Quelle: dg
Märkte & Vertrieb

Aktuare sind begeistert vom Potenzial der Telematik-Daten

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Trotz über 60 bereits verwendeter Risikomerkmale bringen Daten zum Fahrverhalten, die per Telematik gewonnen werden, zusätzliche Erkenntnisse für die Tarifierung. „Unsere Ergebnisse sind sehr gut“, sagte Dr. Daniel John, Leiter Aktuariat Komposit bei der Huk-Coburg, am Donnerstag auf der Businessforum21-Jahrestagung. Seinen Angaben zufolge hat die Huk inzwischen einen Bestand von „gut mehr“ als 70.000 Verträgen, die 63 Millionen Fahrerdaten bzw. 133 Terrabyte Datenvolumen geliefert haben.

„Mit den über 6.000 Schäden aus diesem Tarif lässt sich auch echte Statistik machen“, erklärt John. Während klassische Risikomerkmale wie Typklasse und Schadenfreiheitsrabatt eine Spreizung zwischen guten und schlechten Risiken vom Faktor sieben zeigten, kommt die Huk eigenen Angaben bereits auf einen Faktor 11. „Das zeigt, dass in diesen Daten echt Potenzial steckt“, glaubt John. Konkret heißt das: Fahrer mit einem schlechten Score-Wert verursachen elf mal so viele Unfälle wie solche mit guten Werten. Oder: 20 Prozent der Fahrer sind für 40 Prozent der Unfälle verantwortlich. In den Scorewert der Huk fließen Daten zu Ort, Zeit, Geschwindigkeit, Beschleunigung, Bremsen und Lenken ein. Die Huk kann inzwischen das Fahrverhalten bestimmten Fahrertypen zuordnen und damit Aussagen zum Risikoverlauf machen. Aktuell ist ein neuer Telematik-Tarif in Arbeit, bei dem die statistischen Erkenntnisse für die Scorewerte gegen die bisherigen „manuellen Kalibrierungen“, die auf Testfahrten basierten, ausgetauscht werden. Für den „Score 2019“ sollen darüber hinaus die Daten durch Sensoren erfasst werden und nicht mehr durch die vergleichsweise teure Telematik-Box.

Dr. Daniel John, Leiter Aktuariat Komposit bei der Huk-Coburg
Dr. Daniel John, Leiter Aktuariat Komposit bei der Huk-CoburgQuelle: lie

Kfz-Versicherung als "Ökotip" bei Verivox

In Kürze bringt auch die Gothaer zusammen mit dem Startup Emil einen „pay-as-you-drive“-Tarif auf den Markt, der Telematikdaten über einen OBDll-Stecker erfasst. Neu dabei ist das Bonus-System, bei dem der Kunde alle 2.500 Kilometer, die unfallfrei blieben, in eine günstigere, interne Schadenfreiheitsklasse eingruppiert wird. „Im Hintergrund behalten wir natürlich die GDV-Schadenfreiheitsstaffel bei“, sagte Frank Edelmeier, der bei der Gothaer den Bereich Kraftfahrt leitet.

Das Startup Friday hat bereits einen Telematik-Tarif, der nun auch Kundenwunsch mit einer freiwilligen CO2-Kompensation bei der Klimaschutzorganisation Myclimate verbunden werden kann. Der Tarif „FRIDAY +ECO“ verteuert sich damit um fünf bis zehn Prozent, erklärt CEO Dr. Christoph Samwer. Damit dürfte die Tochter der Basler ein Alleinstellungsmerkmal haben. „Beim Preisvergleicher Verivox werden wir als Ökotip herausgestellt“, betont Samwer. Die besondere Positionierung lässt sich das Portal natürlich extra bezahlen.

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