Inscom, die hochkarätig besetzte "Elefantenrunde"
Inscom, die hochkarätig besetzte "Elefantenrunde"Quelle: Alexander Kaspar
Politik & Regulierung

Was Versicherer von Amazon lernen müssen

Von Alexander KasparTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Mit einer hochkarätig besetzten "Elefantenrunde" am zweiten Veranstaltungstag ist die diesjährige Insurance Conference Munich 2018 (INSCOM) zu Ende gegangen. Vertreter von Allianz, Amazon, SAP, IBM, Signal Iduna und vom Veranstalter MSG diskutierten die Frage: Digitales Ökosystem - Wie kann sich die Versicherungswirtschaft branchenübergreifend entwickeln?" Doch das Highlight war die Amazon-Präsentation.

Zuvor hatte Antony Jacob, bei Amazon Web Services (AWS) für alle Fragen der Geschäftsentwicklung im Bereich Versicherung zuständig, in seinem mit großer Spannung erwarteten Vortrag Strategie, Geschäftsmodell und Unternehmenskultur des Internetgiganten vorgestellt. 

Do it like amazon? Diese Frage stand unausgesprochen über der Veranstaltung, denn Amazon ist zwar heute einerseits Vorbild für die enzyklopädische Geschäftsentwicklung und gleichzeitig ein gefürchteter Konkurrent und vielleicht schon morgen begehrter Partner für neue Modelle. In diesem Spannungsfeld bewegt sich die Versicherungsindustrie weltweit und starrt wie das Kaninchen auf die Schlange, was wohl demnächst noch so für disruptive Ideen aus dem Netz herüberschwappen.

 

Doch die durch die Digitalisierung anfänglich geschaffene Irritation in der Branche ist mittlerweile der Praktikabilität gewichen. So hat sich die Allianz zum Beispiel entschlossen, über den eigenen Schatten zu springen, den Stier bei seinen Hörnern zu packen und offensiv eine umfassende Kooperationsbereitschaft annonciert – VWheute berichtete.

 

Man kann und will nicht mehr alles allein entwickeln, dazu ist das Tempo zu hoch und auch bei einem Player wie der Allianz dafür die Mittel zu begrenzt. Auf gemeinsam genutzten Plattformen will man sich zukünftig neu arrangieren, denn "in den vergangenen zwei Jahren haben wir eine Menge gelernt", räumte in diesem Zusammenhang Andreas Nolte, CIO bei der Allianz Deutschland AG, freimütig ein.

 

Offensichtlich ist die "Lonesome-Cowboy-Denke" in der neuen Cyberwelt an ihr natürliches Ende gekommen und so sucht man nach neuen Ansätzen, teilen lautet einer, kooperieren ein anderer. Das bei allem Cloud-Computing und Blockchain-ing gerade für Versicherer grundsätzliche Fragen zu Datenschutz und Kundenvertrauen vollumfänglich berücksichtigt werden müssen, versteht sich da ganz von selbst, wie die Teilnehmer unisono unterstrichen. Diesem Thema messen die Manager im Unternehmen auch eine deutlich größere Relevanz zu, als dem Thema Blockchain, welches für die Allianz beispielsweise nur eine geringe Relevanz hat, wie Nolte auf Frage des Moderators erstaunlich offen bekannte. Erst in drei bis fünf Jahren könnte sich dies ändern, bis dahin gibt es jede Menge andere Baustellen zu organisieren, veraltete Software in den Häuser zum Beispiel.

 

Recruiting als Problem

Ein weiteres Problem für Unternehmen, die sich offensiv auf die Reise in die neue weite digitale Welt machen, besteht im Recruiting. Bekanntermaßen machen echte "High Potentials", und dazu gehören IT-ler, Software-Designer, Data-Science-Experten und Blockchain-Spezialisten, einen großen Bogen um Deutschland, allen politischen Sirenengesängen zum Trotz.

 

Zu hoch die steuerliche Belastung, zu langsam die Netze und zu kompliziert die Genehmigungs- und Zulassungsverfahren hierzulande. Gleichzeitig buhlen Google, Apple, Facebook, Instagram und all die anderen Web-Dominatoren wie die Versicherer selbst um solche Fachkräfte. Ein gutes Gehalt reicht dabei nicht mehr aus. Die Company muss "sexy" sein, hoch-agil und kreativ. All dies ist die Versicherungswirtschaft (noch) nicht.

 

Der Riese gibt sich die Ehre

 

Amazon schon, wie aus dem Vortrag von Antony Jacob deutlich wurde. Amazon sucht systematisch Leute die Aufbauen (sogenannte Builder) und lassen sie bauen. In kleinen Teams (Two-Pizza-Teams, d.h. für die Unit reichen in der Pause zwei Pizzen) darf nach Herzenslust kreativ gearbeitet werden, Fehler sind dabei Teil des Systems, denn "Scheitern ist der Zwillingsbruder der Innovation".

 

Die Leute sollen Rückgrat haben Widerworte geben und selbstbewusst ihre Idee vertreten. Das hört sich für deutsche Ohren revolutionär an, ist es auch, wird aber zunehmend verstanden und umgesetzt. Für Versicherer bedeutet dies ein Kulturwandel, eine Entwicklung, die vom Kunden getrieben wird und der diesen wiederum selbst in Zentrum aller Bemühungen stellt. Das gilt bei Amazon wie auch in der Versicherungswirtschaft.

 

Darüber besteht branchenübergreifend Konsens und das könnte durchaus auch die Basis für Kooperationen aller Art werden. Einen Einblick in die Herausforderungen denen sich die Versicherungsindustrie gegenübersieht bot in ungetrübter Offenheit das Panel: "Digital Ecosystems - Wow can Insurance evolve across Industries?", Ausschnitte hier im Video.
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