Marcel Armon
Marcel ArmonQuelle: Hardy Welsch / Howden
Köpfe & Positionen

D&O: "Versicherer werden in Zukunft restriktiver zeichnen und sich Risiken sehr genau anschauen"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die D&O-Versicherung ist nicht der größte Goldesel der Versicherer. Das zeigen nicht nur die jüngst veröffentlichten GDV-Zahlen. Marcel Armon, Chef eines der größten Versicherungsmakler in diesem Segment, möchte das ändern. Pünktlich zur DKM hat er eine Neuheit parat und hat exklusiv gegenüber VWheute  darüber gesprochen.

VWheute: Die D&O-Versicherung ist nach GDV-Zahlen für die Versicherer mindestens schwierig. Warum halten die Versicherer dennoch daran fest, sonst ist die Branche bei unrentablen Produkten nicht so genant.

 

Marcel Armon: Die GDV-Zahlen haben in der Tat gezeigt, dass die D&O-Versicherung in Summe nicht profitabel ist. Sie spiegeln dennoch nur einen Teil des Marktes wider.  Zudem lassen sie die Frage offen, ob einige Versicherer stärker betroffen sind als andere und große Managerhaftpflichtfälle einzelner Versicherer die Statistik stark negativ beeinflusst haben.  Wir wissen nicht definitiv, ob sich die Schäden gleichmäßig auf die Anbieter im Markt verteilen und die Branche grundsätzlich ein Problem hat. Was wir wissen ist, dass es noch genügend Versicherer gibt, die eine Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) von unter 90 Prozent haben, mit der sich durchaus leben lässt. Was wir auch wissen ist, dass die Spätschadenreserven die Quoten stark beeinflussen. Und gerade hier macht es einen großen Unterschied aus, ob sich die Reserven in der gesetzten Höhe realisieren oder nicht. Denn es bleibt eine große Herausforderung in einer von Spätschäden geprägten Branche wie der D&O-Versicherung Reserven richtig zu bestimmen, gerade wenn die Schadenbearbeitung im Schnitt viereinhalb Jahre dauern kann.

Neben diesen wirtschaftlichen Aspekten spielt noch ein weiterer Faktor eine Rolle. Die Frage ist doch: Will ich als Versicherer ausgerechnet die Sparte aufgeben, die mir einen direkten und engen Draht zum Manager verschafft und mich in die Lage versetzt, dem Unternehmen noch andere Produkte zu verkaufen?

 

VWheute: Was planen Sie als bedeutender Markteilnehmer zur Rettung der D&O-Versicherung?

 

Marcel Armon: Damit die D&O-Versicherung wieder profitabel werden kann, reicht es nicht aus, nur an der Preisschraube zu drehen.  Wir müssen auch die Kostenseite in den Griff bekommen. Als Marktführer in dem Feld der D&O-Versicherung haben wir deshalb jetzt die Initiative ergriffen und wollen in den nächsten drei Jahren gemeinsam mit unseren Kooperationsmaklern und den Versicherern die digitale Fabrik für maßgeschneiderten Managerschutz umsetzen. Im Moment verschwenden alle Prozessbeteiligten – vom Makler über uns als Spezialmakler bis hin zu den Versicherern - noch unnötig viel Zeit und Geld, weil wir immer wieder die gleichen oder ähnliche Daten zigmal am Tag per E-Mail hin- und herschieben. Das lässt sich ändern, in dem wir ein gemeinsames digitales Netzwerk aufbauen, dass die Geschäftsprozesse miteinander End-to-End vernetzt. Es gibt unzählige Prozessschritte in der Wertschöpfungskette einer D&O-Versicherung, die sich ohne Not verschlanken lassen.

 

VWheute: Ihr Konzept ist als Digitalität zur Kostensenkung. Ist so ein individuelles Produkt tatsächlich digital abbildbar?

 

Marcel Armon: Wenn es uns gelingt, alle Marktakteure an einen Tisch zu bekommen und ein intelligentes Wechselspiel aus analoger und digitaler Beratung in einem durchgängigen Prozess hinzubekommen, lautet die Antwort: Ja.

Für uns bedeutet die Digitalisierung nicht Standardisierung. Bei uns geht es vielmehr darum, die Digitalisierung zu nutzen, um den Maßanzug für den Managerschutz so herzustellen und auszuliefern, dass eine Kundenanfrage nicht mehr durch zahllose Hände gehen muss, die am Ende zur Wertschöpfung nichts beitragen. Heute ist es leider noch Realität, dass wir im Zusammenspiel zwischen Maklern, Versicherern und uns wertvolle Ressourcen mit reinen Backoffice-Tätigkeiten vergeuden, die dem Kunden nichts bringen.  Es kann nicht angehen, dass wir zum Beispiel für die Prolongation eines bestehenden D&O-Vertrags zahllose Daten immer wieder aufs Neue manuell austauschen, damit am Ende der Status-Quo erhalten bleibt. Diese Ressourcen können wir besser in der Beratung einsetzen. Aus uns wird am Ende kein Insurtech. Wir bleiben ein hochspezialisiertes Beratungshaus. 

 

VWheute: Wie wird sich der Markt der D&O-Versicherung in den nächsten Jahren entwickeln?

 

Marcel Armon: Die große Party ist mit Sicherheit vorbei. Die Versicherer werden in Zukunft restriktiver zeichnen und sich Risiken sehr genau anschauen. Gewinner werden die D&O-Versicherer sein, die es schaffen, sich von schwierigen Risiken zu trennen oder diese zu anderen, für sie auskömmlicheren Konditionen zu verlängern. Zu den Gewinnern werden vor allem die Versicherer zählen, die ihre Kunden nach der Policierung mit ihrem Risiko nicht allein lassen. Die Sorge, irgendwann einmal selbst in die Haftungsfalle zu tappen, ist vor allem bei Managern im Mittelstand mittlerweile sehr ausgeprägt. Die Sehnsucht nach einer Anlaufstelle, an die man sich wenden kann, wenn gerade mal wieder ein Vertrag zur Unterschrift auf dem Tisch liegt, der sich am Ende als persönliche Existenzgefährdung erweisen könnte, ist groß.

 

VWheute: Was planen Sie als Unternehmen dabei für eine Rolle?

 

Marcel Armon: Wir können uns vorstellen, zusammen mit den Versicherern Risikomanagementinstrumente für solche Situationen zu entwickeln. Manager brauchen reelle Hilfestellung, von der Compliance-Schulung bis zur Soforthilfe bei einer konkreten Unternehmensentscheidung, deren Konsequenzen für ihr persönliches Haftungsriskio sie nicht einschätzen können.

Marcel Armon · Howden · Howden Germany · D&O
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