Kanone, unter Beschuss
Kanone, unter BeschussQuelle: Bildpixel  / www.pixelio.de / PIXELIO
Politik & Regulierung

Die Lebensversicherung (weiter) unter Beschuss

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Lebensversicherung ist der Prügelknabe unter den Altersvorsorgeprodukten. Härter als diese Absicherungsform muss höchstens noch die Riester-Rente einstecken. Diesmal im Fadenkreuz der Kritiker: Die Gewinnabführungen der LV-Konzerne an ihre Mütter.

Der Vorwurf ist nicht neu, die Abführung von vermeintlich den Kunden zustehenden Geldern an die Mutterkonzerne in der Lebensversicherung.  Im Grunde wird der Branche vorgehalten, dass sie ihren Kunden zu Ungunsten des eigenen Konzerns benachteiligen.

 

Das Nachrichtenmagazin spiegel online (SPON) schreibt, dass viele der klammen Unternehmen offenbar "noch relativ viel Geld zu verteilen" hätten, "wenn auch nicht unbedingt an ihre Kunden, sondern an die eigenen Mutterkonzerne". Die Summe von 276 Millionen Euro Gewinn führten die 34 betroffenen Versicherer laut Spon alleine 2017 ab – "so viel wie noch nie in den vergangenen zehn Jahren." Die Abführungen haben sich zwischen dem letzten und diesem Jahr mehr als verdoppelt, von 131 auf 276 Mio. Euro schreibt das Nachrichtenmagazin.

 

Die Linke kritisiert ebenfalls

 

In die selbe Richtung führt die Kritik der Partei die Linke. Die Gewinnabführungen von Lebensversicherern seien in den vergangenen Jahren stark gestiegen, innerhalb von fünf Jahren flossen "rund 1,18 Mrd. Euro zusätzlich in die Gewinnabführung", die die Verlustübernahme "immer bei Weitem übertraf". Zugleich zeige sich, dass gerade Unternehmen mit Gewinnabführungsverträgen die Bewertungsreserven "in viel größerem Maße zur Erfüllung des Sicherungsbedarfs zurückhalten" als Unternehmen ohne diese Regelung.

 

In Deutschland würden kaum noch Versicherungsunternehmen Bewertungsreserven ausschütten, die Höhe der ausgekehrten Bewertungsreserven sei zuletzt kontinuierlich gefallen, moniert die Partei. Die Linke fordert, dass die Zinszusatzreserve "künftig in kleineren Schritten aufgebaut und ihre Auflösung gestreckt werden" soll. Detailliertere Regelungen sollten zudem ausschließlich über den Verordnungsweg erfolgen.

 

Das sagt der GDV zu den Vorwürfen

 

Der Verband kontert die Kritik:" Von 2011 bis 2017 erwirtschafteten Lebensversicherer rund 303 Milliarden Euro - davon gingen 96,3 Prozent an die Versicherten (das entspricht rund 292 Milliarden Euro) und lediglich 3,7 Prozent an die Unternehmen (das entspricht rund 11 Milliarden Euro)." Auch die Kritik an den Gewinnabführungsverträgen sei unbegründet, denn ein großer Teil der abgeführten Beträge fließe als Eigenkapital zurück in die Lebensversicherungsunternehmen und würde die Risikotragfähigkeit stärken: "Zwischen 2011 und 2016 stieg das Eigenkapital der Lebensversicherer um rund 3,7 Milliarden Euro. Im Jahr 2017 kamen weitere gut 700 Millionen Euro hinzu – dies entspricht rechnerisch knapp der Hälfte der Gewinnabführung, schreibt der GDV."

 

Peter Schwark, Vorstandsmitglied des GDV twitterte: "Lebensversicherungs-Kunden bekommen fast 30mal mehr Erträge wie die Aktionäre der Lebensversicherer. Und die haften bei Gewinnabführungsverträgen im Ausgleich für ihren kleinen Gewinnanteil auch noch für etwaige künftige Verluste der Tochter."

 

Anmerkung der Redaktion: Die Ausführungen des GDV und von Herr Schwark wurden nach der Veröffentlichung des Artikels ergänzt.

 

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