Europäischer Gesundheitskongress München 2018
Europäischer Gesundheitskongress München 2018Quelle: Alexander Kaspar
Politik & Regulierung

Allianz Gesundheits-App Vivy bricht alle Rekorde

Von Alexander KasparTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Erst seit wenigen Monaten auf dem Markt, entwickelt sich die von der Allianz Private Krankenversicherungs-AG entwickelte App "Gesundheitskarte Vivy" rasant: Im Downloadranking wurden kurz nach der Freischaltung im September letzten Jahres sogar so gewichtige Player wie Instagram, iTunes oder populäre Spiel-Apps abgehängt.

Mittlerweile nutzen Millionen von Kunden den "Gesundheits-Datenschrank" und bereits für das zweite Quartal im Jahr 2019 soll die 25 Mio. User Marke übersprungen werden. Das erklärten auf dem Europäischen Gesundheitskongress Hajo K. Hessabi, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der DAK, und der ehemalige Bundesgesundheitsminister und heutige Vorstand der Allianz PKV-Vorstand Daniel Bahr. Denn es hat sich, über alle Grenzen zwischen PKV und GKV hinweg, auch die DAK diesem Modell angeschlossen. Weitere Versicherer sind willkommen.

 

Was lange währt

 

Debatten über eine, wie auch immer ausgestaltete, Gesundheitskarte gibt es schon seit 15 Jahren, wer weiß das besser als der frühere Gesundheitsminister und FDP-Politiker Bahr. Nun hat die Allianz Ernst gemacht und am 17. September 2017 mit ihrer Gesundheitsakte Tatschen geschaffen und eine App mit dem Namen Vivy ins Schaufenster bzw. in den App-Store gestellt.

 

Die Resonanz ist riesig, wie Bahr auf dem 17. Europäischen Gesundheitskongress in München bekannt gab. Vivy vereint Informationen zu vollzogenen oder anstehenden Impfungen, hält die Übersicht über den persönlichen Medikationsplan und weist ggf. auch auf Unverträglichkeiten einzelner Substanzen hin. Vivy enthält zudem alle Informationen zu Vorsorgeangeboten, den Notfallpass oder die Bereitschaft zur Organspende.

 

Die Daten werden verschlüsselt auf einem zentralen Server gelagert, der Schlüssel liegt jedoch immer auf dem individuellen Mobilgerät des Nutzers. Dieser kann Akten, Röntgenbilder oder Laborergebnisse bei Bedarf freischalten und damit dem nicht selten an Ineffizienz leidendem Gesundheitssystem auf die Sprünge helfen. Gleichzeitig bietet sich für den Versicherer an zahlreichen Kundenkontaktstellen die Möglichkeit, neue Angebote zu adressieren. Im Gegensatz zu den Erwartungen nutzen vor allen Dingen die sogenannten "Silveragers", also die Gruppe der 55 bis 79-jährigen, dieses Angebot, denn Vivy soll nicht nur eine elektronisch-mobile Gesundheitsakte sein, sondern eine persönliche Assistenz.

 

Ganz bewusst hat sich die Allianz zum Start den deutschen Markt vorgenommen, gemäß dem Motto: Wenn wir es damit hier schaffen, dem kritischsten Markt der Welt, dann schaffen wir es überall. Und wenn wir es hier nicht schaffen, dann haben wir zumindest ein Modell für den Rest der Welt, wie Daniel Bahr erläutert. Im exklusiven Interview mit VWheuteTV spricht Bahr über die Chancen dieser neuen Anwendung und warum die Allianz beim Thema Vivy mit gesetzlichen Krankenversicherern zusammenarbeitet.

 

Link: Das Gespräch mit Bahr

 

Deutlich zu viel Abrieb durch Ineffizienz im Gesundheitswesen beklagt auch der gesetzliche Krankenversicherer DAK. Dessen stellvertretende Vorstandsvorsitzende Hessabi wies in seinem Vortrag zum Thema Gesundheitsakte darauf hin, dass in Deutschland jährlich z.B. 250.000 Patienten in die Kliniken eingewiesen werden, weil die Medikation falsch eingestellt wurde. Das kann und soll das sogenannte Ökosystem Vivy verhindern, indem die Verträglichkeit mit anderen Medikamenten sofort überprüft werden kann.

 

Allein aus dieser Anwendung ergibt sich ein Einsparpotenzial in Millionenhöhe, ohne dabei gleich die Leistungen zu reduzieren. Ähnlich den Vorbehalten, die anfangs gegenüber dem Onlinebanking vorgebracht wurden, sieht Hessabi auch Skepsis bei manchem Versicherungsnehmer. Doch der Manager ist sich sicher, dass diese überwunden werden und sich mit diesem Nudging-Tool auch für sein Unternehmen völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten ergeben. 

 

Gespräch mit Hajo K. Hessabi

Allianz Deutschland · PKV · GKV · Daniel Bahr
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