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Schlaglicht

Hype oder letzter Hoffnungsträger? Chief Digital Officers krempeln die Versicherungsbranche um

Von Uwe Schmidt-KasparekTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die digitale Transformation markiert einen tiefen Einschnitt in der Kultur der Versicherer. Verständlich, dass die Konzernlenker starke Persönlichkeiten suchen, die Treiber und Verantwortliche zugleich sind von Fortschritt und Innovation. Entsprechend rasant wächst der Bedarf nach dem Chief Digital Officer. Das Hauptkriterium für die Einstellung: Er muss sich mit dem CEO verstehen. Nun stellt sich die Frage, wie stark seine Position wirklich ist. Management-Macher oder digitale Marionette?  

Anfang Januar hat die Wiesbadener R+V Gruppe den Bereich „Digitale Transformation“ geschaffen und den langjährig im Unternehmen tätigen Alexander Dechent (39) als CDO installiert. Die Position ist aber unterhalb des Vorstandes angesiedelt. Der Betriebswirt Dechent arbeitet seit 2010 bei der R+V und wirkte vier Jahre lang im Bereich Konzern-Entwicklung an verschiedenen strategischen Projekten mit. 

 

Während Deutschlands größter Privater Krankenversicherer, die Debeka aus Koblenz, gerade darüber nachdenkt die Position des CDO einzurichten, hat die Ergo Versicherung schon 2016 Nägel mit Köpfen gemacht und Mark Klein gewonnen, der vorher die Geschicke von T-Mobile in den Niederlanden geleitet hatte. Mark Klein ist CDO der Ergo Digital Ventures AG, der ausgelagerten Digitalsparte der Ergo Group. Kleins Hauptaufgabe ist die digitale Transformation des traditionellen Geschäfts von Ergo im Inland und Ausland, außerdem soll er neue digitale Geschäftsmodelle etablieren.

 

Noch stärker betont die Zurich Gruppe über eine strategische Neuausrichtung des Führungsteams die digitale Transformation. Im November startet das neue Vorstandsressort „IT & Digital“, dass von Dorothée Appel (50) geleitet wird. Die studierte Informatikerin kommt von ING-Bank und verbindet als Chief Information & Digital Officer (CIDO) elegant Technologie und Transformation.

 

Die Zurich entspricht damit Forderungen von Beratern, wie Michał Trochimczuk von der Sollers Consulting aus Köln, dass die Personalauswahl heute der Dreh- und Angelpunkt einer modernen, digitalen Versicherung ist. Trochimczuck: „Es ist richtig und wichtig, Business und IT zu verstehen und zu verbinden.“ Dafür sollte der CDO gut mit dem Vorstandsvorsitzenden zurechtkommen und ihm die Probleme übersetzen, die sich vor allem aus der langsamen Geschwindigkeit der Arbeiten in den Fachbereichen ergeben würde. Nachteil der künftigen Zurich-Vorständin Appel: Sie muss Versicherungen erst lernen.

 

Das ist bei Deutschlands größtem Assekuranzhaus ganz anders. Hier dürfte Iván de la Sota künftig sehr dominant auftreten. Der 53-jährige Manager wurde als Chief Business Transformation Officer (CBTO) in den Vorstand der Allianz SE berufen. Vorher war de la Sota CEO der Allianz Spanien und leitete zuletzt die ibero-lateinamerikanische Region des internationalen Versicherers.

Ditigalmotor der Allianz stottert

Diese Berufung und die Ablösung des bisherigen CDO, Solmaz Altin, der unterhalb der Vorstandsebene agierte, haben starken Signal-Charakter. So wird Michael Diekmann, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Allianz SE in einer Pressemitteilung mit der Aussage zitiert: „Iván de la Sota (…) hat Herausforderungen mehrfach gemeistert und bringt alle Voraussetzungen mit, dies auf Gruppenebene fortzusetzen.“ Im Umkehrschluss könnte dies gut bedeuten, dass die bisherige Digitalstrategie der größten deutschen Assekuranz unzureichend war. Das vermutet zumindest die Süddeutsche Zeitung. So hätte sich der bisherige CDO nicht ausreichend gegen die „mächtigen Landesfürsten“ durchsetzen können. Kolportiert wird auch mit Bezug auf den Zeitungsbericht, dass eine von Altin geleitete Digitalfabrik zwar eine Art Werkzeugkasten zu Problemlösung entwickelt habe, jedoch keine einheitliche Konzern-IT hätte umsetzen können.

 

In München ist bis heute der starke Mann, wenn es um IT geht, Christof Mascher, Vorstandsmitglied der Allianz SE. Der in Osttirol geborene studierte Philosoph und Jurist ist ein typischer IT-Selfmademan, seit er 1994 erstmals in der Österreichischen Tochter der Allianz für Informationstechnologie zuständig wurde. Heute ist er Chief Operations Officer und Vorstand bei der Allianz SE. Schon 2015 verkündete er die „enormen Chancen der digitalen Revolution und den Plan, dass die Kunden bis Ende 2016 alle wichtigen Versicherungen im Netz abschließen können sollten. Ein Blick auf die Homepage der Allianz zeigt, dass das im Wesentlichen umgesetzt wurde. Auch wenn einzelne, durchaus „wichtige“ Sparten, wie Wohngebäude- oder Pflegeschutz, noch immer „nur“ beraten werden können. Anfang 2018 stellt Mascher öffentlich den 5-Jahres-Plan vor, dass die Allianz künftig mit einer starken, länderübergreifenden Plattform vor allem zum Serviceanbieter werden will. Mascher: „Wir müssen bei Haus, Leben, Krankheit und Auto versicherungsnahen Service mit Schutz kombinieren.“ Künftig biete der Versicherer viel Service mit ein bisschen Versicherung drum rum.

 

Der CDO als heimlicher Chef?

Sind dann CDOs die heimlichen Chefs aller Unternehmen, die sich in einem starken Transformationsprozess befinden? Diese Frage wurde von den Versicherern eher ausweichend beantwortet. So wird beispielsweise die digitale Transformation der Debeka vom Chief Information Officer (CIO), Roland Weber gesteuert, wie das Unternehmen mitteilt. Digitalisierung sei aber aufgrund seiner vielen Facetten grundsätzlich ein Gesamtvorstandsthema und würde entscheidungsmäßig von allen Vorstandsmitgliedern getroffen.

 

„Neben Ergo Deutschland und dem internationalen Geschäft leite ich den dritten eigenständigen Geschäftsbereich Ergo Digital Ventures“, erläutert Ergo-CDO Mark Klein. Gleichzeitig würden aber alle Vorstände eng zusammenarbeiten. Und der CDO der R+V, Alexander Dechent erläutert: „Der Bereich Digitale Transformation ist organisatorisch bei uns direkt beim IT-Vorstand angesiedelt. Wir haben inhaltlich eine Querschnittsfunktion über das ganze Unternehmen.“ Und auch der Talanx-Konzern aus Hannover stellt fest: „Als Gruppe ist uns wichtig, dass die Digitalisierung in den verschiedenen Märkten umfassend und strukturiert angegangen wird. Hierzu ist ein strategisches Raster entwickelt worden, das fortlaufend zwischen den Geschäftsbereichen und der Talanx AG als Holding diskutiert wird.“

 

Alle diese Aussagen weisen in die gleiche Richtung: Die Installation eines CDO ist nicht mehr als das i-Tüpfelchen für eine das gesamte Unternehmen durchdringende Digitalisierung. Sie hat daher eher Signalwirkung nach innen und außen. Die Botschaft: Wir nehmen Digitalisierung ernst. Interessant ist an dieser Stelle die Befragungsstudie des Beratungsunternehmens Kienbaum mit dem bedeutungsvollen Titel: „Digitale Titeljagd – ein kritischer Blick auf die CDO-Funktion“.

 

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Magazins Versicherungswirtschaft.

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