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Mumenthaler: "Thema künstliche Intelligenz wird noch überschätzt"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ob ​​​​​​​Roboter, Big Data und autonom fahrende Fahrzeuge: Künstliche Intelligenz (KI) spielt im Alltag eine immer größere Rolle. Laut einer neuen Studie der Quadrida Hochschule Berlin und der Unternehmensberatung TMG unter 300 Digitalschefs in Deutschland, Österreich und der Schweiz spielt das Thema KI bislang offenbar nur eine untergeordnete Rolle: Für Christian Mumenthaler, Vorstandschef des Schweizer Rückversicherer Swiss Re ist jedenfalls klar: "Das Thema künstliche Intelligenz wird - jedenfalls im Moment - noch überschätzt."
"Wenn man sich den Stand der Technologie betrachtet, dann ist das sehr ernüchternd. Es gibt gute Ergebnisse beim Spielen von Schach oder Go oder bei der Bildverarbeitung im medizinischen Bereich oder der Gesichtserkennung. Also überall da, wo man viele Trainingsdaten hat und der Output nicht ganz präzise sein muss. In den allermeisten Bereichen der Versicherungs-Wertschöpfungskette gibt es aber sehr limitierte Erfolge. Das bestätigen auch unsere Kunden", konstatiert der studierte Molekularbiologe in einem Interview mit dem Handelsblatt. Demnach sei die Realität "meilenweit davon entfernt, dass es Maschinen gibt, die bereits jeden Job eines Menschen übernehmen könnten. Ich gehe schon davon aus, dass es weitere Fortschritte geben wird in gewissen Gebieten, in vielen anderen dagegen nicht".
Zudem habe technischer Fortschritt in der Versicherungsbranche nichts mit der künstlichen Intelligenz zu tun, ergänzt Mumenthaler weiter. "Viele Versicherer leiden heute darunter, dass sie Hunderte oder gar Tausende alter System haben, welche alle unterhalten werden müssen. Da gibt es also schon mit heutigen Technologien enorme Einsparpotenziale. Mit neueren Technologien und zusätzlichen Daten kann man beinahe alle Aspekte der Versicherung verbessern. Da passiert im Moment auch sehr viel. Das hat aber mit KI wenig zu tun, auch wenn der Begriff sehr populär ist", betont der Chef des Rückversicherers. Vielmehr sei "die bessere Ausnutzung der Datenflut ein essenzielles Thema. Aus Daten werden wir sehr viele Effizienzen herausholen und Neues lernen. Einer der vier Pfeiler unserer digitalen Strategie ist es, eine Art Datensee zu schaffen, zu dem alle Abteilungen Zugriff haben. Jeder auf seiner Stufe mit den entsprechenden Nutzungsrechten. Ich sehe da großes Potenzial."

"Höhepunkt der Hurrikan-Saison kommt noch"

Mit Blick auf die aktuellen Wirbelstürme "Florence" an der Ostküste der USA und "Mangkhut" in Südostasien sieht der Vorstandschef der Swiss Re derzeit hingegen noch keine Entwarnung: "Die Hurrikan-Saison geht bis in den Oktober hinein. So gesehen ist absolut mit dieser Möglichkeit zu rechnen. Wir erwarten, dass der Höhepunkt noch kommt." Zudem sieht Mumenthaler derzeit "mehrere unterschiedliche Entwicklungen. Die bedeutendste ist, dass die Weltwirtschaft wächst, dass die Menschen in die Städte ziehen und diese sich häufig am Rande eines Meeres befinden. Es gibt damit generell mehr versicherbare Werte an gefährlichen Orten. Dieser Trend wächst stärker als das weltweite Bruttosozialprodukt. Selbst wenn der gleiche Sturm nach mehreren Jahrzehnten an der gleichen Stelle wiederkäme, hätte er weit schlimmere Konsequenzen als damals. Hinzu kommt der Klimawandel, was in der Kombination zu steigenden Schadenssummen führen dürfte."
Christian Mumenthaler · Swiss Re · künstliche Intelligenz
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