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Digitalisierung verschlafen - Versicherer suchen Kooperation mit Insurtechs

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Insurtech-Sektor boomt, dabei entstehen neue Formen der Zusammenarbeit zwischen den etablierten Versicherungsunternehmen und deren Herausforderern. Da ist eine wesentliche Aussage des World Insurtech Reports von Capgemini und Efma. Ist der Grund der Liebe, dass die Versicherer die Digitalisierung verschlafen haben? Eine weitere Studie bejaht das.  

Laut de Capgemini-Studie sind sich die Versicherungsfachleute der gesamten Branche einig, dass Insurtechs zukünftig durch ihre schnelle und agile Arbeitsweise das Kundenerlebnis neu definieren werden, zu einer Effizienzsteigerung beitragen und neue Geschäftsmodelle entstehen lassen. Die Branche erwartet außerdem, dass sich durch BigTechs und Automobilhersteller neue Wettbewerbssituationen ergeben. Das Ganze geschieht vor dem Hintergrund eines stark wachsenden Insurtech-Sektors, in dem zwischen 2014 und 2017 das Investitionsvolumen durchschnittlich um 36,5 Prozent jährlich gewachsen ist.

 

Alle mögen Insurtechs

 

Im Report wurde die Frage nach den aktuellen und potenziellen Auswirkungen von Insurtechs sowohl den Versicherungsunternehmen als auch an die Techs gestellt. Dabei gaben weltweit 67,1 Prozent und in Deutschland 83,3 Prozent der etablierten Versicherer an, dass Insurtechs das Kundenerlebnis neu definieren können. Die Techs stimmen dieser Frage weltweit mit 91,7 Prozent zu, in Deutschland sogar zu 100 Prozent.

 

Weiterhin gaben weltweit 36,7 Prozent der traditionellen Versicherungen an, dass Insurtechs neue Geschäftsmodelle einführen könnten, während in Deutschland 50 Prozent der etablierten Unternehmen dieser Meinung sind. Auch Insurtechs teilen diese Ansicht – weltweit zu 58,3 Prozent und in Deutschland zu 60 Prozent. Dass die Techs die Fähigkeiten der etablierten Versicherer verbessern können, gaben 35,4 Prozent der Versicherer weltweit an, in Deutschland 33,3 Prozent. Diese Einschätzung teilen die Insurtechs weltweit zu 33,3 Prozent und in Deutschland zu 20 Prozent.

 

Gemeinsam stark

 

Weltweit gaben fast 96 Prozent der Versicherer an, in irgendeiner Weise mit Insurtechs zusammenarbeiten zu wollen, wobei ein Partnerschafts- und Solution-as-a-Service (SaaS)-Ansatz weit verbreitet ist. Die überwiegende Mehrheit (77,9 Prozent) erklärte, dass "Partnerschaften zur Entwicklung einer neuen Lösung" ihr bevorzugter Ansatz sei. Eine ähnliche Mehrheit (75,8 Prozent) sagte, dass sie sich einen SaaS-Ansatz für die Zusammenarbeit mit Insurtechs wünscht. Für ein Drittel (32,6 Prozent) kommen Akquisitionen von Insurtechs in Frage.

 

"Die sich stetig weiter entwickelnden Kundenanforderungen fördern das Wachstum von branchenübergreifenden Ökosystem-Modellen, in denen Kunden umfassende Lösungen für das tägliche Leben suchen. Da ist es klar, dass Versicherer und Insurtechs nur in der Zusammenarbeit einen Schlüssel für eine starke Positionierung sehen, um nicht nur Produkte, sondern umfassende Services bieten zu können. Agilität und Integrationsfähigkeit in digitale Ökosysteme werden kritische Erfolgsfaktoren, um mit der Dynamik des Marktes mitzuhalten. Die künftigen Branchenführer wird man daran erkennen, dass sie die richtigen Partner und eine Chemie in der Zusammenarbeit gefunden haben, um sich nachhaltig und gleichzeitig agil in der Branche zu positionieren", sagt Gunnar Tacke, Managing Business Analyst von Capgemini in Deutschland.

 

Das Schreckgespenst Amazon

 

Parallel zum Aufstieg von Insurtechs gehen die traditionellen Versicherer davon aus, dass eine neue Welle des Wettbewerbs in Kombination von Produktionsunternehmen aus der Automobilindustrie und BigTech-Firmen ausgehen wird. Unter den etablierten Versicherern identifizierten 81 Prozent Amazon als die Hauptquelle für potenziellen neuen Wettbewerb, 59,5 Prozent verwiesen auf andere BigTechs (wie Alibaba) und Produkt-Hersteller. In Deutschland sehen sogar 100 Prozent Amazon als die Hauptbedrohung an und 83,3 Prozent andere BigTechs.

 

"Neuer Wettbewerb erfordert, dass die etablierten Versicherer agil und innovativ sind. Die Zusammenarbeit mit dem richtigen Insurtech-Partner wird den Weg zur richtigen Position erleichtern, da die Branchenkrise anhält", sagte Vincent Bastid, Generalsekretär von Efma.

 

Haben Versicherer die Digitalisierung verschlafen?

 

Eine weitere Studie könnte den Grund herausgefunden haben, warum die Versicherer die Techs so sehr mögen. Laut der Lünendonk-Studie brauchen die Etablierten die Neuen, um ihre eigenen Fehler zu bereinigen, die sie durch das Verschlafen der Digitalisierung begangen haben. Eine Besserung scheint nicht in Sicht zu sein, immer noch würden die Versicherer laut Studie bei der Digitalisierung zu zögerlich handeln.

 

Lünendonk-Analyst Mario Zillmann: "Viel zu lange hat sich die Branche auf gut laufende Geschäfte mit Lebens-, Renten- oder Sachversicherungen verlassen und der Digitalisierung ihrer Kundenschnittstellen keine besonders hohe Priorität eingeräumt." Anstatt neue Geschäftsmodelle zu etablieren, würden die Unternehmen versuchen, das bestehende Geschäft zu optimieren.  Zillmann stellt fest, dass es den Versicherern schwerfallen würde, neue Kunden zu gewinnen, von neuen Ideen und wirklichen Innovationen wäre nichts zu spüren.

 

Ob die Versicherer mit Insurtechs zusammenarbeiten, um ihre eigene Ideenlosigkeit zu kaschieren, wissen wohl am Ende nur die Unternehmen selbst.

Den Report von Capgemini können Sie HIER herunterladen.

 

Die Studie von Lünendonk finden SIE HIER.

 

Digitalisierung · Marktstudie · InSurTechs · Capgemini
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