DIe Verbraucherschützer sehen die Restschuldversicherungen derzeit kritisch.
DIe Verbraucherschützer sehen die Restschuldversicherungen derzeit kritisch.Quelle: Rike / PIXELIO (www.pixelio.de)
Märkte & Vertrieb

Verbraucherschützer warnen vor Restschuldversicherungen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Restschuldversicherungen gehören derzeit nicht gerade zu den Lieblingen der Verbraucherschützer. Ein zentraler Vorwurf: Bei entsprechenden Policen handele es sich um überteuerte Produkte mit einem lückenhaften Versicherungsschutz. Zudem könnten die Provisionen schon einmal mehr als die Hälfte der Versicherungsprämie ausmachen. Dies würde entsprechende Fehlanreize setzen, um Restschuldversicherungen an den Bedürfnissen der Verbraucher vorbei zu verkaufen, heißt es in einem aktuellen Positionspapier der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).
Demnach sind vor allem die hohen Provisionen den Verbraucherschützern offensichtlich ein Dorn im Auge. "Nach der Marktuntersuchung zu Restschuldversicherungen der Bafin aus dem Jahr 2017 erhielten zwölf Kreditinstitute exakt 50 Prozent der Versicherungsprämie als Provisionshöchstsatz, zwölf Kreditinstitute weniger als 50 Prozent und sieben Kreditinstitute mehr als 50 Prozent der Versicherungsprämie", heißt es im Positionspapier des vzbv. Die Modellrechnung: Eine Provision von 70 Prozent würde demnach die Risikoprämie vor Versicherungssteuern bei einer Laufzeit von vier Jahren von 500 Euro auf eine Gesamtprämie von fast 1.700 Euro erhöhen.

Vorwurf: Geringer Versicherungschutz und keine Auswahl

Ebenfals kritisch sehen die Verbraucherschützer bei diesen Policen auch den vermeintlich geringen Versicherungsschutz. Demnach würden die Versicherer im Unterschied zu Risikolebensversicherungen keine umfangreiche Risikoprüfung vornehmen. Um dennoch eine Risikoselektion zu gewährleisten, würden "die Versicherungsbedingungen meistens so gestaltet, dass der Versicherungsschutz bei Vorerkrankungen erheblich eingeschränkt ist. Bei der Absicherung gegen Arbeitsunfähigkeit werden teilweise Gesundheitsstörungen nervöser oder psychischer Art ebenfalls ausgeschlossen", bemängelt der vzbv
Zudem scheint den Verbraucherschützern auch die Verkaufspraxis der Restschuldversicherungen übel aufzustoßen. Vielmehr sei der Verkauf entsprechender Policen ein "Paradebeispiel eines so genannten Querverkaufes", heißt es in dem Positionspapier. Demnach "müssen Kredit und Restschuldversicherung nicht separat angeboten werden. Auch bisher erhalten Verbraucher den Versicherungsschutz meist durch simples Ankreuzen eines Kästchens im Kreditantrag. Ihnen ist vielfach nicht hinreichend bewusst, dass sie mit dem Verbraucherkredit und der  Restschuldversicherung zwei unterschiedliche Verträge abschließen." Zuem gebe es auch keinen Wettbewerb bei der Auswahl entsprechender Policen, "weil Verbraucher nicht zwischen mehreren Angeboten auswählen können. Daher ist es leicht, überprovisionierte Versicherungen zu verkaufen, weil Verbrauchern der Preisvergleich genommen wird", bemängelt der vzbv.

Die Forderungen der Verbraucherschützer

Die Forderungen der Verbraucherschützer sind jedenfalls klar: So hält der vzbv einen Provisionsdeckel "von 2,5 Prozent der vom Kunden zu zahlenden Versicherungsbeiträge für angemessen". Dieser müsse "sich aber auf sämtliche Zuwendungen vom Versicherer an Dritte beziehen und gerade nicht nur auf Provisionen begrenzt sein. Zudem muss es bei der Restschuldversicherung für alle Produktkomponenten einen einheitlichen Deckel für Zuwendungen geben." Darüber hinaus sollte der Verkauf von Kredit und Versicherung auf Zeit entkoppelt sowie der Versicherungsschutz nur gegen einen laufenden Beitrag und an die Kredithöhe geknüpft sein. Zudem sollten laut vzbv "alle Verkäufer, die Restschuldversicherungen als produktergänzenden Versicherungen verkaufen, den konkreten Bedarf des Verbrauchers bewerten müssen und alle erforderlichen Kenntnisse zum Vertrieb dieser Versicherungen besitzen. Die Versicherungsunternehmen sollten für die Versicherungsvermittler in Nebentätigkeit die uneingeschränkte Haftung aus ihrer Vermittlertätigkeit übernehmen müssen".
Restschuldversicherung · vzbv
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