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Politik & Regulierung

Frankreich zeigt Deutschland, wie Landwirtschaftsversicherung funktioniert

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In Deutschland ist die Absicherung von Landwirten schwierig, weil umständlich. Wie es besser geht, zeigt unser großes westliches Nachbarland. Die Franzosen haben eine Versicherung ins Leben gerufen, bei der auch der Staat hilft.

In Deutschland ist die Absicherung von Landwirten schwierig, weil umständlich. Wie es besser geht, zeigt unser großes westliches Nachbarland. Die Franzosen haben eine Versicherung ins Leben gerufen, bei der auch der Staat hilft.

 

Genau wie hierzulande litten auch die französischen Landwirte unter dem extremen Wetter 2018. "In diesem Jahr hatten wir ein totales Paradox: "Wir hatten in meiner Region ausgesprochen heftige Regenfälle im Frühjahr, sodass mein Saatgut völlig abgesoffen ist, und im Sommer war es staubtrocken", erklärt Joel Limouzin.

 

Ein Umstand, den auch Farmer hierzulande kennen, in Deutschland kam es wegen dem Wetter zu Milliardenschäden. Doch anders als hierzulande können sich die französischen Bauern auf ihre Versicherung verlassen, wie das Beispiel Limouzins zeigt. Er erhielt im Frühjahr für einen Flutschaden auf 30 Hektar 9000 Euro Entschädigung. Damit konnte er von Weizen auf Mais umsteigen, wie er gegenüber Deutschlandfunk erklärte, und trotz der extremen Trockenheit Gewinne erzielen.

 

Wie es funktioniert

 

Deutsche Versicherer aufgepasst: französische Bauern zahlen pro Jahr 1,8 Milliarden Euro für Versicherungen, für Multirisiko-Absicherungen alleine sind es 800. Versichert sind zwölf verschiedene Risiken, von Sandsturm, über Unwetter und Trockenheit bis Hagel. Immerhin 65 Prozent der Versicherungsbeiträge übernimmt der Staat, der dafür Fördermittel aus der EU umschichtete. Als Ergebnis der Hilfe müssen die Landwirte zwischen 11 und 25 Euro Prämie pro Hektar Land bezahlen, je nach Umfang des Schutzes.

 

Im Jahr 2016 wurden in Frankreich 64 500 Versicherungsverträge abgeschlossen, als Resultat ist rund ein Viertel der landwirtschaftlichen Fläche Frankreichs versichert. Es ist ein alles oder nichts Angebot, entweder die gesamte Fläche wird versichert oder gar nichts, was den Aufwand der Versicherung reduziert.

 

Joel Limouzin ist von der Idee überzeugt: "Ich weiß, dass das schwierig ist, aber man sollte zumindest noch mehr Anreize geben. Als wir im Juni 2016 diese verheerenden Überschwemmungen hatten, die den Weizen unter Wasser gesetzt haben, haben die versicherten Landwirte drei Monate später ihr Geld von den Versicherungen bekommen."

 

In Deutschland ist es (wie immer) schwierig

 

Von einer Absicherung wie in Frankreich können Bauern hierzulande nur träumen, zwar gibt es Index-Lösungen, doch die ist kompliziert. Im Schadenfall werden die durchschnittlichen Erträge der Landwirte in einem Kreis ermittelt und mit den aktuellen Erträgen verglichen werden. Die ermittelte monetäre Differenz wird, minus Selbstbehalt, an die betroffenen Landwirte ausbezahlt. Das klingt genauso aufwendig wie langwierig.

 

Sicher ist, die Klimaauswirkungen werden schwierig bleiben, am besten fasst das, inklusive Lösung, Limouzin zusammen: "Wir brauchen innerhalb der EU eine einheitliche Linie, wir müssen uns viel besser über diese Risiken, also Klimarisiken, aber auch Risiken durch Viehkrankheiten, austauschen."

Landwirtschaftsversicherer · Landwirtschaftsversicherung · Frankreich
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