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Politik & Regulierung

Jungmakler über Provisionsdeckel: „Vermittler sollten gefördert und nicht bekämpft werden“

Von David GorrTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Zum Abschluss der DKM wurde wie jedes Jahr dem Nachwuchs die Bühne überlassen. Jungmakler 2019 wurde Dirk Becht, Geschäftsführer der DIVM Deutsche Immobilien Versicherungsmakler GmbH. Auf dem zweiten Platz überzeugte Rainer Schamberger mit seiner Zielgruppenspezialisierung für Handwerker. VWheute sprach mit ihm über seine Sorgen, "dass wir als Vermittler, sei es Vertreter, Mehrfachagent oder Makler, einen zu schwachen Draht zur Politik pflegen." 

Herr Schamberger, sie haben sich aus einem Pool von 70 Bewerbern durchgesetzt und den zweiten Platz beim Jungmakler-Award errungen. Warum glauben Sie wurden Sie nominiert und ausgezeichnet?

Nominiert wurde ich aus meiner Sicht deshalb, weil mein Konzept als Versicherungsmakler für das Handwerk einfach sympathisch ist. Meine Idee war immer: „Willst du gelten, mach dich selten“. Das verkörpert meine Qualifikation und meine Unternehmensstrategie. Ich bediene nur 6 Zielgruppen, die Konzepte sind absolut unvergleichbar und die Leistungen, sind nach den echten Schadensfällen und Bedürfnissen der Mandanten entstanden. Das ganze ist stark für den Handwerker vereinfacht und nachvollziehbar gestaltet und das zum attraktivsten Preis. Ich liebe meine Handwerker. Die Berufsgruppe, passt zu mir, wie die Faust aufs Auge und meine Leidenschaft dafür, ist auf die Jury übergeschwappt, deswegen bin ich wohl bis ins Finale gekommen. 

Sind die meisten Ihrer Kunden älter als Sie? Mussten Sie diese im Verkaufsgespräch überzeugen, dass das Alter keine Rolle spielt, sondern das Fachwissen über die Produkte?

Wenn ich so darüber nachdenke, ja, die meisten meiner Kunden sind älter als ich.  Das spielte für mich als Makler noch nie eine Rolle, ich berate Kunden seit ich mit 15 in die Ausbildung zum Bankkaufmann ging. Da war es das 1. 2. Lehrjahr ein Thema. Heute ist es für mich selbstverständlich, das ich der Fachmann/Spezialist bin, es stellt deswegen auch niemand mehr in Frage. 

Die CEOs der Versicherer sprechen im Rahmen Ihrer Digitalisierungspläne oft von einer „Kundenrevolution“. Man müsse komplett aus der Kundensicht der technikaffinen und gebildeten Generation Y denken. Stimmen Sie dem zu oder haben sich die Ansprüche der Kunden nicht groß verändert in der digitalen Welt?

Bei meinen Handwerkern ist das ganze sicher noch nicht so weit vorgedrungen wie im Gesamtmarkt, daher ist meine Meinung darüber vermutlich auch differenziert. Ich stimme den CEO’s da nur teilweise zu. Digitalisierung ist gut und wichtig, sie verschlangt Prozesse und führt zu ganz neuen Vertriebsstrategien bei Versicherern. Aber ich bin davon überzeugt, das die Komplexe Welt der Finanzen in Zukunft (zumd. in meiner beruflichen Karriere) eine Mischform finden wird. Also es werden digitale Beratungen durchgeführt und es wird sich online informiert und online wird sicher auch der Denkanstoß gegeben zum „tu etwas“ und doch wird am Ende ein junger dynamischer Makler sich mit dem Kunden treffen und die Themen vertiefen und abschließend das „gute Gefühl“ geben. Oft gefällt es den Menschen zu wissen „da ist ein Büro, ich kann dahin fahren und dagegen treten, es ist wirklich da und greifbar“. In einer Welt in der alles immer „ungreibarer“ wird, sollten wir beim Thema Finanzen bodenständig bleiben und die Digitalisierung für unseren Service nutzen. Sowohl der Service der Versicherer für den Makler, als auch für den Endkunden, damit eine Symbiose aus Beratung von Ort und der Digitalen Welt entsteht. Ich finde der Makler von heute sollte sowohl bei YouTube, Instagram, Facebook usw. sein, also auch ein Büro besitzen mit Innendienst und Beratern vor Ort.

Abseits der Digitalisierung – was bereitet Ihnen als Vermittler noch Sorgen?

Sorgen bereitet mir, das wir als Vermittler, sei es Vertreter, Mehrfachagent oder Makler, einen zu schwachen Draht zur Politik pflegen. Viele Dinge werden bestimmt, ohne das man die Basis für diese wichtige Berufsgruppe des Vermittlers mit einbezieht. Bestes Beispiel ist da der polarisierende Provisionsdeckel. Wieso heißt er nicht Kostendeckel? Wir sollten die Rendite von Altersversorgungsverträgen verbessern und nicht den Klassischen Vertreter das Existieren erschweren. Klärt die Menschen niemand mehr darüber auf, das Sie mit Ihrem Durchschnittseinkommen im Rentenalter in der Grundsicherung landen, dann wird das Problem, ein Problem der zukünftigen Generation, die die Belastung durch Aufstockungen nicht mehr tragen kann. Vermittler sollten gefördert werden und nicht bekämpft. Sollte man den Kurs so beibehalten, werde ich mit meinen Nischenkonzepten immer noch am Markt sein, aber viele Andere eben nicht mehr. 
Jungmakler · DKM
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