Krankenversicherer in Zeiten der niedrigen Zinsen
Krankenversicherer in Zeiten der niedrigen ZinsenQuelle: Thorben Wengert / PIXELIO (www.pixelio.de)
Märkte & Vertrieb

Die PKV im Niedrigzinsumfeld

Von Wiltrud PekarekTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Privaten Krankenversicherer geben ihren Kunden eine lebenslange Leistungsgarantie – inklusive Teilhabe am medizinischen Fortschritt. Um dieses Wertversprechen dauerhaft einlösen zu können, legen die PKV-Unternehmen einen Teil der Beitragseinnahmen zurück. Diese sogenannten Alterungsrückstellungen werden verzinslich angelegt und sind eine Vorsorge für die mit dem Alter steigende Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen der Versicherten. Daraus entstehende Zinserträge sind im Rahmen des Rechnungszinses bereits in der Kalkulation berücksichtigt. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank sinkt der tatsächliche Zinsertrag jedoch unter den kalkulierten Wert. Das stellt die Unternehmen vor eine große Herausforderung.

Nach wie vor gilt für den Rechnungszins der gesetzliche Höchstwert von 3,5 Prozent. Eine solche Verzinsung ist jedoch seit Jahren am Kapitalmarkt nicht mehr erreichbar. Aufgrund dieser Entwicklung hat die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) eine Richtlinie zur Festlegung des unternehmensabhängigen Höchstrechnungszinses erarbeitet. Demnach passen die Unternehmen im Zuge einer Beitragsanpassung den einkalkulierten Rechnungszins an die unternehmensindividuelle Zinssituation an. Als Faustformel gilt dabei, dass eine Senkung des Rechnungszinses um 0,1 Prozentpunkte zu einer Beitragserhöhung von etwa ein bis 1,5 Prozent führt.

Für sich alleine wäre eine solche Beitragserhöhung gegenüber den Kunden gut vermittelbar. Problematisch wird es dann, wenn ein Unternehmen diese Korrektur über Jahre hinweg nicht vornehmen kann. Ursache dafür ist die gesetzliche Regelung, die Kalkulation eines Tarifes erst dann aktualisieren zu dürfen, wenn sich entweder die Leistungsausgaben oder die Lebenserwartung über dem jeweiligen Schwellenwert („Auslösender Faktor“) verändert haben. Mit anderen Worten: Wenn Leistungsausgaben oder Lebenserwartung über einen längeren Zeitraum den gesetzlichen Schwellenwert nicht übersteigen, können sich mehrere beitragserhöhende Effekte kumulieren. Daraus entstehen mitunter Beitragsanpassungen im deutlich zweistelligen Prozentbereich, die naturgemäß zu großer Verunsicherung bei den Kunden führen.

Aus Sicht der PKV sowie der DAV ist es deshalb notwendig, die gesetzlichen Vorgaben für eine Beitragsüberprüfung und -anpassung angesichts der aktuellen Herausforderungen zu optimieren. Dies würde zu einer Verstetigung der Beitragsverläufe beitragen und somit die nachvollziehbare Verunsicherung von Kunden verhindern. Die Optimierung besteht aus drei Aspekten:

  1. Für die Zinsentwicklung einen eigenen Schwellenwert zu definieren.
  2. Die gesetzlichen Schwellenwerte für Leistungsausgaben und Lebenserwartung zu senken.
  3. Eine kumulierte Betrachtung der Schwellenwerte zu ermöglichen.

Die Hallesche unterstützt diesen Optimierungsvorschlag voll und ganz. Gleichzeitig führen wir unsere nachhaltige Produkt- und Beitragspolitik weiter fort. Ausdruck dieser nachhaltigen Politik ist zum Beispiel die seit Jahrzehnten bestehende tarifliche Regelung, die Kalkulation bereits bei einem geringeren als dem gesetzlich definierten Schwellenwert für die Leistungsausgaben überprüfen zu können. Daneben setzen wir aus den „Rückstellungen für Beitragsrückerstattung“ regelmäßig zweistellige Millionenbeträge ein, um Beitragserhöhungen für unsere Kunden abzumildern oder teilweise ganz zu vermeiden. Ebenfalls wichtig – und für die langfristige Beitragsentwicklung von viel größerer Bedeutung – ist ein gut funktionierendes Leistungsmanagement, bei dem wir insbesondere unsere chronisch erkrankten Kunden dabei unterstützen, nicht möglichst viele, sondern möglichst richtige Leistungen zu erhalten.

Auch wenn das Niedrigzinsumfeld die PKV-Unternehmen und ihre Kunden vor eine Herausforderung stellt, bleibt dieses systemimmanente Anpassungsrisiko insgesamt überschaubar. Es liegt übrigens deutlich unter dem Anpassungsdruck, der aufgrund der Demografie auf die GKV und ihre Versicherten zukommt.

PKV · Wiltrud Pekarek
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