Labor und Forschung
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Schlaglicht

Dass mit PKV-Geld Forschung bezahlt wird, überzeugt Skeptiker nicht

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die PKV hat ein Imageproblem. Dauernd muss sie sich die Frage stellen lassen, welchen Wert sie für das Gesundheitssystem hat. Gelingt darauf keine Antwort, wird TK-Vorstand Barbara Steffens recht behalten: „Das Ende der PKV ist doch nur eine Frage der Zeit.“ Ein Kommentar.

Bisher konnten sich die privaten Kassen auf eine stützende politische Hand verlassen, doch die Zustimmung innerhalb des Bundestages ist brüchig. Eine Wahl ohne Mehrheit der PKV-Befürworter mit folgender massiver Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze und die PKV bekommt keine neuen, jungen Mitglieder für die Volltarife mehr, die sie aber für den Fortbestand dringend benötigt. Als letzte Karte bliebe der Branche dann noch die Beamtenschaft. Aber wie lange kann diese Karte gefahrlos gespielt werden? Nach Hamburg hat mit Thüringen bereits das zweite Bundesland seinen Beamten den Weg in die GKV geebnet. Das zeigt, der politische Wille in der Bundesrepublik ist längst nicht mehr eindeutig pro duales System.

 

Die PKV-kritischen Parteien Linke und Grüne würden das System sofort beerdigen, die SPD ist koalitionsgebunden, doch ihre Landespolitik zeigt die Präferenz. Wenn bei der nächsten Wahl wieder einmal eine Bürgerversicherungsdiskussion entbrennt und keine ausreichende politische Rückendeckung in Sicht ist, hätte die PKV dann genügend überzeugende Argumente für die Erhaltung der Dualität?

In vielen Bereichen ist es notwendig, dass die Medien den Menschen einen Sachverhalt näherbringen, nicht so beim Thema Gesundheit. Jeder in Deutschland hat seine Erfahrungen gemacht und sammelt fleißig weiter. Das Problem für die PKV ist, dass die gesetzlich Versicherten längst erkannt haben, dass sie, gefühlt oder tatsächlich, oft nur die zweite Wahl sind. Ein Beispiel dafür ist die Bevorzugung von Privatpatienten bei der Ärzte-Terminvergabe. Gesundheitsminister Jens Spahn hat das Murren der Mehrheit der Versicherten vernommen und geht das Problem jetzt an. Das Ziel ist eine Angleichung der Behandlung eines Kassenpatienten auf das Niveau eines Privatpatienten.

 

Genau diese vermeintliche Ungleichbehandlung gibt es auch im Krankenhaus. Ein Kassenpatient hat keinen Anspruch auf Chefarztbehandlung oder Einbettzimmer, er muss dafür eine private Zusatzversicherung abschließen. Was ist die Antwort der PKV, wenn die wachsende Gruppe von über 72 Mio. GKV-Versicherten die Frage nach der Gleichbehandlung im Krankenhaus stellt?

Die PKV-Branche ist gut beraten, ihren Nutzen am bisherigen Gesundheitssystem dauerhaft aufzuzeigen und Lösungen mitzuprägen, die allen Versicherten helfen. Eine Studie hier und da ist dafür nicht ausreichend.

 

Die Opposition hat immer eine Gegenstudie oder ein Beispiel zur Hand, Stichwort: Einheitsversicherung in den Niederlanden. Eine dann folgende intensive Fachdiskussion über die Auslegung von Begriffen oder Statistiken in Fachmagazinen erreicht die Menschen nicht. Die Branche muss sich aktiv an aktuellen Gesundheitsdebatten beteiligen. Der Nutzen des dualen Systems und der Anteil der PKV an selbigem muss stärker betont werden.

 

Dass mit PKV-Geld wichtige Studien und Forschung bezahlt werden, hat noch nie einen PKV-Skeptiker überzeugt. Emotionale Themen wie die Terminvergabe bei Fachärzten, die bevorzugte Behandlung im Krankenhaus oder die Pflege müssen von der PKV mitgeprägt und Lösungen gefunden werden. Im Kern wollen die Menschen ein faires Gesundheitssystem. Die gefühlte oder tatsächliche Bevorzugung einer kleinen Gruppe wird in polarisierenden Zeiten nur dann dauerhaft toleriert, wenn diese etwas zum Wohl aller beisteuert. Gelingt das nicht, ist das Ende der PKV "nur eine Frage der Zeit".

 

Die PKV im Gesundheitssystem

 

Es ist nicht so, dass die PKV nichts für das Gesundheitssystem tun würde, Dr. Tim Genett, Geschäftsführer Politik beim PKV-Verband, hat  in der Versicherungswirtschaft herausgearbeitet, dass der "Wettbewerb zwischen GKV und PKV beiden Systemen nutzt. Die Analyse "Medizinisch-technischer Fortschritt als Ergebnis des Systemwettbewerbs zwischen GKV und PKV" liefert weitere Beispiele, dass die PKV letztlich allen Versicherten nutzt.

 

In der Analyse hat der PKV-Verband den Nutzen der PKV anhand konkreter Beispiele herausgestellt, im ambulanten Bereich wurde beispielsweise die Positronen-Emissions-Tomographie-CT, ein diagnostisches Verfahren zur detaillierten Darstellung von Tumoren, vorangetrieben. Im stationären Bereich kann der Hochintensiver fokussierter Ultraschall (HIFU), gezielte Bündelung von hochenergetischen Ultraschallwellen, die pathologisches Gewebe erhitzt und zerstört, genannt werden. Die die Liste ließe sich fortsetzen, auch in anderen Bereichen wie bei Arzneimitteln.

 

Doch reicht das, werden diese Erfolge in der breiten Öffentlichkeit, bei den Bürgern und Wählern, genügend wahrgenommen? Die Beantwortung dieser Frage könnte letztlich über die Zukunft der PKV entscheiden.

 

 

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