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Künstliche Intelligenz: Daten und Datenqualität sind das größte Hemmnis für Versicherer

Von Michał TrochimczukTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Was das Thema künstliche Intelligenz anbetrifft, tritt in der Versicherungsbranche eine gewisse Ernüchterung ein. Zu teuer und zu unausgereift ist die Technik, zu wenig Daten stehen zur Verfügung. Doch erste Praxiserfahrungen zeigen, dass mittelfristig die Fähigkeit, künstliche Intelligenz einzusetzen, ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein wird.

Um das Thema künstliche Intelligenz hat es viel Spekulation gegeben. Die dadurch geweckten positiven und negativen Erwartungen waren übertrieben. Doch die Versicherer sollten das Thema nicht aus den Augen verlieren. Für das Jahr 2016 schätzte Mc Kinsey die Investitionen in künstliche Intelligenz weltweit auf 32 Mrd. US-Dollar, davon 66 Prozent in den USA und 17 Prozent in China. Die Investitionen werden sich in den kommenden sieben Jahren mindestens um den Faktor zehn vervielfachen.

Das chinesische Insurtech Zhong An investiert derzeit massiv in die Entwicklung von künstlicher Intelligenz und setzt sie im Online-Vertrieb, bei der Schadenbearbeitung und der Betrugsprävention ein. Die Technologie-Tochter des Versicherers Ping An entwickelt unter anderem Lösungen für die Medizintechnik. Sie kann mit Hilfe künstlicher Intelligenz Röntgenaufnahmen von menschlichen Lungen auf Knötchen untersuchen. Die Trefferquote liegt bei 96 Prozent.

In Deutschland befinden sich die Versicherer noch in der Experimentierphase. Talanx setzt künstliche Intelligenz für Persönlichkeitstest in der Bewerberauswahl ein, die Basler versichert Armbanduhren vollautomatisch mit Hilfe ai-basierter Services von Snapsure, Hiscox automatisiert mit der Spracherkennungstechnologie von EidenTech eingehende Schadenmeldungen.

Versicherer kooperieren dabei in der Regel mit Dienstleistern zusammen. Im letzten Jahr hat es starken Zuwachs bei den Insurtechs gegeben, die sich auf künstliche Intelligenz spezialisieren, und es ist auch in bedeutendem Umfang in diesem Bereich investiert worden. Doch wie bei allen Startups wird sich auch beim Thema künstliche Intelligenz über kurz oder lang die Spreu vom Weizen trennen. Bei genauem Hinschauen verfügt nicht einmal jedes zweite KI-Startup tatsächlich über ausreichend Kompetenz in dieser Technologie.

Es sind vor allem die großen Versicherer und Marktführer, die das Thema KI vorantreiben. Die dänische Tryg sucht nach Kooperationspartnern in diesem Bereich, die schwedische Trygg-Hansa (Codan) und die finnische If beginnen damit, das Thema auszuloten. In Deutschland will die DVAG zusammen mit Finleap Use-Cases für künstliche Intelligenz ausarbeiten. Neben dem Einsatz von Sprachsoftware bei der Kundenberatung durch Chatbots (Ergo, Inter) soll künstliche Intelligenz vor allem in der Schadenbearbeitung und in der Betrugsbekämpfung eingesetzt werden. Der dänische Kernsystemanbieter TIA Technology will in diesem Bereich künstliche Intelligenz im Rahmen seiner Systemlösungen anbieten.

Die Praxiserfahrung der Versicherer macht deutlich, dass man bei der Automatisierung der Schadenbearbeitung mit kleinen Schritten vorankommen kann. Bei vielen deutschen Versicherern werden Entscheidungen in ausgewählten Prozesse in der Risikobewertung und der Schadenbearbeitung bereits von Algorithmen getroffen. In Polen arbeiten PZU, Warta, Generali und Axa schon seit längerem mit automatisierter Schadenbearbeitung. Sie basiert auf der maschinellen Analyse von Schadenfotos. Dadurch ist es den Versicherern möglich, im günstigsten Fall Schäden innerhalb einer Stunde zu regulieren. Warta will ab dem nächsten Jahr Kfz-Schäden mit Hilfe künstlicher Intelligenz schätzen und regulieren. 60 Prozent aller Schäden können dann mit dem neuen KI-basierten Tool automatisch bearbeitet werden.

Daten und Datenqualität sind das größte Hemmnis beim Einsatz von künstlicher Intelligenz. Vorhandene Daten der Versicherer sind viel zu heterogen, auf neue Echtzeitdaten haben sie keinen Zugriff. Die Vorstöße in Richtung Spracherkennung und Bilderkennung stoßen an gewisse Grenzen. Versicherer verfügen aber schon seit langem über Servicedienste und bauen diese gezielt aus. Mit der rapiden Entwicklung des Internets der Dinge werden sich im Rahmen dieser Service-Dienste zahlreiche neue Möglichkeiten bei der Generierung von Daten ergeben. Die Daten der Sensoren sind leicht aufzubereiten und zu bearbeiten.

Die Bereitschaft der Kunden, solche Dienste wahrzunehmen, ist größer als man in der Branche annimmt. Eine jüngste Umfrage des Digitalverbandes Bitkom zeigt, dass die Bedeutung von künstlicher Intelligenz nicht nur in der Wirtschaft und der Politik verstanden wird. 69 Prozent der Bundesbürger sind der Meinung, dass Künstliche Intelligenz für die Zukunft der Unternehmen entscheidend ist, 55 Prozent sehen die Technik eher als Chance und nur 41 Prozent als Risiko. Die Erfahrung zeigt: Wenn der Service spürbaren Komfort bringt, sind Kunden für vernetzte Produkte offen.

künstliche Intelligenz · Sollers
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