Cyberpolicen haben noch Luft nach oben
Cyberpolicen haben noch Luft nach obenQuelle: Tim Reckmann / PIXELIO (www.pixelio.de)
Märkte & Vertrieb

Rating: "Babylonische Sprachverwirrung" bei Cyberversicherungen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Gefahren aus dem Internet sind für Unternehmen bekanntlich zu einer ernsten Bedrohung geworden. Doch wie sieht es mit einem verlässlischen Schutz durch entsprechende Cyberpolicen aus? Die Ratingagentur Franke und Bornberg hat nun erstmals 35 gewerbliche Tarife und Bausteinlösungen von 28 Anbietern auf Herz und Nieren geprüft. Das Ergebnis ist durchwachsen.
So könne vor allem von Standards noch keine Rede sein, konstatiert Michael Franke, geschäftsführender Gesellschafter der Franke und Bornberg Research GmbH, am Beispiel der "versicherten Gefahren" aufzeigt. So würden Versicherer unterschiedlichste Begriffe verwenden, die sie mehr oder weniger klar definieren würden. Das Ergebnis: Eine "babylonische Sprachverwirrung". So würden Begriffe wie "Netzwerksicherheitsverletzung", "IT-Sicherheitsverletzung", "Hacker-Angriff", "Cyber-Angriff", "Cyber-Einbruch" oder "Cyber-Sicherheitsvorfall" zwar einen ähnlichen Zustand beschreiben, sich aber im Detail sehr unterscheiden - mit unabsehbaren Konsequenzen für Vermittler und Kunden.
Zudem herrsche noch eine hohe Unsicherheit bei der Entwicklung einer für Kunden wirkungsvollen und für den Versicherer tragbaren Risikodeckung. Mangels Erfahrung entstehen die Bedingungen entweder auf der grünen Wiese (mit deutlichen Einflüssen der jeweils führenden Haftpflicht- oder TV-Sparte) oder durch Kopieren von US-Wordings.
Insgesamt gebe es also noch "Luft nach oben", konstatiert Franke: "Erfahrungsgemäß haben unsere Ratings spürbaren Einfluss auf die Produktqualität. Produktentwickler orientieren sich an den Bewertungskriterien. Ich bin deshalb optimistisch, dass sich das Leistungsniveau und die Präzision der Formulierungen in dieser noch jungen Sparte in den nächsten Jahren spürbar verbessern werden. Aus anderen Produktbereichen wissen wir, dass gerade bei jungen Produktkonzepten die Bildung von Standards in Kernbereichen Voraussetzung für Umsatzwachstum ist. Hierzu tragen wir mit unserem Cyber-Rating bei."
Das Ergebnis des Ratings ist entsprechend ernüchternd: Kein einziger Anbieter erhielt dabei die Bestnotten "FFF" bzw. "FFF+". Lediglich vier Anbieter - nämlich AIG, Hiscox, HDI und Markel - erhielten die Note "FF+". Elf Anbieter - darunter die Allianz, Axa, Ergo, Gothaer, Provinzial Nordwest, R+V, VHV und Württembergische landeten mit der Note "FF" im Mittelfeld.
Dennoch zeigt sich Franke optimistisch: "Ich bin zuversichtlich, dass sich in der Branche, auch mit unserer Hilfe, einheitliche Begrifflichkeiten für versicherte Gefahren und Leistungen etablieren können. Das Bedingungswerk des GDV schafft eine gute Grundlage, lässt aber an einigen Stellen noch die gebotene Präzision und Trennschärfe vermissen. Spannend wird sein, ob sich die Cyber-Versicherung als Ergänzung der klassischen Produktpalette im Markt etabliert oder ob sie den angestammten Sparten nach und nach das Wasser abgräbt. Dann könnte zum Beispiel eine Betriebshaftpflichtversicherung zum Annex einer Cyber-Versicherung werden. In jedem Fall sind Transparenz und Fairness gefragt. Unser Rating sorgt dafür, dass Mogelpackungen auf Sicht keine Chance haben werden.
Cyber-Versicherungen · Rating · Franke und Bornberg
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