Quelle: Deutsche Börse
Schlaglicht

Börsengang: DFV will Emissionserlös von etwa 100 Mio. Euro in Vertrieb und IT stecken

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Deutsche Familienversicherung will an die Börse" titelte VWheute Anfang Juli. Jetzt ist es soweit – das Unternehmen wird noch in diesem Quartal den Sprung wagen. Das Ziel ist Wachstum, der erwartete Börsenerlös von 100 Millionen Euro soll dafür reinvestiert werden. Doch es gibt noch größere Ziele.

Die DFV Deutsche Familienversicherung (DFV) plant im vierten Quartal 2018 den Börsengang im regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Wertpapierbörse. Das bedeutet, das Unternehmen hat noch rund zweieinhalb Monat für den Einstieg.

 

Für den Schritt ist laut Firmenchef Stefan M. Knoll der geeignete Zeitpunkt gekommen: "Jetzt ist die Chance, um Wachstum zu generieren, bevor die Wirtschaft in absehbarer Zeit abschwächt." Das Unternehmen hat sich selbst unter Druck gesetzt, denn es will seine Kundenanzahl bis zum Ende des kommenden Jahres auf eine Million verdoppeln. Ohne Investitionen wird das schwierig.

 

Zwar wächst die DFV und ist durchaus umtriebig, Kooperation mit der Pro7 Sat1 Gruppe, Sponsor bei Eintracht Frankfurt, aber selbst das Unternehmen glaubt nicht, dass so ausreichend schnell genügend Wachstum generiert werden kann. Aus diesem Grund soll das Geld aus dem Börsengang in Marketingmaßnahmen investiert werden, um die Entwicklung voranzutreiben.

 

Technisch gerüstet

 

Das Unternehmen gehört zu den technisch gewandtesten im Markt, unter anderem setzt das Unternehmen auf Alexa Skills und hat Paypal und das Bezahlsystem von Amazon in das eigene digitale Angebot integriert. Der Policierungsvorgang erfolgt automatisiert innerhalb weniger Minuten und bei der Begleichung von Arztrechnungen wird künstliche Intelligenz, eingesetzt um die Bearbeitung zu beschleunigen.

 

"Wir haben eine digitale Versicherungsplattform entwickelt, die es uns erlaubt, Geschäftsvorfälle in Echtzeit zu verarbeiten. Dabei nutzen wir künstliche Intelligenz gepaart mit einer eventbasierten Prozessmaschine und flexiblen Schnittstellen. So sind wir in der Lage, unsere Versicherungs-App sowie unser Kundenportal optimal zu integrieren. Kunden können dadurch zum Beispiel ganz leicht Änderungen an Verträgen vornehmen oder Schäden einreichen und erhalten unmittelbar eine Rückmeldung darauf. Neue Produkte können innerhalb weniger Wochen am Markt platziert und Produktänderungen in wenigen Stunden umgesetzt werden", erklärt Betriebsvorstand Marcus Wollny:

 

Wesentlich beim neuen System ist, dass es nicht begrenzt ist, der Kern des Systems stammt aus dem Mobilfunksektor, dort ist die Kundenanzahl ungleich höher als bei einem Versicherer und die Änderungen müssen praktisch in Echtzeit erfolgen. Wachstum würde also nicht an den technischen Kapazitäten scheitern.

 

Große Ziele mit Börsengeld

 

Die DFV sieht im deutschen Markt ein großes Wachstumspotenzial. Im Bereich der Krankenzusatzversicherungen will das selbsternannte Insurtech zum Marktführer in Deutschland aufsteigen, das wird in Koblenz und München sicherlich gehört werden.

 

Mit den erwarteten Emissionserlösen aus dem Börsengang plant die DFV verstärkt in "Markenbildung und klassisches Marketing" zu investieren und so insbesondere das Wachstum der vergangenen Jahre von rund 10- 15 Prozent im Kerngeschäft "enorm zu steigern".

 

Vertriebsvorstand Stephan Schinnenburg: "Wir spürten eine enorme Nachfrage nach digitalen Services. Wir sind diejenigen, die diese Nachfrage glaubhaft und technisch hochwertig bedienen können. Die Möglichkeit, durch den Börsengang neben transaktionsbezogener Werbung verstärkt in Branding und klassische Werbung investieren zu können, wird nach unserer Ansicht zu einem enormen Anstieg des Neukundengeschäftes führen."

 

Im Zusammenhang mit dem Börsengang erwartet die Gesellschaft einen Emissionserlös in Höhe von rund 100 Mio. Euro. Das eingenommene Geld soll neben den Wachstumsplänen in den Ausbau des Vertriebs und die IT investiert werden. Weiterhin will ihr Produktportfolio verbreitern und innerhalb der nächsten zwölf Monate den Eintritt in mindestens einen weiteren europäischen Markt wagen.

 

Große Ziele bei der DFV, doch ob Geld allein reicht, um Image und Bekanntheit so weit auszubauen, dass die Kundenanzahl verdoppelt (und mehr) wird? Andere Versicherer und Insurtechs schlafen nicht und investieren ebenfalls kräftig. Die DFV hat sich in der Vergangenheit als schlagkräftig und vorwärtsdenken präsentiert, diese Eigenschaften wird sie auch bei ihren Börsen- und Wachstumsplänen benötigen.

Deutsche Familienversicherung · Stefan Knoll · Deutsche Börse · Wachstum
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