Mark Klein (li.), Marco Röhrle
Mark Klein (li.), Marco RöhrleQuelle: Ergo
Schlaglicht

Digital Ventures: Wie sich Ergo um das Image des digitalen Sympathieträgers bemüht

Von Sascha SchulzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ein kreatives Entwicklungszentrum abseits von Teppich, Anzügen und Krawatten, wie es schöner nicht sein könnte: In der Berliner "Factory" direkt am Mauerpark baut die Ergo Group an einer digitalen Realität, die die Mitarbeit im Konzern menschenfreundlicher machen und Kunden durch mehr Einfachheit und Sicherheit überzeugen soll. Mark Klein, Chief Digital Officer der Gruppe, stellte die digitalen Ambitionen und Aktivitäten seines Arbeitgebers in kleiner Runde vor – VWheute war dabei.

Die Digitalisierungsstrategie der ERGO Group setzt – stark zusammengefasst – auf eine "digitale Foundation", mit deren Hilfe Geschäftsprozesse auch in Zukunft einfach und minimal invasiv modelliert werden können. In Teilbereichen, die neu geschaffen oder "digital renoviert" wurden, gelingt dies bereits durch sich selbst entwickelnde Software – Beispiel: Nexible. Bei tradierten Anwendungen greifen die von Sita Schwenzer, Leiterin Digital Transformation Office, vorgestellten Robotics-Strategien, um gekapselte Teilprozesse zu formulieren und anzupassen.

 

Maschine versteht Mensch

 

Mit Spezialapplikationen, die zum Teil auf frei verfügbarer Open Source basieren, haben die ExpertInnen vor Ort Eigenentwicklungen erstellt. Damit soll der ermüdende Anteil am Tagesgeschäft vereinfacht werden - wie zum Beispiel das Sortieren hunderttausender eingehender E-Mails in mehreren hundert Einzelpostfächern. Marco Röhrle, Leiter Data Science, präsentierte eine funktionierende semantische Analyse: Der Computer versteht Inhalt, Sinn und Zweck von Kunden-E-Mails – und kann sie dem richtigen Empfänger zuleiten.

 

Abschluss per Sprachsteuerung

 

Judith Storm, Innovation Managerin, gab eine Europa-Premiere: Integration von Vertrieb und Service in einen völlig neuen digitalen Absatzkanal funktioniert bei Ergo bereits: Shoppen mit reiner Sprachsteuerung, ganz ohne Medienbruch. Storm präsentierte eine gerade fertiggestellte Anwendung, mit der sich vollständig sprachbasiert eine Reiseversicherung abschließen und mit Amazon Pay bezahlen lässt.

 

Diskrete Sensorik schützt

 

Die Ausstattung von Kundenhaushalten mit Sensorik zur Schadenserkennung und Schadensvermeidung ist ein weiteres Ziel auf der digitalen Roadmap. Dr. Gregor Wiest, Leiter Innovation Management, bat hierfür einen Kollegen, unter einem an der Decke befestigten Radarsensor auf den Boden zu fallen: Der Sensor bemerkte, dass sich eine Person in einem definierten Bereich befand (dies hätte zum Beispiel eine Seniorin sein können), und meldete den Sturz in Sekundenschnelle an einen angeschlossenen Rechner. "Künftig könnte ein solcher Sensor über ein eingebautes Telefonmodul den Rettungsdienst alarmieren", so Wiest. 

 

Tracking wird immer effizienter

 

Auf die wirksame Abschreckung und Aufklärung bei Fahrraddiebstählen setzt Innovation Managerin Alexa Steinkamp, die mit einem Fahrrad präsentierte, wie sich durch versteckte Diebstahlsensoren der Weg von Diebesgut nachvollziehen lässt. "Fahrräder und E-Bikes werden tendenziell immer hochpreisiger, die Sensoren und die Übertragungstechnik rechnet sich auf jeden Fall."

 

Mitarbeiter verstehen Wandel als Chance

 

Und was bringt das alles nun den Mitarbeitenden? Michael Gockel ist 51 Jahre jung, seit 25 Jahren in der Versicherungsbranche – und wollte noch mal was ganz anderes machen, etwas Neues erfinden. Heute ist er "Director Claims" bei Nexible.

 

 "Wem macht es schon Spaß, Daten von System A in System B zu übertragen“, merkt John-Paul Pieper, Nexible-CEO zurecht an. Nexible ist als digitaler Versicherer auf dem vollständigen Pfad zur Digitalisierung. 90 Sekunden, und die Police ist da. Seit Oktober 2017, online, will Ergo mit dem neuen Unternehmen zeigen, wie digital Versicherung geht. Keine Telefonhotline, nur Chat und E-Mail, noch keine Sprachnachrichten.

 

Ein simples Autoversicherungsprodukt "ohne X, M und L", so Klein, "mit bestmöglicher Coverage zum fairen Preis - und ohne Zusatzoptionen, ohne Wahltarife, ohne Aufschläge bei monatlicher Zahlung." Mit Nexible werden Kunden adressiert, die eigentlich gar nichts von ihrer Versicherung hören wollen. "Das Thema Versicherung soll unmerkbar sein für unsere Klientel2, so Pieper. Damit alles schnell geht, steht hinter Nexible eine Engine, die sich selbst weiterentwickelt. "Software writes Software bedeutet: Kein aufwändiges Coding, weniger Abstimmung, weniger Fehler."

 

Auch außerhalb von Nexible macht die digitale Prozessoptimierung Fortschritte: Digitale Roboter reduzieren die Zeit zur Auslösung eines Prozesses von 45 Minuten auf 10 Minuten. Im Juli 2017 wurden digitale Ansätze bei Ergo rund 5000 Mitarbeitenden vorgestellt, über 300 Feedbacks wurden eingeholt. "Natürlich müssen wir transparent sein und qualifizieren", so Klein. Der Großteil der Belegschaft verstehe den digitalen Wandel als Aufbruch und als Möglichkeit, die freiwerdende Zeit für abwechslungsreichere Tätigkeiten sinnvoll zu nutzen. Evolution ohne Revolution.

 

 

Ergo · Nexible · Mark Klein · Digitalisierung
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