Quelle: mst
Schlaglicht

Alte Botschaften neu verpackt? Rückversicherer stemmen sich gegen den Preisdruck

Von Michael StanczykTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Stimmung konzentriert, leichte Anspannung spürbar, die Blicke der Manager mit vollem Fokus auf das Geschäft. Keine Ablenkung erlaubt in der Casino-Stadt Baden-Baden, wenn es um Preise, Produkte und Perspektiven geht. Wundern wird es keinen - die Überkapazitäten sind noch immer im Markt. Demand and Offering allein bringe die Preise nicht nach oben, kluges Underwriting aber schon, erklärt Munich-Re-Vorstand Doris Höpke. Das Marktfeld Cyber indes wird zum neuen Hoffnungsschimmer. Zu den Zukunftsfeldern einer ganzen Branche.

Die Ansammlung größerer Katastrophen verstärkt sich, Überkapazitäten sind unverändert im Markt. Die Notwendigkeit, Diszipliniert zu agieren, heute wohl wichtiger denn je. „Das kann die Preise nach oben bringen“, sagt Höpke und spricht sich für eine stabile Erneuerung aus.

 

Die E+S Rück ihrerseits geht für die anstehende Vertragserneuerungsrunde von einer positiven Prämienentwicklung im deutschen Markt aus – wenn auch abgeschwächt im Vergleich zum Vorjahr.

 

„Vor dem Hintergrund einer höheren Anzahl von kleinen und mittleren Schäden sehen wir keinen Raum für Zugeständnisse“, sagt Vorstandsmitglied Michael Pickel. Bei einzelnen Verträgen bestehe laut Unternehmen Anpassungsbedarf, zum Beispiel nach Reserveerhöhungen. „Wir gehen von leicht steigenden Rückversicherungsraten aus.“

 

Auf dem diesjährigen Rückversicherungstreffen stieß vor allem das Thema Cybersecurity in den Mittelpunkt. Munich-Re-Vorstand Höpke sprach von einem großen Markt mit einem scheinbar noch größeren „Protection Gap“. Die Potenziale seien riesig. Der Münchener Rückversicherer zeichnet aktuell 400 Mio. US-Dollar in Cyber und will seine Engagement durch gezielte strategische Partnerschaften mit Start-ups, Universitäten oder Experten aus der Risikomodellierung weiter stärken.

 

Die Zielgruppe seien vor allem kleine und mittelständische Unternehmen, die im Regelfall schwächer geschützt seien als Großunternehmen.

 

„Bei weitem nicht jeder Erstversicherer hat die Kapazität, um solche Lösungen wie wir anzubieten. Es macht großen Sinn, sich in diesem Bereich zu engagieren“, berichtet Höpke. Das größte Risiko neben Cyber bestehe darin, die strategischen Probleme zu lösen, wenn man die Gefahr von Cyberrisiken vernachlässigt.

 

Natcats local, Cyber global

Tatsächlich ist das Risiko von Cyberangriffen nicht wirklich neu, doch realisieren gerade die Rückversicherer, wie rasant sich dieses Thema entwickelt. Experten rechnen vor, dass Cybercrime jährlich bis 2021 rund sechs Mrd. Euro kostet. Vieles davon sei nicht versichert, sagt Höpke.

 

Das Problem: In vielen bestehenden traditionellen Versicherungspolicen stecken unbekannte Cyberrisiken, da Vertragsbedingungen entweder keinen Ausschluss oder diesen nicht in der notwendigen Präzision formulieren.

 

Und die immense Geschwindigkeit, wie Technologie sich verändert, treibt das Cyberrisiko. Ein einziges Schadenevent kann hier gigantische Folgen haben. Naturkatastrophen etwa sind lokal, Cyberattacken hingegen spielen sich auf globaler Ebene ab. Sie betreffen alle Märkte, Branchen und Unternehmen unabhängig von ihrer Größe.“

 

E+S Rück Vorstand Pickel bezeichnete das Natcat-Geschäft sogar als unwichtigstes Segment. Im Vordergrund stünden Longtail-Sparten, wie zum Beispiel Kraftfahrt oder Sachgeschäft, was bei den Hannoveraner rund 40 Prozent bzw. 30 Prozent des Geschäfts ausmacht.

 

Aber wie bekämpft man diese hohe Dynamik dieses Risikos? Ursachen finden, Strategien entwickeln, Expertise einbringen, lautet die Erfolgsformel der Munich Re.

 

Nach Meinung von Franz-Joseph Hahn habe es Änderungsrisiken wie Cyber und Co. schon immer gegebenen. "Das ist nicht neues", sagt der Chief Executive Officer des asiatischen Rückversicherers Peak Re. Damit müss die Industrie gesamt umgehen, gemeinsame Standards entwickeln. Es sollte aber keine schlaflosen Nächte bereiten. Man müsse sehen, dass man sehr agil bleibe.

Munich Re · E+S Rückversicherung AG · Rückversicherer · Baden-Baden · Baden-Baden Reinsurance Meetin
Auch interessant
Zurück
12.08.2019VWheute
KFZ-Haftung: Warum Sie sich nicht gegen ein rollendes Auto stemmen sollten Harte Fakten der Autohaftpflicht: Wer sandalenbeschuht ein rollendes Auto …
KFZ-Haftung: Warum Sie sich nicht gegen ein rollendes Auto stemmen sollten
Harte Fakten der Autohaftpflicht: Wer sandalenbeschuht ein rollendes Auto stoppen will, trägt an den Folgen ein hohes Mitverschulden und bekommt weniger Schmerzensgeld.  
02.07.2019VWheute
Sparda-Bank Baden-Würt­tem­berg gründet einen eigenen Versi­che­rungs­makler Die Sparda-Bank Baden-Württemberg hat zum 1. Juli einen eigenen V…
Sparda-Bank Baden-Würt­tem­berg gründet einen eigenen Versi­che­rungs­makler
Die Sparda-Bank Baden-Württemberg hat zum 1. Juli einen eigenen Versicherungsmakler namens "SpardaVersicherungsservice GmbH" gegründet. Dafür hat das Kreditinstitut eine eigene Plattform "…
25.03.2019VWheute
Baden-Würt­tem­berg braucht von PKV- und GKV-Verband "keine Nach­hilfe in Kran­ken­haus­po­litik" Das war abzusehen, ist aber nicht schön anzusehen. …
Baden-Würt­tem­berg braucht von PKV- und GKV-Verband "keine Nach­hilfe in Kran­ken­haus­po­litik"
Das war abzusehen, ist aber nicht schön anzusehen. Gemeinsam haben die Verbände von gesetzlicher und privater Krankenversicherung aktuell die Länder harsch dafür kritisiert, dass sie…
18.03.2019VWheute
Defi­zite in der Finanz­bil­dung: Sind die Deut­schen zu dumm für Versi­che­rung? Eine Mehrheit der Deutschen fühlt sich im Finanzwissen schlecht …
Defi­zite in der Finanz­bil­dung: Sind die Deut­schen zu dumm für Versi­che­rung?
Eine Mehrheit der Deutschen fühlt sich im Finanzwissen schlecht gerüstet für die Zukunft und plädiert für die Einführung von schulischem Finanzunterricht. Was spricht dafür, was dagegen und hätte es…
Weiter