Quelle: QBE
Schlaglicht

"Big Data hat bei vielen noch nicht den Stellenwert, den es eigentlich haben müsste"

Andreas Krause, General Manager QBE Deutschland, spricht exklusiv über Kostenbelastungen, Risikoselektion und Profitabilität im Industriegeschäft. 

Von Michael StanczykTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die QBE Insurance Group gehört weltweit zu den größten Versicherern und Rückversicherern. Wir sprachen mit Andreas Krause, General Manager QBE Deutschland, über Kostenbelastungen, Risikoselektion und Profitabilität im Industriegeschäft. 

Vor einigen Monaten sorgte die Axa mit der Übernahme von XL branchenweit für einen Paukenschlag. Wie sehr hat sie dieser Deal überrascht? Warum?

In der Industrieversicherung war in den letzten Jahren bereits ein Trend zur Konsolidierung erkennbar - betrachtet man beispielsweise den jüngsten Zusammenschluss von Chubb und Ace oder XL und Catlin. Für Industriekunden wird dieser Deal kurzfristig erstmal lediglich bedeuten, dass zwei Marktteilnehmer im Industriebereich zu einem Ansprechpartner fusionieren. Für die nächste Erneuerungssaison der Policen erwarte ich hieraus noch keine spürbaren Auswirkungen.

Wäre das auch ein möglicher Zukunftsweg für QBE – durch Übernahmen Reichweiten zu gewinnen und zu wachsen?

Als QBE Insurance Group gehören wir weltweit bereits zu den größten Versicherern und Rückversicherern. Durch unser globales Netzwerk können wir weltweit Risiken absichern und internationale Versicherungslösungen für unsere Kunden in mehr als 150 Ländern bieten. Wie jedes andere Unternehmen beobachten wir jedoch den Markt natürlich sehr genau.

Axa und XL indes stehen exemplarisch für einen Markt, der sich gegenwärtig rasant bewegt. Wie schätzen Sie persönlich die Lage in der Industrieversicherung ein?

In Deutschland sind wir mit einem herausfordernden Schadensumfeld konfrontiert. Dies trifft seit einigen Jahren auf die Sachversicherung zu, jedoch nicht ausschließlich. Es sind in 2018 erste Tendenzen erkennbar, dass in gewissen Bereichen Preiserhöhungen durchgesetzt werden. Es bleibt spannend zu sehen, wie nachhaltig dies geschieht. Für die Zukunft muss es das Ziel sein, die Kostenbelastung in unserem Geschäft zu reduzieren. Eine effizientere Gestaltung der Prozesse an den Schnittstellen zwischen Kunde, Makler und Versicherer sehe ich als einen zentralen Erfolgsfaktor.

Reicht Größe allein, um sich in einem volatilen Geschäftsumfeld durchzusetzen? Welche Rolle spielen Netzwerk, Kapitalstärke oder ein diversifiziertes Portfolio?

Ein klares Nein. Am Ende des Tages geht es um professionelles Underwriting und die Selektion von Risiken, die mit einem adäquaten Preis belegt sind. In letzter Zeit waren manche Gesellschaften stärker auf Wachstum als auf Profitabilität ausgelegt. Eine ausreichende Kapitalstärke der Versicherer ist heutzutage Grundvoraussetzung. Im Rahmen der Internationalisierung der meisten deutschen Industrien spielt der Zugriff auf ein internationales Netzwerk natürlich eine zunehmend wichtige Rolle. Tatsächlicher Erfolgsfaktor bleibt jedoch die richtige Risikoselektion.

Mit welchen Konzepten kann es gelingen die Industrie-Sparte aus der Delle zu führen?

Ich würde den Begriff „Delle“ so nicht wählen. Zwar herrscht seit Jahren ein erhöhter Preiswettbewerb in manchen Bereichen, die Industrieversicherung hat jedoch weiterhin eine große Relevanz. Durch den sich zukünftig verändernden Absicherungsbedarf der Unternehmen sehe ich neue Herausforderungen, aber auch langfristiges Wachstumspotenzial. Jeder Bereich in unserer modernen Wirtschaftswelt ist heute hochgradig von Informationstechnologie abhängig. Durch die Automatisierung von Geschäftsprozessen und Nutzung von „Big Data“ können wir Kunden innovative Konzepte zur Absicherung zukünftiger Risiken anbieten. Nehmen Sie als Beispiel hier lediglich die Cyber-Versicherung.

Märkte sind nicht einfach so da, sondern müssen erst geschaffen werden, heißt es häufig auf den Foren und Fachtagungen der Industrieversicherer. Wie kann das Ihrer Meinung nach geschehen?

Richtig, Märkte werden durch Bedarf geschaffen. Versicherer und Makler identifizieren teilweise einen Kundenbedarf, bevor Kunden diesen für sich als relevant bzw. absicherungswürdig erkennen. Wir sind hier gefordert stärker aufzuklären, um Bewusstsein für das beobachtete Risiko zu schaffen und entsprechende Lösungen anzubieten. Wiederum ein gutes Beispiel sind Cyber-Versicherungen. Je mehr sensible Daten digital verarbeitet werden und je stärker die Produktion digital gesteuert wird, umso höher ist der Anreiz für Cyberkriminelle und umso mehr sind Unternehmen den Gefahren eines Netzwerkausfalls bzw. Datenschutzbruchs ausgesetzt. Mittels unserer Daten können wir unsere Kunden transparent über die Risiken und Folgen aufklären. Die Cyber-Versicherungen gilt aktuell als weltweit am schnellsten wachsende Sparte in der Gewerbe- und Industrieversicherung.