Generation Mitte
Generation MitteQuelle: S. Hofschlaeger / PIXELIO (www.pixelio.de)
Politik & Regulierung

Generation "Mitte" will nicht auf Konsum verzichten

Von Elke PohlTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Obwohl die 30- bis 59-jährigen in Deutschland größten Wert auf finanzielle Unabhängigkeit auch im Alter legen, halten sie Sparsamkeit für nicht erstrebenswert. Das ist ein Ergebnis der 6. Auflage der Studie "Generation Mitte", die im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vom Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) durchgeführt und gestern in Berlin vorgestellt wurde.

Der Widerspruch zwischen dem Bedürfnis nach finanzieller Unabhängigkeit, das 82 Prozent der knapp 1.050 befragten Männer und Frauen äußerten, und der Tatsache, dass gerade einmal 14 Prozent dafür auf Konsum verzichten und sparen wollen, sei besorgniserregend, fasste GDV-Präsident Wolfgang Weiler ein wichtiges Ergebnis der Studie zusammen. Zumal 56 Prozent in Sorge darüber sind, dass die Rente unsicher sei und sie den Lebensstandard nicht halten könnten. Auch die Meinung von 52 Prozent der Befragten, dass man seine finanzielle Zukunft gar nicht oder weniger als fünf Jahre im Voraus planen könne, widerspräche dem Drang nach Sicherheit wesentlich. "Das Wissen um Versorgungslücken im Alter war noch nie so groß wie heute. Und auch, dass zum Schließen Eigenverantwortung gefragt ist. Das ist offenbar unpopulär, aber dennoch unverzichtbar", so sein Standpunkt.

Sparen muss sich lohnen

Von der Politik müssten stabile, langfristige Rahmenbedingungen für die Altersvorsorge geschaffen werden statt nur in Legislaturperioden zu denken. Zudem müsse das Bild der gesetzlichen Rentenversicherung realistisch gezeichnet werden. Dass sie derzeit gut bestellt sei dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass in wenigen Jahren die Masse der Babyboomer in Rente gehe und die demografische Ruhepause damit ein Ende habe. Schließlich müsse sich Konsumverzicht auch lohnen. Wenn heute – wenn überhaupt – mehrheitlich in Tagegeld und Sparbuch eingezahlt werde, würde sich das nicht lohnen und später unvermeidlich Geld fehlen. Dabei würden die Versicherer interessante Vorsorgeprodukte anbieten, die Rendite mit Sicherheit verbinden.

Mehrheit lebt in Wohlstand

Was die Sparverweigerung noch unverständlicher macht ist die Tatsache, dass die Mehrheit der Generation Mitte nach eigenem Empfinden in guten materiellen Verhältnissen lebt. 56 Prozent sind mit ihrer Situation insgesamt zufrieden, nur zwölf Prozent ziehen eine negative Bilanz. Allerdings, so schränkte IfD-Geschäftsführerin Renate Köcher ein, falle die Bilanz bei Menschen mit niedrigem sozialem Status weit weniger gut aus. Während über alle Einkommen hinweg 42 Prozent der Befragten finden, dass sich ihr Wohlstand in den letzten fünf Jahren verbessert hat, sind es bei Menschen mit niedrigem Status nur 28, bei solchen mit mittlerem 42 und mit hohem 55 Prozent. Und auch, was die kommenden fünf Jahre betrifft, fühlen sich Menschen der unteren Einkommen offenbar abgehängt: Während im mittleren Segment 24 Prozent und im höheren Segment 23 Prozent der Befragten eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage erwarten, sind im unteren nur 15 Prozent so optimistisch.

Zusammenhalt der Gesellschaft schwächelt

Neben der Sparunwilligkeit fällt laut Renate Köcher in der aktuellen Studie vor allem auf, dass sich die Leute trotz Wohlstands nicht wohl und sicher fühlen, was den Zustand der Gesellschaft betrifft. Sie bemängeln vor allem zunehmende Rücksichtslosigkeit der Menschen untereinander und fehlende Hilfsbereitschaft. "Man könnte sagen, die Menschen frösteln beim Blick auf den Zustand der Gesellschaft", fasste sie zusammen. 55 Prozent beurteilen den Zusammenhalt der Gesellschaft als schwach. "Wobei die Polarisierungen etwas überzogen wahrgenommen werden", schränkte die Wissenschaftlerin ein. Zum Glück sei man noch meilenweit von der materiellen und politischen Polarisierung wie etwa in den USA entfernt. Hierzulande fühle sich auch die Oberschicht für das Funktionieren des Sozialstaates verantwortlich. Erdrutschartig ist dagegen laut Studie der Glaube an die politische Stabilität in Deutschland gesunken: Während 2015 noch 49 Prozent der Befragten daraus ein Gefühl von Sicherheit bezogen, sind es 2018 nur noch 27 Prozent.

GDV · GDV-Präsident · Allenbach-Studie Generation Mitte · Wolfgang Weiler
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