Märkte & Vertrieb

"Es ist zu viel, wenn der Makler nicht die Möglichkeit hat, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Es wird weiter Makler, Beratung und Vertrieb geben – auch noch in 20 Jahren, denn der Kunde wird es verlangen", glaubt Stephen Voss, Vorstand Marketing und Vertrieb Neodigital. Für einfachere Produkte gebe es Ventillösungen wie Check24. Die Kernaufgabe der Branche bestehe nun darin, den Transformationsprozess zur neuen Makler-Generation so hinzubekommen, dass diese ihren Pflichten gut und gesetzeskonform nachgehen kann.

Wie könnte der Wandel im Vertrieb aussehen?

Mehr als die Hälfte der Vermittler ist über 50 Jahre. In den nächsten Jahren werden viele Makler schließen oder in größere Einheiten integrieren, Unternehmen wie Blau direkt oder Smart Insurtech bieten bereits Lösungen an, wie ein Makler seinen Bestand weitergeben kann, das ist ganz klar ein Trend im Markt. Übernimmt ein neuer Makler einen Bestand, nimmt er diesen als Grundstock und möchte das Kundenportfolio komfortabel verwalten. Dafür wird er ein Maklerservice-Programm nutzen oder sich einem Wohlfühl-Pool anschließen, der alle diese Dienstleistungen in der Cloud erledigt. Denn Komfort bedeutet hier Zeit- und damit Kostenersparnis für den Makler.

Ist das tatsächlich so einfach, wie sie das beschreiben, sind alle Maklerbüros digitalisierungsready?

Nein, einige Makler führen ihren Bestand noch in Excel-Listen oder Karteikarten und die Buchführung macht die Frau halbtags. Andere arbeiten mit veralteten Software-Programmen, eine dritte Gruppe ist bereits modern oder zumindest semi-modern aufgestellt. Viele Makler machen sich aktuell Gedanken darüber, wie sie ihren Bestand so aufbereiten, dass er für einen potenziellen Käufer interessant ist, ein Karteikartenbestand ist dabei ein großes Problem, denn ein Käufer hat weder die Zeit noch die Lust, sich in ein solches System einzuarbeiten – da nützen auch keine 3000 Bestandskunden, wenn die Daten nicht verarbeitbar sind.

Aber der Makler wird weiter bestehen?

Es wird weiter Makler, Beratung und Vertrieb geben – auch noch in 20 Jahren, denn der Kunde wird es verlangen. Für einfachere Produkte gibt es Ventillösungen wie beispielsweise Check24, aber die Beratung wird ein Bestandteil des Marktes bleiben, weil es die Kundenbedürfnisse gibt. Es ist die Aufgabe der Branche, den Transformationsprozess zur neuen Makler-Generation so hinzubekommen, sodass diese ihren Pflichten gut und gesetzeskonform nachgehen kann.

Macht ihnen das Maklersterben als Vertriebsvorstand und Maklerversicherer Sorgen?

Uns macht das weniger Sorgen. Weniger Vermittler werden sich künftig um mehr Kunden kümmern müssen, dafür müssen sie ihre administrativen Abläufe optimieren. Das können sie tun, indem sie ihre Prozesse digitalisieren und mit dem Versicherungsunternehmen über ein Maklerprogramm automatisch austauschen, bei diesem Thema sind wir bei Neodigital bestens aufgestellt. Das nächste Thema wird Roboadvise sein. Ein Beispiel: Laut IDD muss der Makler seine Kunden einmal im Jahr über seine Produkte informieren, nehmen wir den Jungmakler, der gerade einen 2.000 Köpfe starken Bestand übernommen hat, wie kann der das angehen?

Stichwort Pflichten. Sind die Anforderungen an die Makler zu umfangreich geworden?

Es ist zu viel, wenn der Makler nicht die Möglichkeit erhält, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen. Die Anforderungen gehen in die richtige Richtung, aber die Schlagzahl ist zu hoch, die nötige Technik steht noch nicht bereit. Der Makler soll sich richtigerweise intensiver mit den Produkten und Haftungsfragen beschäftigen, doch dafür muss er an anderer Stelle entlastet werden, er muss schulungs- und tooltechnisch auf die neuen Anforderungen vorbereitet werden. Da knistert es im Markt.

Das vollständige Interview lesen Sie in der Oktober-Ausgabe des Magazins Versicherungswirtschaft.

Neodigital
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