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Schwere Industrierisiken: Versicherungsmakler warnen vor starkem Prämienanstieg

Von Uwe Schmidt-KasparekTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
„Für schwere Risiken fordern die Versicherer teilweise bis zu 20 Prozent mehr Prämie“, warnt Georg Bräuchle, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungsmakler, dessen Tätigkeit ab dem 16. November Funk-Manager Yorck Hillegaart übernimmt. Ausgelöst wurden die Preiserhöhungen von der HDI Versicherung. Betroffen sind die Sparten Gebäude, Feuer, Naturgefahren und Betriebsunterbrechung.  

Durchschnittliche und leichte Risiken wären bisher von der Preiswelle noch nicht betroffen. Gleichzeitig würden die Versicherer bestimmte Branchen pauschal nicht mehr versichern. Betroffen wären in der Sachversicherung beispielsweise die Branchen Holz, Kunststoff und Recycling. In der Haftpflicht gäbe es solche Zeichnungsverweigerungen unter anderem bei Pharma und Medizinprodukten.

 

„Dabei spielt es keine Rolle mehr, wie gut ein Unternehmen individuell geschützt ist“, kritisierte Bräuchle. Höhere Prämien könne man den Kunden mit exponierten Risiken erklären, eine generelle Verweigerung des Schutzes hingegen nicht mehr. Auch bei Cyberpolicen zeichnet sich laut dem BVDM eine Trendwende ab. „Die Versicherer sind mit Kapazitäten vorsichtiger“, sagt Bräuchle. 

 

Kapazitäten bis 500 Millionen Euro könnten derzeit nur noch unter Zuhilfenahme des englischen Marktes ermöglicht werden. Zudem rechnet der Maklerverband damit, dass die derzeit noch sehr niedrigen Prämien für Cyberschutz in der nächsten Zeit signifikant steigen würden. Schwierigkeiten könnten sich für den britischen Versicherer Lloyd's durch den Brexit ergeben. Das Geschäftsmodell mit der Gründung einer Niederlassung in Belgien sei – zumindest bei der italienischen Aufsicht – umstritten.

 

Kritik an deutschen Lebensversicherern

Hier werde die belgische Lloyd´s als Rückversicherer bewertet. Zudem würde das Geschäftsmodell, bei dem die Risiken weiterhin vom Mutterhaus in London geprüft werden, wahrscheinlich höhere Kosten mit sich bringen. Daher schätzt der BDVM, dass der britische Versicherer an Bedeutung verlieren wird.

 

Scharfe Kritik äußerte der BDVM-Vorstand Oliver Fellmann an deutschen Lebensversicherungen. Die Verwaltungskosten seien trotz höherem Risiko für die Kunden sogar noch gestiegen, wenn man die verwaltungsarmen Einmalbeiträge herausrechne. „Die Versicherer nehmen sich mehr, obwohl sie fast nichts mehr garantieren“, kritisierte Fellmann.  Hier sei die Versicherungswirtschaft in der Verantwortung, einen größeren Beitrag zur Entlastung der Kunden zu leisten.

 

Gleiches gelte für feste Rentenfaktoren bei Vertragsabschluss. Sie seien aus dem Markt verschwunden. Die Kunden wollten aber Sicherheit. Hier müsse die Branche wieder nachlegen. Vor allem die Diskussion über den Run-Off großer Lebensversicherer habe zu einem massiven Vertrauensverlust in der Bevölkerung geführt. „Zudem erlebt heute die Elterngeneration, dass sich die Versprechungen der Versicherer nicht erfüllt haben, denn die versprochenen Leistungen wurden massiv abgesenkt.“ Daher wird sich der BDVM gegen eine Provisionsbegrenzung für Lebensversicherungen auch nicht rechtlich wehren, um neues Vertrauen aufzubauen.

 

Er ist sich sicher, dass im Frühjahr ein „vernünftiger“ Entwurf für die Provisionsbegrenzung von der Regierung vorgelegt wird. Dabei müsse nach Vertriebswegen differenziert werden. Mit 1,5 oder 2,5 Prozent der Beitragssumme kämen Versicherungsmakler schwerlich aus. Dann verschiebe sich das Geschäft zur Ausschließlichkeit. „Das ausgerechnet der Sachverwalter der Kunden so Geschäft verliert, würden wir für einen Treppenwitz halten“, so Dr. Hans‐Georg Jenssen Geschäftsführender Vorstand des BDVM. Der Berufsverband der Makler schlägt daher eine „Buckellösung“ vor bei der die Provisionen erst bei Verträgen mit höheren Summen sinken. So werde besser berücksichtigt, dass jeder Vertrag eine Grundkostenlast habe.

 

Neuer Präsident

Indes wird Yorck Hillegaart (62) ab dem 16. November die Geschicke des Bundesverbandes der Deutschen Versicherungsmakler führen (BDVM). Hillegaart ist Geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger Funk-Gruppe, eines internationalen Maklers. Auch der bisherige Präsident, Dr. Georg Bräuchle (62), arbeitet bei einem internationalen Makler. Er ist Geschäftsführer und Mitglied der Zentralen Geschäftsleitung der Marsh GmbH in Stuttgart. Da er seine Berufstätigkeit aber Ende November beendet, hat der BDVM beschlossen, dass Hillegaart den Maklerverband bis zu den nächsten Vorstandswahlen im November 2019 führen soll. Bei der Funk-Gruppe ist Hillegaart seit 1996 beschäftigt. Er verantwortet dort derzeit die Ressorts International und Risiko-Management.

Yorck Hillegaart, designierter BDVM-Präsident
Yorck Hillegaart, designierter BDVM-PräsidentQuelle: usk
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