Arbeitskraftabsicherung für alle?
Arbeitskraftabsicherung für alle?Quelle: Tim Reckmann  / www.pixelio.de / PIXELIO
Politik & Regulierung

Gothaer-Studie deckt enormes Unwissen bei Arbeitskraftsicherung auf

Von Uwe Schmidt-KasparekTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Viele Menschen glauben, dass die Krankenversicherung sie im Falle eines Arbeitskraftverlustes schützt. Das geht aus einer Befragung hervor, die die Gothaer Versicherung in Auftrag gegeben hat. Per Internet waren im Juni 1000 Berufstätige im Alter von 16 bis 50 Jahren nach ihrer Meinung gefragt worden. Bei der Vorstellung der Studie "Arbeitskraft für die Arbeitswelt 4.0 absichern" war VWheute vor Ort.

Auf die Frage "Wie sichern Sie sich schon jetzt für den Fall ab, dass Sie in Zukunft einmal gesundheitlich nicht mehr in der Lage sein werden, Ihren Beruf auszuüben?“, antworteten 43,6 Prozent "mit der Krankenversicherung". Rang zwei nimmt die Berufsunfähigkeitsversicherung ein (38 Prozent), Rang drei die Private Unfallversicherung (33 Prozent), Rang vier der private Vermögensaufbau (26,2 Prozent) und Rang fünf die Krankentagegeldversicherung (14,2 Prozent).

 

In der Studie waren Mehrfachantworten möglich. Trotzdem interpretiert der Kölner Versicherer hier ein deutliches Beratungsdefizit, weil durch den favorisierten Krankenschutz "ausfallende Arbeitsentgelte nicht lebenslang abgesichert werden".

 

Neues Beratungskonzept

 

Sehr wenige der Befragten behaupten, dass sie mit einer privaten Grundfähigkeitsversicherung ihren Arbeitskraftverlust abgedeckt haben (5,1 Prozent). "Solche Werte überraschen oder schocken mich nicht“, sagte Maike Gruhn, Leiterin Produkt- und Innovationsmanagement bei der Gothaer Leben, anlässlich der Vorstellung der Befragung.

 

Gleichzeitig mit der Studie hat der Kölner Versicherer seine neue Grundfähigkeitsversicherung vorgestellt. "Bisher gibt es am Markt kein einheitliches Beratungskonzept zur Arbeitskraftsicherung", behauptete Gruhn. Doch der Trend gehe ganz eindeutig hin zu mehr Angeboten mit Grundfähigkeitsabsicherung, glaubt die Produktexpertin. Als Beweis hebt die Gothaer eine Zahl aus der Befragung hervor: So kreuzten 27,4 Prozent der Befragten die Antwort "Mein Körper soll versichert werden, nicht mein Beruf" an. Doch diese Aussage steht in der Liste der Erwartung an die Versicherer mit Rang sieben ganz weit hinten. Viel wichtiger sind den Kunden "verlässliche finanzielle Leistungen" (62,4 Prozent) und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis (56,9 Prozent).

 

Günstiger Teilschutz

 

Leider gibt es am Markt einen bezahlbaren Vollschutz durch die Berufsunfähigkeitsversicherung für viele Berufsgruppen nicht mehr. So versichern sich laut Gothaer deutlich weniger als ein Drittel der körperlich Tätigen gegen den Arbeitskraftverlust, weil das zu teuer ist. Genaue Zahlen hat die Assekuranz aber zu dieser wichtigen Quote nicht. Mit der neuen Grundfähigkeitsversicherung, die in den Varianten Basis, Plus und Premium auf den Markt gekommen ist, hat die Gothaer ein neues durchgängiges Beratungskonzept entwickelt. Hier soll jeweils berufsspezifisch beraten werden. Im sogenannten Lückenrechner wird Berufsunfähigkeits- und Fähigkeiten-Schutz gegenübergestellt. Zudem wird jeweils das private Krankentagegeld angezeigt. Das Konzept soll neben den eigenen Agenturen auch Makler und Arbeitgebern vorgestellt werden.

 

Die Grundfähigkeitsversicherung ist auch in der Premiumvariante deutlich günstiger als eine klassische Vollschutz-Berufsunfähigkeitsversicherung. Im Premiumtarif sind die schweren seelischen Erkrankungen Depression und Schizophrenie mitversichert. Zudem gibt es nur fünf Gesundheitsfragen. Die neue Grundfähigkeitsversicherung wird auch im Kollektivgeschäft per Rahmenvertrag Arbeitgebern angeboten. Demgegenüber ist ein Online-Verkauf derzeit nicht vorgesehen.

 

 

Gothaer · Berufsunfähigsversicherung
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