Quelle: Allianz
Schlaglicht

Allianz-Chef Bäte stets bemüht

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die persönliche Erfolgsbilanz von Oliver Bäte nach mittlerweile über dreijähriger Amtszeit als CEO eines der weltweit mächtigsten Versicherer hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Die Ergebnisse stimmen, doch die ambitionierten Digitalpläne stocken. Die Belegschaft zieht nur schleppend mit und ein französischer Konkurrent scheint den Münchenern ausgerechnet bei der Digitalisierung einen Schritt voraus zu sein. Hat sich der Manager von Anfang an verzettelt?

Zum Amtstritt präsentierte Oliver Bäte seine Erneuerungsagenda, ein ambitioniertes Projekt, das für großes Aufsehen am Markt sorgte und den Versicherungskonzern zwischen Tradition und Moderne in die Zukunft führen sollte. Das große Vorhaben neigt sich nach ursprünglichen Plänen Ende des Jahres seinem Finale zu.

 

Die reinen Geschäftsergebnisse sprechen für den bei McKinsey groß gewordenen Top-Manager. Im Geschäftsjahr 2017 hat sich der Konzern gut entwickelt. Der Gesamtumsatz stieg 2017 um 3,0 Prozent auf 126,1 Milliarden Euro (2016: 122,4 Milliarden Euro). Das operative Ergebnis wuchs 2017 leicht um 0,4 Prozent auf 11,1 (2016: 11,1) Milliarden Euro. Damit lag das operative Ergebnis in der oberen Hälfte der angekündigten Zielspanne von 10,3 bis 11,3 Milliarden Euro. Bäte will Ende November auf einem Kapitalmarkttag die finanziellen und operativen Ziele für die nächsten Jahre vorstellen. Wachstumschancen wird vor allem in der Sachversicherung in Asien gesehen – auch durch Übernahmen.

 

Und doch muss sich Bäte die kritische Frage gefallen lassen, ob das schon alles war. Denn eines seiner wichtigsten Ziele – die digitale Beschleunigung – kommt nur schleppend voran.

 

Die Wirtschaftswoche etwa berichtet von einer Häufung von internen Problemen. Die Start-up-Tochter Allianz X habe gerade einmal zwei echte Ausgründungen hervorgebracht. Ideen aus dem Konzern waren Mangelware. „Wenn doch mal jemand mit einem richtig guten Einfall kam, killten andere Abteilungen im Konzern das Projekt“, zitiert das Wochenmagazin einen früheren Mitarbeiter.

 

Die Traditionalisten unter den Mitarbeitern indes sprechen sich gegen den aktuellen Kurs aus. Er sei zu radikal, zu offensiv. Der CEO steht vor der Schwierigkeit viele Interessen unten einen großen Allianz-Hut zu bringen.

 

Auch wird der Vorwurf laut, dass sich Bätes Entwickler beim Umbau des Geschäftsmodells in erster Linie darauf beschränkt haben, „neben die Kundenpost und die Hotline noch eine App zu stellen“. Beim Kunden hat das nicht immer einen guten Eindruck überlassen.

 

Die Allianz ist heute ein gutes Stück davon entfernt, das Geschäft als Ganzes grundlegend umzubauen. Dazu sind Prozesse und Regeln in fast 130 jahrelang gewachsenen Prozessen zu stark verankert. Auf der anderen Seite machen Konkurrenten wie die Axa vor, dass vorwärts getriebenes Geschäft auch in schwierigen Zeiten und über Jahre hinweg gewachsenen Strukturen doch möglich ist. Besonders durch Projekte, die erst in einigen Jahren eine größere Rendite abwerfen könnten; nicht zuletzt aber auch durch mutige Investitionen und Akquisitionen.

 

Bei Letzteren sorgt Bäte mit seinem Übernahmehunger zwar immer wieder für Aufsehen, doch man sehe sie nicht als zwingend notwendig. Kaufpreise bis zu zehn Milliarden Euro könne Europas größter Versicherer ohne eine Kapitalerhöhung stemmen.

 

Wie und wo die Allianz künftig hin will? Das muss der Stratege Bäte aber noch klarer herausstellen.