Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise (links), Dr. Arne Holzhausen, Leiter Insurance and Wealth Markets
Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise (links), Dr. Arne Holzhausen, Leiter Insurance and Wealth MarketsQuelle: Matthias von Bredow
Unternehmen & Management

Weltweites Privatvermögen wächst um 7,7 Prozent – Rückfall absehbar

Von Mathias von BredowTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Auch wenn das Bild im nationalen Bereich durch Niedrigzinsen und abnehmende Renditen getrübt ist - global gesehen war das Jahr 2017 für die privaten Sparer und Kapitalanleger erfolgreich. Der synchrone Aufschwung der Weltwirtschaft und die weitgehend schwankungsfreie Aufwärtsentwicklung der Finanzmärkte ließen das Brutto-Geldvermögen weltweit auf 168 Billionen EUR wachsen.

"Die Welt ist im zurückliegenden Jahr reicher geworden - und zwar um 7,7 Prozent", so Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise anlässlich der Vorstellung des "Allianz Global Wealth Report 2018", bei dem VWheute vor Ort war. Allerdings, so prognostizierte der Finanzexperte, drohe für die Vermögensentwicklung schon in diesem Jahr ein "kräftiger Rückfall" auf nur noch knapp 3 Prozent Wachstum. Darauf deuten erste Indikatoren hin, unter anderem ein Rückgang an den Börsen. Auch unsicherere Rahmenbedingungen durch Handelskriege, Brexit oder andere politische Umbrüche in Europa und den USA könnten dazu beitragen.

 

Die Aktie kommt

 

Die verhaltenen Aussichten ändern freilich nichts daran, dass im Jahr 2017 eine weltweite Renaissance des Wertpapiersparens zu beobachten war. Auch in Deutschland, wo die Sparer lange Jahre trotz sinkender Zinsen lieber auf weniger risikobehaftete Anlageformen setzten, zeichnet sich ein vorsichtiger Umschwung in Richtung Investmentsparen ab. Auf globaler Ebene stiegen die Investitionen in Wertpapiere wesentlich stärker. Im Gegensatz dazu fielen die Bankeinlagen gegenüber dem Vorjahr erheblich ab und liegen jetzt weltweit bei knapp unter 50 Prozent. Von einem "Liebesentzug für die Bankeinlagen" sprach Heise. Er rechne damit, dass der Trend zur Aktie nachhaltig sei und längerfristig andauern werde, vorausgesetzt, es komme nicht zu unvorhersehbaren Einbrüchen größeren Ausmaßes.

 

Der Allianz-Report machte deutlich, dass sich zwar die globale Vermögensungleichheit zwischen den 50 erfassten Ländern verringert. Gestiegen ist aber die nationale Ungleichheit, u.a. in den Industrieländern, von den USA über die Eurokrisenländer bis hin zu Deutschland und Japan. Doch haben diese im Jahr 2017 aufgeholt. Speziell die USA seien wieder zurück, so die Analyse, während China und die übrigen Schwellenländer "schwächeln". Einen geänderten Blick auf die nationale Verteilungslage der Vermögen eröffnet ein neu eingeführter Indikator, der "Allianz Wealth Equity Indicator (AWEI)", der von Dr. Arno Holzhausen, Leiter Insurance and Wealth Markets, vorgestellt wurde. Er zeigte, dass es auch in Ländern wie Dänemark, Schweden und Deutschland eine "verzerrte" Vermögensverteilung gebe. Gleichwohl könne mit Ausnahme der USA nicht generell davon gesprochen werden, dass die Reichen hier schon alles hätten und nichts für die Armen übrig bleibe.

 

Die Lage in Deutschland

 

Für Deutschland ergibt der Report ein differenziertes Bild: Einerseits erzielte das Brutto-Geldvermögen 2017 sein höchstes Wachstum seit der Finanzkrise und stieg auf 73.625 EUR pro Kopf. Dennoch rutschte das Land im internationalen Vergleich ab. Dafür mitverantwortlich war vor allem die nicht zufriedenstellende Entwicklung der Zuwächse. Trotz enormer Sparleistung bleiben die Renditen hinter den Möglichkeiten zurück. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die Deutschen immer noch bevorzugt auf Sicherheit ihrer Anlagen zu Ungunsten der Erträge setzten. Sie arbeiten, so ein bonmot, eher für ihr Geld, anstatt das Geld für sich arbeiten lassen. Zudem kletterte in Deutschland das Schuldenwachstum auf einen Rekordwert. Mit dem Problem steht das Land allerdings nicht alleine da: "Die Schulden wachsen weltweit weiter - und damit auch die Sorgen um die Schuldentragfähigkeit", so der Report.

Allianz Deutschland · Michael Heise · Allianz · Geldvermögen
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