Quelle: Map-Report
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Bilanzen der Lebensversicherer: Mehr hui als pfui

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Lebensversicherer sind nicht zu beneiden. Digitalisierung, Zinszusatzreserve, Provisionsdeckel und die nicht endende Debatte über den Run-off. Das alles spiegelt sich in den Bilanzen der 82 Gesellschaften wider. Dabei gibt es im Neugeschäft durchaus positive Tendenzen, wie der aktuelle map-Report zeigt.

Die klassischen Bilanzkennzahlen wie Nettorendite, Verwaltungskosten- und Abschlusskostenquote, Beitragseinnahmen, Marktanteilen und weiteren Kennziffern, Bestands- und Neugeschäftsentwicklungen bilden den Schwerpunkt des Map-Reports „Bilanzanalyse deutscher Lebensversicherer 2017“.

Zum Jahresende 2017 hatten die Gesellschaften rund 83,5 Mio. Verträge an Hauptversicherungen im Bestand, fast fünf Mio. Policen wurden neu abgeschlossen. „Unter den gegebenen Umständen ist das ein Erfolg, auch wenn es der Branche seit 2004 nicht mehr gelingt, den Abrieb in den Beständen durch ausreichendes Neugeschäft zu kompensieren“, heißt es in dem Bericht.
Quelle: Map-Report

Mehrheit der Versicherer macht Minusgeschäft

Die verdienten Bruttobeiträge beliefen sich im Jahr 2017 auf 86,07 (Vorjahr 86,31) Mrd. Euro. Das entspricht einem Rückgang von 0,3 Prozent. 29 Gesellschaften gelang es die Beitragseinnahmen zu steigern, 53 Anbieter lagen unter dem Vorjahresniveau. Relativ betrachtet konnte die Mylife die Beitragseinnahmen um 62,6 Prozent auf 120,5 Mio. Euro am deutlichsten ausbauen. Dahinter folgen Credit Life mit einem Wachstum von 27,5 Prozent auf 134,0 Mio. Euro und SV Sachsen mit einem Plus von 24 Prozent auf 623,2 Mio. Euro. In absoluten Zahlen baute die Allianz die Beitragseinnahmen um 2.116 Mio. Euro am stärksten aus, mit deutlichem Abstand gefolgt von der SV Sachsen und Targo mit einem Plus von 120,6 beziehungsweise 68,6 Mio. Euro. Den größten absoluten Rückgang musste die Provinzial Nordwest mit einem Minus von 564,1 Mio. Euro verbuchen. Dahinter, ebenfalls mit Verlusten im dreistelligen Mio.bereich, folgen Generali (minus 271,9 Mio. Euro), Zurich (minus 260,5 Mio. Euro), SV (minus 188,2 Mio. Euro) und Württembergische (minus 184,7 Mio. Euro).

Quelle: Map-Report
Der Bestand an Hauptversicherungen schrumpfte auch im Jahr 2017. Mit 83,54 Mio. Verträgen in der Hauptversicherung stehen 1,06 Mio. Policen weniger in den Büchern als im Vorjahr. Das entspricht einem Minus von 1,3 Prozent. Die kapitalbildende Lebensversicherung (KLV) hat mit 19,4 Mio. Verträgen inzwischen nur noch einen Anteil von 23,3 Prozent am Gesamtbestand. Das sind 1,25 Mio. Verträge beziehungsweise 6,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Lediglich bei SV Sachsen, Targo und Ösa war der Bestand zum Jahrendende 2017 höher als 2016. Zum Jahresultimo ging die Zahl der Bestandspolicen um 0,4 Mio. auf 15,3 Mio. zurück. Das entspricht einem Minus von 2,6 Prozent. Der Anteil an den Hauptversicherungen verringerte sich von 18,5 Prozent auf 18,3 Prozent. Insgesamt schafften es 25 Anbieter, den Bestand auszubauen. Der Löwenanteil entfiel dabei mit 103.287  Verträgen auf den Branchenprimus Allianz, gefolgt von Alte Leipziger (36.865), Generali (20.864) und Ergo (20.606). In der Rentenversicherung konnte der Bestand um knapp 100.000 auf 24,6 Mio. Verträge ausgestockt werden. Mit einem Anteil von 29,4 Prozent haben Rentenverträge den größten Anteil am Bestand. Die Allianz hält allein 19,6 Prozent des gesamten Branchenbestands.

„Niedrigste Stornoquote seit 20 Jahren“

Mit 4,96 Mio. verkauften Verträgen in der Hauptversicherung wurden 126.111 Policen weniger als im Vorjahr abgesetzt. Das entspricht einem Minus von 2,5 Prozent. Im Vergleich zum Jahr 2015 ist dieses Ergebnis jedoch schon wieder erfreulich. Denn zwei Jahre zuvor lag das Defizit noch bei einem Minus von knapp 400.000 Policen (Minus 7,2 Prozent).

Rentenversicherungen hatten im Jahr 2017 mit 21,1 Prozent und 1,05 Mio. Verträgen nicht den höchsten Neugeschäftsanteil. Im Vergleich wurden über 190.000 Policen weniger als im Vorjahr verkauft. Der negative Trend des Vorjahres mit einem Minus von etwas über 81.000 Verträgen hat sich damit deutlich beschleunigt. Die erfolgsreichsten Verkäufer kamen aus den Reihen der Allianz (250.640Verträge), R+V (70.516 Verträge) und Debeka (59.765Verträge). Die SV Sachsen (9.909), Swiss Life (9.320), Allianz (7.112) und Basler (6.878) konnten das Neugeschäft im Vergleich zum Vorjahr am erfolgreichsten forcieren.   In der Risiko-Lebensversicherungen (RLV) betrug der Neugeschäftsanteil mit 1.112.436 verkauften Policen 22,4 Prozent und war erstmals seit fünf Jahren wieder niedriger als bei den sonstigen Lebensversicherungen, zu denen auch fondsgebundene Verträge (FLV) zählen. Deren Neugeschäftsanteil konnte von 20,9 auf 23,1 Prozent ausgebaut werden.

Quelle: Map-Report

Der Report bewertet die Stornoentwicklungen in den einzelnen Sparten „durchweg positiv“. In der KLV lag das Storno, berechnet auf die Anzahl der Verträge, mit 1,85 Prozent nochmals leicht unter dem Vorjahresniveau von 1,90 Prozent. Die höchste Stornoquote mit 4,10 Prozent verzeichneten fondsgebundene Verträge, gefolgt von Risiko-Lebensversicherungen mit 3,23 Prozent. Bei Renten- und Kollektiv-Versicherung wurde das ohnehin niedrige Storno am deutlichsten gesenkt. Bei Rentenverträgen ging die Quote von 2,80 auf 2,59 Prozent zurück, für Kollektivverträge von 2,62 auf 2,46 Prozent. „Insgesamt erreichte die Stornoquote das niedrigste Niveau seit 20 Jahren“, heißt es im Report.

 

2017 lag die Abschlusskostenquote der Lebensversicherer wie im Vorjahr stabil bei 4,7 Prozent. Bereits im Jahr 2016 fielen die absoluten Aufwendungen mit 7,01 Mrd. Euro um 1,5 Prozent geringer aus als 2015. Dieser Trend setzte sich nur teilweise 2017 fort. Die Abschlussaufwendungen gingen um weitere 3,0 Prozent auf 6,8 Mrd. Euro zurück, während auch die Beitragssumme des Neuzugangs um 3,0 Prozent auf 144,3 Mrd. Euro fiel. Die Lebensversicherer mussten damit im Branchendurchschnitt für 2,5 Prozent weniger neu eingelöste Versicherungsscheine unverändert hohe Abschlussaufwendungen zahlen.

Lebensversicherer
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