Bausparkassen
BausparkassenQuelle: Thorben Wengert / PIXELIO (www.pixelio.de)
Politik & Regulierung

Plündern die Bausparkassen den Nothilfefonds?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die niedrigen Zinsen machen derzeit nicht nur den Lebensversicherern zu schaffen. Auch die deutschen Bausparkassen scheienen dadurch zunehmend in Schwierigkeiten zu geraten. Die Folge: Im vergangenen Jahr mussten diese bereits ihre Notfallreserven angreifen - und dies oftmals wegen akuter Probleme im laufenden Geschäft, berichtet das Wirtschaftsmagazin Capital in seiner neuen Ausgabe.
Demnach sollen die Bausparkassen ihren einst milliardenschweren Notfallfonds im Jahr 2017 um gut die Hälfte geleert haben. Dabei sollen die Finanzpolster in den Fonds zur "bauspartechnischen Absicherung" in diesem Zeitraum von anfangs 1,34 Mrd. Euro auf 637 Mio. Euro gesunken sein. Würde sich die Entwicklung fortsetzen, wären die meisten Reserven Ende dieses Jahres aufgebraucht, heißt es weiter.
Wie das Wirtschaftsmagazin weiter berichtet, soll die Bauspartochter des Debeka ihren Notfall-Fonds inzwischen komplett geleert haben. Zudem richte sich die Debeka darauf ein, ihrer Bausparkasse 2019 Kapital nachzuschießen. Ähnlich soll es auch bei der Postbank-Tochter BHW Bausparkasse, der Aachener Bausparkasse, der Signal-Iduna Bauspar und der Deutscher Ring Bausparkasse aussehen, deren Reserven ebenfalls bereits ganz bzw. fast aufgebraucht seien. Teilweise müssten die Notfallsfonds durch die Erträge wieder aufgefüllt werden. Seit 2015 dürfen die Bausparkassen diese Reserven auch dann einsetzen können, um Engpässe im laufenden Geschäft abzufedern, die die Niedrigzinsen verursacht haben.

Gerhard Schick: "Bausparkassen haben sich verkalkuliert"

Für den grünen Finanzpoliktiker Gerhard Schick scheinen die Probleme der Bausparkssen jedenfalls hausgemacht zu sein. "Viele Kassen hätten auf eine solche Situation besser vorbereitet sein müssen und es hätte in der Vergangenheit keine haltlosen Versprechen gegenüber den Kunden geben dürfen. Sie haben sich verkalkuliert. Die Kassen versuchen sich nun durch verbraucherunfreundliche Kündigungen, den Griff in den Fonds für bauspartechnische Absicherung und alternativem Geschäft zu stabilisieren. Die Kundschaft muss also mal wieder einen entscheidenden Beitrag für eine falsche Unternehmenspolitik leisten. Die Bausparkassen entfernen sich zunehmend von ihrem eigentlichen Geschäft. Die letzten Bundesregierungen haben sie hierbei noch unterstützt statt auf nachhaltige Strukturen hinzuwirken", erläutert der Bundestagsabgeordnete in einer Stellungnahme.
Der Verband der Bausparkassen sieht dies auf Anfrage von VWheute hingegen anders: "Die Bausparkassen nutzen eine gesetzlich geschaffene Möglichkeit zur weiteren Stabilisierung ihres Geschäfts. Eine isolierte Betrachtung einzelner Reservepositionen greift zu kurz. Es geht um die Steuerung und Abdeckung der institutsspezifischen Risiken insgesamt. Dies umfasst auch das Engagement im außerkollektiven Bereich mit seiner Risikostruktur. Die Bausparkassen bleiben Bausparkassen. Die vor Jahren eingeführten Niedrigzinstarife werden in absehbarer Zeit mit Sicherheit wieder stärker für die Finanzierung genutzt. Die Langfristigkeit des Bauspargeschäfts wird in den Stressszenarien berücksichtigt, die bei uns über einen deutlich längeren Zeitraum laufen, nämlich über 20 Jahre, als in der Kreditwirtschaft sonst üblich. Die verschiedenen Puffer müssen die darin zum Ausdruck kommenden Risiken abdecken und tun dies auch."
Zudem sei der Fonds "ein besonderer Sicherheitspuffer der Bausparkassen", betont der Verband weiter: "Genauer gesagt, ist damit ein bilanzieller Sonderposten gemeint, der von jeder Bausparkasse institutsindividuell zu bilden ist. Die darin enthaltenen Gelder dienen dem Schutz der Bauspargemeinschaft als Ganzes. Bis zur Novellierung des Bausparkassengesetzes war der Fonds nur für die Absicherung in einer Hochzinsphase ausgelegt. Dies war in keinem Fall erforderlich. Seitdem kann er auch zur Risikoabwehr in einer Niedrigzinsphase eingesetzt werden. Eine Entnahme kann nur erfolgen, wenn damit ein gesetzlich klar geregelter Zweck erfüllt wird. Darauf achtet auch die Bankenaufsicht. Konkret sichert der Fonds nun auch 'die für den nachhaltigen Betrieb des Bauspargeschäfts erforderliche kollektiv bedingte Zinsspanne' ab" betont der Verband weiter.
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