Fahrradfahrer in der Stadt
Fahrradfahrer in der StadtQuelle:   Naisfotografie / www.pixelio.de / Pixelio
Unternehmen & Management

OLG Hamm: Radler trotz Vorfahrt schadensersatzpflichtig

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Wer sich im Verkehr an die Regeln hält, kann trotzdem (teil-) schuld sein. In vorliegendem Fall bedeutet das: Radfahrer müssen an Stellen, an denen viele Fußgänger den Radweg kreuzen, ihr Tempo drosseln. Das gilt auch, wenn sie Vorfahrt haben, wie jetzt ein Gericht feststellte.

Auf der anderen Seite dürfen Fußgänger einen Radweg nur vorsichtig überqueren. Bei Kollisionen zwischen einem Radfahrer und einem Fußgänger haften daher eventuell beide anteilig für die Folgen des Unfalls. Das urteilte das OLG Hamm, wie die Württembergische Versicherung meldet.

 

Ein Fußgänger überquerte auf dem Weg von der Innenstadt zum Bahnhof einen reinen Radweg, der parallel zu den kreuzenden Straßen verlief. Er übersah dabei einen um die Kurve kommenden Radfahrer. Bei der Kollision mit ihm erlitt er Verletzungen und verklagte den Radfahrer auf Schadensersatz und Schmerzensgeld, insgesamt 20.000 Euro.  Das Gericht entschied, dass sowohl der Radfahrer als auch der Fußgänger zu gleichen Teilen für den Unfall verantwortlich seien. Der Fußgänger konnte daher nur die Hälfte des von ihm geltend gemachten Betrags durchsetzen.

 

Der Fahrradfahrer habe zwar Vorfahrt gehabt, allerdings hätte er in der Kurve sein Tempo der besonderen Verkehrssituation anpassen müssen, da dort viele Fußgänger auf dem Weg zum Bahnhof den Radweg kreuzten. Bei reduziertem Tempo hätte er "noch rechtzeitig bremsen können". Andererseits hätte der Fußgänger den Radweg nur mit besonderer Vorsicht überqueren dürfen.

 

Das Gericht sah daher im entschiedenen Fall eine Haftungsquote von 50 Prozent für beide Unfallbeteiligte als gerechtfertigt an. Es stellte dabei jedoch klar, dass bei einer übersichtlichen Verkehrssituation auch eine alleinige Haftung von Fußgängern in Betracht komme, wenn sie unaufmerksam einen Radweg betreten.

 

Oberlandesgericht Hamm (26 U 53/17)

Fahrrad · Haftung
Auch interessant
Zurück
15.07.2019VWheute
OLG Köln: Kfz-Versi­cherer haftet teil­weise für herab­rol­lendes Fahr­zeug Rollt ein Fahrzeug einen Berg herab, muss auch ein Fußgänger selbst dafür …
OLG Köln: Kfz-Versi­cherer haftet teil­weise für herab­rol­lendes Fahr­zeug
Rollt ein Fahrzeug einen Berg herab, muss auch ein Fußgänger selbst dafür haften, wenn er versucht, das Auto aufzuhalten. An sich klingt dies soweit logisch. Und dennoch: Der Kfz-Versicherer muss für 30 …
12.07.2019VWheute
Ergo setzt auf radelnde Mitar­beiter Wer mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, entlastet bekanntlich nicht nur die stauüberlasteten Straßen der deutschen …
Ergo setzt auf radelnde Mitar­beiter
Wer mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, entlastet bekanntlich nicht nur die stauüberlasteten Straßen der deutschen Metropolen. Man tut bekanntlich auch etwas für seine Gesundheit. Die Ergo will diesen Eifer nun offensichtlich weiter fördern. So …
18.04.2019VWheute
Quad kolli­diert mit Schot­ter­haufen - kein Scha­den­er­satz Mit Beginn des Frühjahrs werden auch die Motorräder und Quads wieder für den Betrieb …
Quad kolli­diert mit Schot­ter­haufen - kein Scha­den­er­satz
Mit Beginn des Frühjahrs werden auch die Motorräder und Quads wieder für den Betrieb entstaubt. Allerdings: Wer mit seinem Quad auf einem befestigten Wirtschaftsweg mit unangepasster Geschwindigkeit und ungebremst…
08.03.2019VWheute
OLG Düssel­dorf beendet Arag-Erbstreit nach 35 Jahren Prozess­dauer Der 35 Jahre andauernde Rechtsstreit um das Erbe der Arag ist nun rechtskräftig …
OLG Düssel­dorf beendet Arag-Erbstreit nach 35 Jahren Prozess­dauer
Der 35 Jahre andauernde Rechtsstreit um das Erbe der Arag ist nun rechtskräftig beendet worden: Demnach hat das Oberlandesgericht Düsseldorf bereits vor einigen Monaten das erstinstanzliche Urteil des …
Weiter