Die bayerische Landeshautptstadt München
Die bayerische Landeshautptstadt MünchenQuelle: Petra Dirscherl / PIXELIO (www.pixelio.de)
Schlaglicht

Versicherungsstandort München: Digitaler Hotspot mit Wiesn-Schutz

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Spätens an diesem Wochenende wird die bayerische Landeshautpstadt München in den kommenden zwei Wochen wieder zum "Hotspot" für "Wiesn"-Besucher. Dabei dürfte der Bierpreis angesichts stolzer 11,50 Euro für die Maß zwar manchem Besucher womöglich für manches Loch in der Geldbörse sorgen. Dennoch ist die Isarmetropole nicht nur ein Besuchermagnet für Touristen. Die Stadt hat sich längst zum digitalen Versicherungshotspot in Deutschland gemausert.
Mit der Gründung des "Insurtech Hub Munich" vor über einem Jahr hatten sich die Branchenführer Allianz und Munich Re das ehrgezige Ziel gesetzt, die bayerische Landeshauptstadt zu einem globalen Knotenpunkt der Digitalisierung ausbauen. Das Ziel: Die Kooperation mit Wissenschaftlern und jungen Start-ups mit Unterstützung von Bund und Land weiter auszubauen. "Ein solcher neuer Verkehrsknotenpunkt der physischen und digitalen Begegnung entfaltet Sogwirkung. Diese wird den Standort und die führende Rolle der deutschen Versicherungswirtschaft weiter stärken", hatte Allianz-Konzernchef Oliver Bäte vor der Eröffnung des Hubs dem Handelsblatt ins Mikrofon gesprochen. "Mit dem Hub schaffen wir in München eine Schnittstelle zu Partnern jenseits der klassischen Versicherungswirtschaft", ergänzte Joachim Wenning, Vorstandsvorsitzender der Munich Re.
Die Bilanz bislang: Mindestens 25 B2B und B2C InsurTechs haben seitem beide Accelerator-Programme durchlaufen. Dabei wurde jedes Start-up mit einem Paket im Wert von rund 50.000 Euro für Mentoring, Netzwerkveranstaltungen und Büroinfrastruktur unterstützt. Zudem seien bereits zahlreiche Alumni von Business Angels und VCs finanziert worden. Dabei bietet München offensichtlich gerade Jungunternehmern in der Versicherungsbranche ideale Startvoraussetzungen. Denn in keiner anderen Stadt sind derzeit soviele Insurtechs angesiedelt wie in München. So listet das InsurTech-Radar 2017 von Oliver Wyman bereits 20 der 110 Versicherungs.-Startups mit Sitz in München auf. Auch im europäischen Vergleich scheint die Isarmetropole der keine Konkurrenz scheuen zu müssen: In einem aktuellen Ranking der 130 dynamischsten Städte von Savills Investment Management rangiert München immerhin auf Platz sieben. Zwar hat Berlin hier immer noch knapp die Nase vorn, aber: "Die Gründung des InsurTech Hubs Munich hat dazu beigetragen, dass München in den Kategorien Innovation und Vernetzung jeweils mit Platz vier besonders gut abgeschnitten hat",  konstatiert Andreas Trumpp, Head of Research bei Savills Investment Management.
Wenig verwunderlich eigentlich, erfreut sich München seit langem großer Beliebtheit. So geht eine Planungsprognose des Referats für Stadtplanung und Bauordnung der Stadtverwaltung München aus dem Jahr 2009 von einem Anstieg der wohnberechtigten Bevölkerung bis 2030 um 10,9 Prozent (151.415 Menschen) auf dann 1.543.330 Einwohner aus. Zwar gehört München derzeit zu den teuersten Städten Deutschlands, gehört allerdings aber auch beim Gehaltsgefüge zu den Spitzenregionen der Republik. Laut einer aktuellen Statistik der Online-Plattform Gehalt.de beträgt das durchschnittliche Gehalt eines Arbeitnehmers in Bayern etwa 48.188 Euro. Würde man München dabei herausrechnen, müssten die Bayern ganze 17 Prozent ihres durchschnittlichen Gehalts einbüßen.
Der Wirtschaftsfaktor Hauptstadt beim Gehalt
Der Wirtschaftsfaktor Hauptstadt beim GehaltQuelle: Statista
Damit befinden sich die Neulinge immerhin in bester Gesellschaft: Insgesamt rund 60 Versicherungsunternehmen haben in der bayerischen Landeshauptstadt ihren Sitz genommen. Dabei reicht der Reigen von den Weltnmarktführern Allianz und Munich Re über den Rechtsschutzversicherer D.A.S. bis hin zur Versicherungskammer Bayern (VKB) und dem Bayerischen Versorgungswerk. Daneben unterhalten auch zahlreiche Versicherer aus dem In- und Ausland ihre Niederlassung in München, darunter die Swiss Re Germany. Nach Angaben des Arbeitgeberverbandes AGV waren allein zum Stichtag 30.09.2017 etwa 30.910 sozialversicherungpflichtig Beschäftigte bei den Versicherern in München tätig.  Die Vorteile der Isarmetropole brachte Generali-Vorstand Rainer Sommer bereits im Mai 2015 auf den Punkt: Es ist die technologische Infrastruktur, das allgemein wirtschaftsaffine Umfeld, viel Verständnis auf Seiten der Politik, die Nähe zum Wettbewerb und last but not least der Wunsch des Unternehmens, mit der Marke nah am Kerngeschäft zu operieren. Allein aus diesem Grund scheint es also wenig verwunderlich, dass die Generali sich deshalb für München als Standort der neuen auf Biometrie und Gesundheits-Apps spezialisierten Vitality-Tochter entschieden hat.
Und auch bei den Touristen erfreut sich die bayerische Landeshauptstadt ungebrochener Beliebtheit. Mehr als 15,6 Millionen Übernachtungen verzeichnete München allein im Jahr 2017 - einem Plus von satten 11,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein in diesem Jahr werden 18 Hotels mit knapp 7.000 Betten eröffnet, im kommenden Jahr werden voraussichtlich sieben neue Hotels mit 1.700 Zimmern folgen, vorrangig im mittleren und oberen Segment. Ein wichtiger Umsatzbringer ist dabei wie jedes Jahr das Oktoberfest auf der Theresienwiese. Wenig verwunderlich also, dass auch die Bayerische in diesem Jahr wieder ihren "Wiesn-Schutz", eine Kurzzeitpolice für dem geneigten Oktoberfest-Besucher. Diese umfasst nach Angaben des Versicherers unter anderem Unfälle beim Besuch des Oktoberfestes inklusive An- und Abreise, die zu bleibenden Schäden führen, mit bis zu 50.000 Euro, tödliche Unfälle inklusive An- und Abreise mit 10.000 Euro, die Unfallfolgen unter Alkoholeinfluss oder eine Zahnzusatzversicherung bis zu 2.000 Euro. Folgen einer Maßkrugschlägerei sind übrigens nicht mit eingeschlossen.
Der Wiesn-Schutz ist höchstens zu empfehlen für Kurz-Entschlossene, die sich im Vorfeld nicht um eine private Unfallversicherung gekümmert haben. Die Kurzzeit-Police ist immerhin besser als überhaupt kein Schutz.
Manuel Reil, Fachberater für Sachversicherungen bei Policen Direkt
Über Sinn und Unsinn solcher Kurzzeit-Policen scheiden sich dennoch die Geister. Immerhin ist ein solcher Wiesn-Schutz für Kurzentschlossene besser als überhaupt keine Versicherung, konstatierten die Experten von Policen Direkt bereits 2017. Erhöhter Methanausstoß ist jedenfalls nicht versichert. So wollen Forscher der Technischen Universität München (TUM) herausgefunden haben, dass zur Wiesn-Zeit mehr Methan in München freigesetzt wird als zuvor und danach. Zu den Quellen des Gases gehören dabei das Abwasser aus Toiletten und der Gastronomie, die Gasgrills in den Wiesn-Festzelten und Buden sowie die Gasversorgung für Heizstrahler. Blähungen der Wiesn-Besucher nach entsprechendem Bier- oder Essensverzehr spielen allerdings keine Rolle. "Noch nicht einmal die Hälfte aller Menschen produziert überhaupt Methan, und wenn, dann nur ein paar Mikrogramm pro Sekunde, sodass selbst bei einer Rekord-Wiesn niemals die von uns gemessenen Werte erreicht werden könnten", konstatiert Jia Chen, Ingenieurin und TUM-Professorin für Umweltsensorik. Explosionsgefahr betehe wegen des erhöhten Gasanteils in der Luft aber nicht. Bleibt also zu hoffen, dass es auch in den kommenden 16 Tagen wider heißt: "Auf eine friedliche Wiesn".
Versicherungsstandort · München
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