Emanuel Issagholian
Emanuel IssagholianQuelle: Gothaer
Unternehmen & Management

"Wer nicht wie ein Kunde denkt, verschwindet vom Markt"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Gothaer hat kürzlich gegründet: Die Gothaer Digital GmbH will damit die Digitalisierung vorantreiben – VWheute hat mit dem Chef der neuen Einheit, Emanuel Issagholian, Geschäftsführer der Gothaer Digital GmbH und Leiter Digitalisierung und Datenmanagement, gesprochen.

VWheute: Warum braucht es die Gothaer Digital GmbH, warum ist sie im Insurlab angesiedelt?

 

Emanuel Issagholian: Die Gothaer Digital GmbH soll uns ermöglichen, konzentriert an der Entwicklung bzw. Weiterentwicklung digitaler Geschäftsmodelle zu arbeiten und neue Ideen noch flexibler umzusetzen. Dafür ist es notwendig, Rahmenbedingungen zu schaffen, die auf Innovation hin optimiert sind. Gleichzeitig ist uns eine Nähe der Digital GmbH zu unseren Kerngesellschaften sehr wichtig – denn digitale Geschäftsmodelle werden bei uns nur in enger Zusammenarbeit zwischen Digital GmbH und Risikoträgern entwickelt. Das Insurlab in Köln bietet für uns dafür die optimalen Rahmenbedingungen – eine gute Infrastruktur, Nähe zu Start-ups und gleichzeitig eine gewisse Nähe zu unserem Headquarter.

 

VWheute: An was wird aktuell gearbeitet, wie kommen Sie an ihre Themen/Aufgaben?

 

Emanuel Issagholian: Aktuell sind wir erst einmal dabei, die ersten Mitarbeiter zu gewinnen. An unsere Aufgaben und Themen kommen wir stets aus der Kerngesellschaft – im ersten Projekt aus unserer Krankenversicherung. Mehr Details kann ich aber im Moment noch nicht verraten.

 

VWheute: Welche Ziele verfolgen Sie kurz, mittel- und langfristig?

 

Emanuel Issagholian: Wir wollen die Innovationskraft der Gothaer weiter stärken – vor allem beim Thema Geschäftsmodellinnovation. Erste Etappenziele hierbei sind neben der nun erfolgten Gründung der GmbH der Abschluss des Rekrutierungsprozesses und die Aufnahme der operativen Projektarbeit. Danach wollen wir erste Projekte realisieren bevor wir langfristig weiterplanen.

 

VWheute: Sie haben gerade angefangen, an welchen Parametern wird man ab wann messen können, ob die neue Einheit erfolgreich ist?

 

Emanuel Issagholian: Es gibt natürlich Parameter, an denen wir den Erfolg der GmbH messen können und werden. Diese Erfolgsmessung beginnt auch relativ kurze Zeit nach Aufnahme des operativen Projektbetriebs. Weitere Details zu den konkreten Parametern sind jedoch vertraulich.

 

VWheute: Sie wollen die "Abhängigkeit von externen Spezialisten verringern". An was denken Sie dabei konkret?

 

Emanuel Issagholian: Auch heute arbeiten wir bereits an verschiedenen Stellen an der Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle – häufig unter Einbindung und mit Unterstützung externer Spezialisten. Einen Teil der konzeptionellen Skills bauen wir nun in der Gothaer Digital GmbH auf, so dass wir diese künftig in einem geringeren Umfang extern einkaufen müssen und gleichzeitig das Know-how aus realisierten Projekten im Konzern behalten können.

 

VWheute: Die Reduktion von Abhängigkeit bedeutet, etwas besser oder zumindest gleich gut wie der Drittanbieter zu liefern (zu günstigeren Preisen), wie wollen Sie so schnell die nötige Expertise aufbauen, in welchen Bereichen?

 

Emanuel Issagholian: Das sehe ich anders – die Reduktion von Abhängigkeit bedeutet in erster Linie im Zweifel auch ohne einen Drittanbieter immer noch arbeitsfähig bleiben zu können. Und gerade in der Ideation- und Prototyping-Phase eines Innovationsprozesses, wo vor allem kreativ-konzeptionelle Skills erfordert werden, halten wir es für wichtig und möglich, die nötige Expertise aufzubauen. So werden die ersten Mitarbeiter der Digital GmbH ihre Schwerpunkte im Bereich Digital Business Development, Innovation Management und UX Design haben.

 

VWheute: Zum Schluss die VWheute-Glaskugel: Wie wird die Versicherung in fünf Jahren aussehen, welche Dienste/Angebote/Konzepte werden sich durchsetzen, welche in der Versenkung verschwinden?

 

Emanuel Issagholian: Auf jeden Fall anders als heute... Automatisierung und Individualisierung werden eine viel größere Rolle spielen. Es wird selbstverständlich sein, dass Versicherer mehr als nur Versicherungsschutz anbieten können. Und es wird all das in der Versenkung verschwinden, was nicht radikal genug vom Kunden her gedacht wurde. Ob das nun in drei, fünf oder zehn Jahren so kommen wird – wir werden sehen.