Stefan Knoll, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Familienversicherung (DFV)
Stefan Knoll, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Familienversicherung (DFV)Quelle: Martin Winkel
Unternehmen & Management

Deutsche Familienversicherung will noch vor Ende November an die Börse

Von Martin WinkelTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Stefan M. Knoll, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Familienversicherung AG (DFV), äußerte sich zuversichtlich den am 12. Oktober angekündigten Börsengang in Frankfurt spätestens Ende November abschließen zu können. Derzeit befände sich der Wertpapierprospekt noch im dreiteiligen Billigungsverfahren der Bafin, bestätigt der DFV-Chef.

Knoll hofft, den Wertpapierprospekt dann in den nächsten zwei Wochen veröffentlichen zu können. Knoll nannte als Ziel der Emission die weitere Finanzierung des Wachstumskurses der DFV. Insgesamt plane die DFV von Neuanlegern 100 Mio. Euro einzusammeln, davon seien 60 Prozent für Investitionen in den Vertrieb vorgesehen, gab Knoll an. Das meiste werde in klassisches Marketing, transaktionsbezogene Werbung und Markenbildung investiert, um weiter Neukundengeschäft zu forcieren.  Im Bereich der Krankenzusatzversicherungen will das Insurtech zum Marktführer in Deutschland aufsteigen. Außerdem sei der Eintritt in einen weiteren europäischen Markt geplant.

Das Unternehmen ("hessisch-deutsche Antwort aus Frankfurt auf internationale Insurtech-Entwicklung") mit der bodenständigen Firma wurde 2007 gegründet und hat seitdem ein steiles Wachstum von Null auf 72 Mio. Euro an Bruttobeitragseinnahmen im Jahr 2017 hingelegt. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen ein volldigitaler Anbieter von Krankenzusatz- und Sachversicherungen. Vision des Frankfurter Unternehmens seit seiner Gründung sei es Versicherungspolicen so einfach und "vernünftig" zu halten, dass Kunden keinen Makler oder Vermittler zum Abschluss mehr benötigten, erklärt Knoll. 20 Prozent der Neukunden erreicht die Gesellschaft nach eigener Auskunft aktuell dennoch über traditionelle Vertriebswege wie Kooperation mit gesetzlichen Krankenkassen und Maklern. 80 Prozent des Geschäfts werden Online oder über TV-Werbung generiert.

Stiftung Warentest bewertet das Konzept der Hessen offensichtlich positiv: dreimal wurde die DFV Testsieger in den letzten zwölf Monaten (Pflegetagegeld-, Krankentagegeld- und Zahnzusatzversicherung). Im Schadensfall sei zur Regulierung in Sachversicherungspolicen ein Foto mit dem Smartphone ausreichend, Rechnungen über medizinische Leistungen werden mit Hilfe intelligenter Algorithmen geprüft. Schnell solle es gehen, laut DFV "dauern Abschluss und Policierung durchschnittlich nur sechs Minuten". Als erstes Versicherungsunternehmen biete das Unternehmen Bezahlung der Prämie per Paypal und AmazonPay an, so Knoll. Schon in der Antragsstrecke könnten Kunden sich per Amazon-ID einloggen. Chatbot Alexa werde ab sofort in restlos allen Produkten zum Einsatz kommen.

Traditionelle Versicherungen und ihre Produkte seien viel zu langsam und kompliziert, daher habe er sich nach einer Karriere unter anderem bei der Allianz zur Gründung der DFV entschlossen, ergänzt Knoll. "Altmodische Versicherungen gehören abgeschafft", fordert Knoll, der mit der DFV die Versicherung gegründet haben will, "die er immer gesucht, aber nie gefunden hat“. Für überflüssige analoge Kundenbindungs-Instrumente wie Kundenkarten habe er nichts übrig, sagt Knoll: "Ich bin ein volldigitaler Typ".

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