London, Sitz von Lloyds
London, Sitz von LloydsQuelle: Pcwinne / www.pixelio.de / PIXELIO
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Halber Gewinn bei Lloyds futsch

Von Philipp ThomasTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Londoner Versicherungsbörse hat ihren Gewinn um die Hälfte reduziert. Lloyds hat wie im Vergleichszeitraum auch im 1. Halbjahr 2018 einen Gewinn erwirtschaftet, doch der letztjährige war erheblich größer. Im Jahr 2017 betrug er 1,4 Mrd. Euro, im aktuellen Kalenderhalbjahr 0,7 Mrd. Euro. Aber es gibt Hoffnung.

Im vergangenen Kalenderjahr hatte die cat-Serie des 2. Halbjahres Lloyds einen Kalenderjahresverlust beschert. Die Gewinnhalbierung des erstes Halbjahres 2018 erklärt sich aus zwei gegenläufigen Entwicklungen:

 

Die Combined Ratio konnte um 1,4 Prozentpunkte reduziert werden: 95,5 Prozent im 1. HJ 2018 gegenüber 96,9 Prozent im Vorjahreszeitraum. Das Underwriting-Ergebnis stieg hierdurch von 0,4 Mrd. Euro im Vorjahr auf 0,6 Mrd. Euro im aktuellen.

Die Kapitalerträge wurden gefünftelt. Auf Jahresbasis pro rata temporis umgerechnet wurden im 1. HJ 2018 schwache 0,3 Prozent erzielt, im Vorjahreszeitraum waren es 1,5 Prozent gewesen. In absoluten Zahlen bedeutete dies einen Rückgang der Kapitalerträge von 1,2 Mrd. auf 0,2 Mrd. Euro. Größtenteils geht es hierbei um einen Einmaleffekt: Das eigentlich für die Assekuranz erfreuliche Anziehen der Marktrenditen auf US-Dollar-Bonds bedeutet zunächst einmal mark to market Abschreibungen auf die vorhandenen Bond-Portfolios.

 

Summa summarum

 

Insgesamt ergibt sich so folgendes Ergebnis: Das Underwriting-Ergebnis wurde um 0,2 Mrd. Euro verbessert, das Kapitalanlageergebnis um 1 Mrd. Euro verschlechtert. Das ergibt per Saldo eine Verschlechterung um rund 0,8 Mrd. EUR.

Die annualisierte Eigenkapitalrendite hatte im 1. HJ 2017 noch akzeptable 8,9 Prozent betragen, war aber für das 1. HJ 2018 auf 4,3 Prozent gesunken. Die Ratingagenturen rechnen damit, dass zum Beispiel große Rückversicherer mindestens acht, wenn nicht gar zehn Prozent Rendite auf das eingesetzte Kapital erzielen müssen, um sich nicht die Gunst ihrer Aktionäre zu verscherzen.

 

Gutes Halbjahr erwartet?

 

Bislang sieht es immerhin so aus, als wären im 2. Halbjahr 2018 trotz Hurricane Florence keine allzu katastrophalen Schäden zu verkraften. Die Chance, dass das Kalenderjahr 2018 insgesamt einen, wenn auch unzureichenden, Gewinn bringen wird, stehen nicht schlecht. Entscheidend kommt es darauf an, wieviel hierzu die Besserabwicklungen der Vorjahre "prior year releases" werden beitragen können. Andererseits hatte die Eigenkapitalrentabilität für das Gesamtjahr 2017 bei minus 7,3 Prozent gelegen und es wäre daher im aktuellen Jahr einiges wiedergutzumachen.

 

Die verbuchten Bruttoprämien stiegen leicht von 21,9 Mrd. EUR auf 22,0 Mrd. Euro. Lloyd’s führt dies auf erste Prämienerhöhungen zurück. Allerdings könnte gefragt werden, warum die Bemühungen des Performance Management Directors John Hancock um mehr Marktdisziplin bisher noch keine grösseren Auswirkungen auf das verbuchte Geschäftsvolumen gezeitigt haben.

 

Spannend wird insofern das 1. HJ 2019. Dann wird sich herausstellen ob die Gründung der Brüsseler Vorschaltgesellschaft tatsächlich dabei hilft, das EU27 Geschäftsvolumen zu bewahren. Noch feilschen Großbritannien und EU über die Brexit-Rahmenbedingungen.