Gerald Hörhan
Gerald HörhanQuelle: Investmentpunk.com
Köpfe & Positionen

Hörhan: "Beim Investment gilt: Arschloch bleibt Arschloch"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Gerald Hörhan ist ein sehr spezieller Gesprächspartner – schnell, direkt und Gewinn bringend. Er nennt sich Investmentpunk und hat zu allen Finanzthemen eine Meinung, die er auch sehr gerne teilt – das gilt auch für Versicherungen.

VWheute: Wie wird man zum Investmentpunk?

 

Gerald Hörhan: Ich war nie angepasst und immer ein Rebell. Insgesamt habe ich nur zwei Jahre angestellt gearbeitet und den Mainstream immer auf eine intelligente Weise abgelehnt, das sind Kennzeichen eines Investmentpunks. Meine Freunde kamen dann während eines Musikfestivals auf den Begriff.

 

VWheute: Wie wird man vom Otto-Normalverbraucher zum Investmentpunk?

 

Gerald Hörhan: Indem man das richtige Mindset hat und klare Ziele. Ebenso sind Geduld, Fleiß und ein gewisses Wissen nötig. Das kann man lernen aber beim Investment gilt wie sonst auch: Ein Arschloch bleibt ein Arschloch.

 

VWheute: Sie üben Kapitalismus Kritik in ihren Büchern, ungewöhnlich für einen Investor.

 

Gerald Hörhan: Die Menschen werden durch die Medien und ihre eigene Dummheit zum Schulden machen manipuliert.

 

VWheute: Sind sie ein Kritiker des Zinssystems?

 

Gerald Hörhan: Nein, ich bin ein Kritiker davon, dass Leute sich für Konsum selbst versklaven. Davon bin ich ein entschiedener Gegner.

 

VWheute: Eine sehr punklastige Einstellung. Kommen wir zu ihrem Feld, den Immobilien. Lohnt sich die Eigenimmobilie für den privaten Investor?

 

Gerald Hörhan: Nein, er soll zur Miete wohnen und die Immobilien als Anlage nutzen, das ist effektiver, steuerlich viel effizienter und man ist flexibler, zum Beispiel beim Jobwechsel.

 

VWheute: Gibt es Grundregeln, zum Beispiel beim Thema Schulden?

 

Gerald Hörhan: Investments sollte man fast nie mit Schulden tätigen. Wenn man eine Immobilie solide finanziert und regelmäßig Mieteinnahmen fließen, dann mag man mal kurzfristig ins Minus rutschen, aber es droht kein Bankrott. Bei einer 100.000 Euro Immobilie und einem Kredit von 80.000 Euro muss die Wohnung 20 Prozent an Wert verlieren, damit nach der Tilgung des Kredits Schulden überbleiben. Gefährlich sind 110- oder 120-Prozent-Finanzierungen, das führt zu Überschuldung.

 

VWheute: Was ist mit dem Risiko?

 

Gerald Hörhan: Ohne Risiko geht es nicht, sonst machen sie effektiv Verlust. Man kann das Risiko durch Netzwerke und geschicktes Timing reduzieren, aber es ist nicht gleich null. Sie brauchen Verständnis und ein gutes Timing.

 

VWheute: Ihre Meinung zu Versicherungsunternehmen, ein sicherer Fels in der Brandung?

 

Gerald Hörhan: Versicherungsunternehmen sind gar nicht sicher, siehe AIG – auch andere wankten in der Finanzkrise. Das Grundproblem ist, der sich immer weiter öffnende Gap zwischen den finanziellen Verpflichtungen gegenüber den Kunden und den schwindenden Renditen. Immer noch unterschätzt wird der Klimawandel. Die Schäden werden immer größer und die muss jemand zahlen, entweder Staat oder Versicherungsunternehmen.

 

VWheute: Sie als Profi-Investor, wie bewerten die die Portfolios der Versicherer?

 

Gerald Hörhan: Man muss innerhalb einer Assetklasse diversifizieren. Generell sind Immobilien eine gute Anlagemöglichkeit, da die Mieteinnahmen bestehen bleiben. Bei alternativen Anlagen sind Versicherer unterpräsentiert. Ich würde als Versicherer einen kleinen Teil meines Geldes in Digitalwährungen investieren.

 

VWheute: Werden Versicherer Digitalisierungsgewinner sein?

 

Gerald Hörhan: Einige amerikanische Versicherer werden Gewinner sein, weil sie auf KI setzten und den Vertrieb umbauen, aber global werden viele Unternehmen verschwinden. Das ist der Unterschied zu Immobilien, Versicherer können komplett digitalisiert werden, aber der Mensch kann nicht in einem Computer leben.

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