Kommt der "harte" oder der "weiche" Brexit?
Kommt der "harte" oder der "weiche" Brexit?Quelle: Timo Klostermeier / PIXELIO (www.pixelio.de)
Politik & Regulierung

Was droht den Versicherern beim nahenden "Brexit"?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Deutschland hat begonnen, sich auf einen harten Brexit vorzubereiten", betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei ihrer gestrigen Regierungserklärung zum Stand der Austrittsverhandlungen zwischen der Europäischen Union (EU) und Großbritannien. Größte Knackpunkte der stockenden Gespräche sind vor allem die zukünftigen Beziehungen zwischen beiden Seiten sowie die Grenzfrage zwischen Irland und Nordirland. Der Branchenverband GDV sieht hingegen eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen "harten Brexit".
"Zuletzt hat es in beiden Fragen (innerirische Grenze, zukünftiges Verhältnis) allem Anschein nach wieder etwas Bewegung gegeben. Ob die Kompromissbereitschaft aber ausreicht, den gordischen Knoten zu durchschlagen, ist ungewiss. Dabei drängt die Zeit", heißt es in einem aktuellen Marktausblick des GDV. Zwar dürfte sich ein "harter" Brexit nicht als systemisches Risiko erweisen. "Gleichwohl sollten die politisch Verantwortlichen in der EU auch für diesen Fall jetzt im Interesse einer größtmöglichen Planungssicherheit Notfallregelungen veröffentlichen. Viele Versicherer könnten nicht nur direkt im grenzüberschreitenden Versicherungsgeschäft, sondern auch indirekt etwa in der Kapitalanlage betroffen sein", betont GDV-Chefvolkswirt Klaus Wiener.

Dabei sehe vor allem die deutsche Versicherungswirtschaft den Austritt Großbritanniens aus der EU mit großer Sorge. "In vielen Fragen zum Thema Finanzdienstleitungen waren die Vertreter Großbritanniens wichtige Impulsgeber, immer mit einem Blick für marktwirtschaftliche Lösungen.  Bestes Beispiel ist die Entwicklung des Regelwerkes Solvency II, dessen Markt- und Risikoorientierung auch das Ergebnis einer konsequenten Positionierung der Briten ist. Es wäre mit Blick auf die aktuellen und zukünftigen wirtschaftlichen Herausforderungen der EU besorgniserregend, wenn diese Marktorientierung in Zukunft verloren ginge", konstatiert der GDV-Ökonom. Daher sei der Übergang Großbritanniens zu einem Drittstaat ist mit zahlreichen Konsequenzen für den Finanzdienstleistungssektor verbunden. Zu den wichtigsten Punkten für  die Versicherungswirtschaft gehört die Vertragssicherheit ("service continuity"), ein möglichst ungehinderter Datentransfer sowie Regelungen für das bestehende Derivategeschäft, heißt es in der GDV-Analyse.

Der mögliche Fahrplan zum EU-Austritt Großbritanniens.
Der mögliche Fahrplan zum EU-Austritt Großbritanniens.Quelle: Statista
Ob es am Ende tatsächlich zu einem "harten" Ausstieg kommt oder welchen "Fahrplan" es geben wird, geben die EU-Staats- und Regierungschefs im Laufe des heutigen Vormittag bekannt. Möglich wäre beispielsweise eine längere Übergangsfrist nach dem Brexit, um die künftigen Beziehungen in Ruhe auszuhandeln.  Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn brachte es im Deutschlandfunk jedenfalls auf den Punkt: " Der Ball liegt bei Großbritannien."
GDV · Klaus Wiener · Brexit · EU-Gipfel
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