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland zwischen 2007 und 2017 um rund 14.000 Arbeitsplätze auf knapp 205.000 gefallen. Keine gute Entwicklung für den Versicherungsstandort Deutschland. Wenn auch die Beschäftigungszahlen in der Vergangenheit schon geringer waren.

 

Mitarbeiter brauchen anderes Selbstverständnis

 

Eines der prominenten Beispiele: Talanx. Deutschlands drittgrößte Versicherungsgruppe will bis 2021 den Stellenabbau abschließen. Wie Allianz oder Ergo steht auch der Wettbewerber aus Hannover unter dem Druck, sein Geschäft zu digitalisieren. "Wir bauen 930 Stellen von knapp 5000 ab, im Vertrieb sind sogar 40 Prozent der Arbeitsplätze betroffen", sagte Vorstand Jan Wicke letztes Jahr. Das liege aber nicht nur an der Digitalisierung. Man hatte auch andere Effizienzschwächen, zum Beispiel waren die Produkte zu teuer.

 

Die Unternehmensberatung McKinsey & Company ihrerseits sieht die Entwicklung mehr als natürlichen Prozess denn als radikalen Kahlschlag. Die digitale Transformation erfordere Veränderungen auf fachlicher und organisatorischer Ebene und im Selbstverständnis der Mitarbeiter. Letztere stehen zunehmend in der Verantwortung, eigenständiger zu arbeiten und  schneller Entscheidungen zu treffen, da Standardprozesse automatisiert werden.

 

"Unsere Analysen zur Digitalisierung im Versicherungssektor zeigen deutlich, dass eine digitale Transformation nicht wegen des fehlenden Engagements der Führungsebene scheitert - sondern weil es den Führungskräften nicht gelingt, das Engagement der Linienmanager und Angestellten zu sichern“, kritisiert Lorenz.

 

Das Berufsbild des Sachbearbeiters verändert sich. Ob er sich weiterentwickelt, dem Rhythmus der Digitalisierung anpasst, hängt ganz von ihm selbst ab, lautet die stille Botschaft der Versicherer.

 

Und wenn nicht, steht die Branche vor der Mammutaufgabe, neues Personal für sich zu begeistern, mit neuen Fähigkeiten auszubilden oder einzustellen: IT-Architekten, Data Scientists, UX-Experten. Das ist die Zukunft. Einfacher wird es nicht.

Allianz · Ergo · Generali · Stellenabbau
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