Frank Thelen, live in Karlsruhe am 2. Oktober 2018
Frank Thelen, live in Karlsruhe am 2. Oktober 2018Quelle: mv
Schlaglicht

Promi-Investor Thelen spricht Versicherern Innovations- und Überlebensfähigkeit ab

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat zu einem Abend mit Frank Thelen an die Universität in der "Deep-Tech- und IT-Hochburg" Karlsruhe geladen. Unter dem Motto: "Von Löwen, Einhörnern und Freigeistern" hat der aus der TV-Show bekannte Thelen zu vielen Zukunftsthemen gesprochen, auch über die Versicherungswelt.

Die 734 Sitze des Audimax waren gut gefüllt, als Thelen ans Mikrofon trat. Er sprach frei von seiner Karriere, begangenen Fehlern inklusive Millionenschuld und einem Geschäftsessen in Japan, bei dem Walsperma kredenzt wurde. Sein Erfolg als Gründer (unter anderem Idenion), und Investor, unter anderem fördert er mit seinem Unternehmen Freigeist mit Geschäftspartnern Start-ups wie Lilium, die ein fliegendes elektrisches Taxi entwickelt haben. Etwas, was Boeing und Airbus nicht geschafft haben.

 

Die Themen der launigen und informativen Keynote Thelens war im Wesentlichen die Wucht, mit der die Digitalisierung über die Gesellschaften hereinbrechen wird. Das Kommende biete große Chancen aber auch Gefahren, deswegen müsse "KI überwacht werden". Wer das wie bewerkstelligen soll, sagte er nicht. Ein weiterer Hauptpunkt war das Thema Deutschland. Das Land müsse beim Thema Digitalisierung und neue Technik einen "global player" stellen, er selbst werbe bei den Politikern unter andere für eine bessere Förderung neuer Technik. Zudem werde die künftige Entwicklung Millionen Jobs vernichten, das bedingungslose Grundeinkommen sei daher "ein Muss".

 

Beeindruckendes aus Karlsruhe

Bekannt ist Thelen den meisten Menschen wohl von der TV-Show "Höhle der Löwen", in der junge Unternehmer ihre Geschäftsideen einer prominenten Jury präsentieren, neudeutsch: pitchen. Auch in Karlsruhe wagten fünf Unternehmen von aktuellen oder ehemaligen Studenten des KIT den Pitch vor einer Jury, der Thelen vorstand. Was sie präsentierten, war intelligent, interessant und begeisterte Jury und Publikum. Das Unternehmen BRC Solar präsentierte eine Erfindung, die bei Photovoltaik-Anlagen die Energie besser nutzt, die bei der Verschattung von Solaranlagen bisher verloren geht. Ein Milliardenmarkt. An Magie grenzt für den Laien, was das Unternehmen Ineratec kann. Mit der innovativen chemischen Reaktortechnologie können Gase im dezentralen Maßstab in flüssige Energieträger oder chemische Wertprodukte umgewandelt werden. Nexol nutzt Solarenergie für einen Boiler, der nur die Hälfte an Energie verbraucht, was ihn für die Nutzung in entlegenen Regionen prädestiniert.

 

An die Bedürfnisse der heutigen Zeit angepasst ist das Geschäftsmodell von Usertimes. Das junge Gründerteam bietet Projekte und Lösungen mit Fokus auf bestmöglicher User Experience (UX) und hat bereits namhafte Kunden. Things Thinking hat das für Versicherer interessanteste Produkt entwickelt, eine semantische Plattform, die Computern "gesunden Menschenverstand" (common sense) beibringt. Dadurch kann das Produkt in nahezu allen Sprachen beispielsweise aus großen Vertragstexten wesentliche Punkte herausfiltern, und zwar in Millisekunden, anstatt in Wochen wie ein Mensch. Gewonnen hat am Ende das Unternehmen Ineratec, aber die Ideen aller Unternehmen begeisterten und sorgten für ungläubige Blicke und offene Münder im Publikum. Wenn solche jungen Menschen die Zukunft sind, braucht niemanden bange um den Standort Deutschland zu sein. Schön auch, dass alle präsentierten (technischen) Lösungen einen ökologischen Fokus haben und die Welt ein Stück besser machen wollen. Die Jungunternehmen sind auch alle bereits (international) im Geschäft, ihre Ideen sind längst keine Träume von idealisierten Nerds mehr.

 

Aktuelles Versicherungsmodell "wird auf Dauer nicht funktionieren"

Willkommen in der Revolution: "Selbst der II. Weltkrieg war ein Kindergeburtstag gegen das, wie die technische Entwicklung die Welt in den nächsten zehn Jahren verändern wird", erklärte Thelen auf der Veranstaltung. Auf die Nachfrage von VWheute, was das für die Versicherungswelt bedeuten würde, erklärte Thelen, dass Versicherungen im Grunde einen "großen Pool bilden, um große Schäden zu regulieren" und von einer daraus entnommenen Marge leben. Dieses Modell werde "auf Dauer nicht funktionieren".

Den großen Konzernen in Deutschland, Banken und Versicherungen eingeschlossen, traut Thelen nicht zu, die digitale Veränderung mitzugestalten: "Es werden in Deutschland keine disruptiven Veränderungen aus Großkonzernen kommen." Diese Unternehmen hätten "keine Agilität", die Zukunft gehöre innovativen Kleinunternehmen, denn die technische Entwicklung ermöglicht diesen, "Dinge zu machen, die vorher nur die Großen konnten."

Frank Thelen · InSurTechs · Fintechs · Zukunft der Versicherung
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