Haus in den USA nach einem Hurrikan
Haus in den USA nach einem HurrikanQuelle: W. Broemme / www.pixelio.de / PIXELIO
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Wohngebäude: Ist der Klimawandel für die Versicherer beherrschbar?

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Eine Mehrheit ist trotz Gegenstimmen von einem Zusammenhang zwischen Klimawandel und steigender Unwetteranzahl überzeugt. Fakt ist, die Statistiken zeigen einen Anstieg an Extremwetterereignissen und Schäden. Was bedeutet das für die Wohngebäudeversicherung, welche Lösungen bedarf es und können die Beiträge stabil bleiben – die Versicherer antworten und zeigen Lösungen.

Der Zusammenhang zwischen Erderwärmung und Extremwettereignissen ist für viele Versicherer nicht diskutabel. "Den Klimawandel kann kein vernünftiger Mensch bestreiten. Durch die globale Erderwärmung nimmt die Anzahl der Extremwettereignisse eindeutig zu, das ist keine Frage des Glaubens mehr, dass darf als gesicherte Erkenntnis anerkannt werden", erklärt Martin Gräfer, Vorstandsvorsitzender der Bayerische. Die Debeka sieht diesen Zusammenhang ebenso: "Wir gehen davon aus, dass die Erderwärmung vermehrt zu Extremwetterereignissen führt."

 

Allerdings ist es nicht so, dass alle Versicherer einen direkten Zusammenhang sehen und tatsächlich sind selbst die Klimaforscher teilweise uneins, worauf die Generali Bezug nimmt: "Der Zusammenhang zwischen globaler Erwärmung und der Tragweite von Wetterereignissen ist hochkomplex und die Wissenschaft steht noch am Anfang, das Zusammenspiel aller Faktoren zu erkennen und zu verstehen. Fest steht, dass sich die Durchschnittstemperaturen im globalen Durchschnitt leicht erhöhen."

 

Die Schäden werden steigen

Tatsache ist, dass die Schäden in der Wohngebäudeversicherung in den letzten Jahren steigen.

 

Schadenaufwand in der Wohngebäudeversicherung
Schadenaufwand in der WohngebäudeversicherungQuelle: GDV

Mit Ausnahme des Jahres 2011 liegen die letzten sieben Jahre beim Schadenaufwand über dem 15-Jahresdurchnitt. Diese Fakten lassen eine steigende Zahl oder stärkere Unwetter wenigstens plausibel erscheinen.

 

An eine Zunahme an Versicherungsfällen wegen Wetterereignissen glauben alle Befragten. Die Erwartung umfasst sowohl extreme Wettereignisse, wetterbedingten Großschadenereignissen wie auch die "Zunahme regional stark begrenzter Ereignisse".

Obwohl die Wohngebäudeversicherung nicht gerade als großer Gewinnbringer gilt, wollen die Versicherer sich nicht aus der Verantwortung stehen. Sie sehen es als ihre Kernkompetenz an, den Kunden auch in schwierigen Zeiten beizustehen. "Schäden und die daraus folgende Schadensregulierung gehören schon immer zum Kerngeschäft von Versicherung. Unser Fokus liegt darin, insbesondere Einfamilienhäuser umfassend zu versichern", erklärt die Bayerische stellvertretend für das Trio.

 

Wichtig für die Branche sei es, die Hausbesitzer und Öffentlichkeit für das Thema Naturgefahrendeckung zu sensibilisieren, denn nur 41 Prozent sind laut Debeka "entsprechend versichert". Die anderen Unternehmen stimmen dieser Einschätzung zu, die Generali möchte Maßnahmen honorieren, die Kunden zur Schadenprävention treffen und die Bayerische will zu Prävention und Vorsorge beitragen.

Die Schadenentwicklung zeigt ein hohes Schadenaufkommen durch Stürme, genau diese Gefahr soll laut Experten bei einer Klimaerwärmung am stärksten steigen,  denn "der Klimawandel macht Stürme langsamer und zerstörerischer, auch in Deutschland", meldete kürzlich der MDR.

 

Schadenaufwand nach Gefahren in der Wohngebäudeversicherung
Schadenaufwand nach Gefahren in der WohngebäudeversicherungQuelle: GDV

"Wir nutzen alle Kanäle, um die Menschen aufzurütteln“, erkläre GDV-Präsident Wolfgang Weiler bei der Vorstellung des Naturgefahrenreports 2018 angesichts der steigenden Gefahr.

 

Zusammenhang Prämie und Schäden

 

Wenn die Unwetter zunehmen, werden auch die Prämien nachziehen müssen. Das ist das Konzept Versicherung, auch wenn beispielsweise die Rückversicherungsbranche trotz steigender Schäden durch Unwetter mit stagnierenden Prämien zu kämpfen hat, wie auf einem Treffen der Branchengrößen in Baden-Baden kürzlich klar wurde.

Eine Kausalität von Schäden und Prämie bestreiten die befragten Erstversicherer nicht: " Ja - Versicherung bedeutet Risikoausgleich im Kollektiv und in der Zeit. Und das Kollektiv hat hier sowohl eine höhere Schadenfrequenz als auch einen höheren durchschnittlichen Schaden. Extremwetter tragen dazu erheblich bei", erklärt die Bayerische.

Die Debeka stimmt zu: "Bei einer Zunahme der Extremwetterlagen werden auch die Schadensaufwendungen steigen. Bei ausreichender Risikostreuung muss dies nicht zwangsläufig zu Beitragsanpassungen führen, sie sind allerdings schon wahrscheinlich."

 

Auch die Generali kann und will den Zusammenhang nicht bestreiten: "Wenn die Ausgaben über einen längeren Zeitraum steigen und nicht mehr von den Beiträgen der Kunden, Rückstellungen und dem Einspringen der Rückversicherer gedeckt werden können, schlägt sich dies in der Kalkulation der Prämien nieder."

 

Alles verloren? Mitnichten

 

Die Menschen versichern ihre Häuser nicht ausreichend, die Extremwettereignisse werden zunehmen und dadurch die Prämien steigen, das ist keine gute Ausgangslage, doch die Versicherer haben Lösungen.

 

Die Debeka erklärt die Unverzichtbarkeit einer angemessenen Deckung von Privathäusern und nimmt auch die Politik mit in die Pflicht. Die Bayerische verfolgt einen "All-Risk-Ansatz", die Absicherung einer Familie soll in einem Vertrag gebündelt werden und so ein Risikoausgleich geschaffen werden. Zudem setzt wie auch die Generali auf Lösungen zur Prävention. Die Generali will darüber hinaus "weitere Optionen für die Absicherung anbieten", weswegen eine individuelle Risikoeinschätzung immer wichtiger werde.

 

Ist es genug, wenn die Versicherungswirtschaft gegen die Auswirkungen des Klimawandels kämpft, auch Politik und Gesellschaft sind gefordert. Sicherlich, jeder Normaldenkende hat Verständnis dafür, wenn nach einem schweren Unwetter der Staat einspringt und Betroffenen hilft, die Deutschen beweisen ihre Anteilnahme regelmäßig durch Spenden.

 

Doch es muss die Frage erlaubt sein, warum viele Menschen sich nicht versichern und die Allgemeinheit dann für die Schäden aufkommen soll.

Es ist richtig und anständig, wenn die Generali schreibt, dass es "die Stärke unserer Branche ist, mit solchen Situationen umzugehen und uns darauf einzustellen", doch kann und soll das bei einem Thema wie Klimaauswirkungen genug sein?

die Bayerische · Debeka · Generali Deutschland · Klima · Unwetter · GDV
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