Klage vom BdV gegen Viridium
Klage vom BdV gegen ViridiumQuelle: Thorben Wengert / www.pixelio.de / PIXELIO
Politik & Regulierung

"Bauerntrick" – BdV wirft Viridium falsche Garantieversprechen vor

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
In der Lebensversicherung wird wieder geklagt. Involviert sind der als Kläger der Bund der Versicherten und als Beklagter die Abwicklungsplattform Viridium. Der Vorwurf lautet" irreführenden Behauptungen und Garantieversprechen" beim Versuch, die Generali-Verträge zu seinem Unternehmen zu führen.

In der Lebensversicherung wird wieder geklagt. Involviert sind als Kläger der Bund der Versicherten und als Beklagter die Abwicklungsplattform Viridium. Der Vorwurf lautet" irreführenden Behauptungen und Garantieversprechen" beim Versuch, die Generali-Verträge zu Viridium zu lotsen.

 

Laut den Verbraucherschützern habe der CEO der Viridium-Gruppe Heinz-Peter Roß bei der Werbung für die Generali-Verträge irreführende Argumente angeführt.  Er habe garantiert, dass die Kundinnen nach dem Verkauf "stets zehn Prozent der Kosten" ausgezahlt bekämen. Das ist nach Ansicht des Bund der Versicherten "weder technisch noch aktuariell seriös möglich".

 

Der BdV habe bei Roß um Aufklärung gebeten, keine Antwort erhalten, auch nicht nach einer Abmahnung. Die Verbraucherschützer sehen sich "daher nun gezwungen", weitere rechtliche Schritte zu gehen, um die Unterlassung derartiger Behauptungen klären zu lassen.

 

"Herr Roß versucht mit irreführenden Behauptungen, den Run-Off auf seiner Abwicklungsplattform schönzureden", erklärt Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV. Betroffen seien etwa vier Millionen Verträge, darunter Lebensversicherungen, private Rentenversicherungen und Riester-Renten.

 

Als Beleg für die eigene Darstellung führt der BdV ein FAZ-Interview vom 25.Juli dieses Jahres an: "Wir garantieren den Kunden…, dass wir 10 Prozent der Kosten einsparen. Diese 10 Prozent bekommt jeder Kunde", soll Roß gesagt haben.

 

Diese Aussage greift der Versicherungsmathematiker Kleinlein an: "Eine derartige Garantie würde dazu führen, dass zusätzlich umfangreiche aktuarielle Berechnungen anzustellen wären, eine entsprechend komplexe EDV einzurichten sei und zusätzliche aufsichtsrechtliche Anforderungen erfüllt werden müssten. Das ist alles sehr teuer." Es wäre einer Abwicklungsplattform schlichtweg nicht seriös möglich, "eine solche Garantie auszusprechen", schließ er.

 

Kleinlein in Rage

 

"Dieses Garantieversprechen ist ein Bauernfängertrick, um Kundinnen und Kunden gegenüber zu verschleiern, dass ein Run-Off auf einer solchen Abwicklungsplattform keine Vorteile, sondern eher Nachteile hat“, erläutert Kleinlein.

 

Die Aufforderung, schriftlich zu erklären, zukünftig eine Äußerung dieses Garantieversprechens zu unterlassen, kamen Roß und Viridium laut BdV nicht nach. "Anscheinend wollen sich Roß und Viridium vorbehalten, auch weiterhin mit solchen Aussagen die Kundinnen und Kunden zu falschen Entscheidungen zu ermutigen", erklärt Kleinlein. "Wir prüfen deshalb jetzt weitere rechtliche Schritte."

 

Das sagt Viridium

 

Der Vorwurf wiegt schwer, das sagt die Angegriffene: "Die Viridium Gruppe weist den heute in einer Pressemitteilung des Bundes der Versicherten (BdV) geäußerten Vorwurf "falscher Versprechen" an Versicherungsnehmer mit Nachdruck zurück. Die Pressemitteilung stellt sowohl den komplexen Sachverhalt als auch den bisherigen Dialog zwischen Viridium und dem BdV verkürzt und irreführend dar."

 

Viridium weist darauf hin, "dass das Unternehmen dem BdV mehrfach angeboten hat, den Sachverhalt im persönlichen Gespräch ausführlich zu erläutern. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Roß ist in dem genannten Interview vom 22.07.2018 sehr verdichtet auf den komplexen Mechanismus der Kosteneinsparungen eingegangen. Anders als vom BdV behauptet ist die Darstellung in dem Interview inhaltlich jedoch weder falsch noch irreführend. Das Unternehmen hat dem BdV zudem mitgeteilt, dass es künftig noch stärker auf eine präzise Darstellung dieses komplexen Sachverhalts achten wird."

 

Viridium sieht weiterhin keine Veranlassung, "eine vom BdV geforderte Unterlassungserklärung abzugeben". Das Unternehmen bedauert, dass der BdV in dieser komplexen Angelegenheit auf "Vereinfachung und Konfrontation statt auf konstruktiven Dialog setzt".

Klagen · Bund der Versicherten · Viridium · Run-off-Management
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