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Schlaglicht

Milliardenschäden erwartet: Versicherer zittern vor Hurrikan Florence

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Großbank UBS schätzt, dass "Florence" der Versicherungsindustrie Kosten in Höhe von rund 20 Mrd. US-Dollar bescheren könnte. Schließlich treffe er auf kein gängiges Hurrikan-Gebiet. Daher seien die Menschen und Betriebe vor Ort gegen dieses Risiko unter- oder gar nicht versichert. 

Meteorologen rechnen für North und South Carolina mit verheerenden Sturmfluten und Überschwemmungen durch heftigen, möglicherweise tagelangen Regen. Die Behörden gehen davon aus, dass bis zu fünf Millionen Menschen in ihren Häusern nicht mehr sicher sein könnten. Im Vergleich zum vergangenen Jahr wären 20 Mrd. US-Dollar an Schäden jedoch wenig. Damals hatten die Hurrikane "Harvey", "Irma" und "Maria" (HIM) gemeinsam versicherte Kosten in Rekordhöhe von rund 135 Mrd. US-Dollar verursacht. Laut Professor Stefan Materne hätten diese Ereignisse im Rückversicherungsmarkt nur zu leicht steigenden Preisen geführt. Das Renewal verlief in Folge der ausgebliebenen durchgreifenden Verhärtung von Preisen und Konditionen für die Rückversicherer enttäuschend. Im ILS-Markt, welcher den Schätzungen zu Folge ca. 65 Prozent des Retromarktes repräsentiere, seien ebenfalls nur kaum spürbare Auswirkungen sichtbar gewesen, so dass Prof. Materne davon ausgehe, dass es den in der Vergangenheit beobachteten Rückversicherungszyklus nicht mehr gebe.

Extremwetterereignisse werden laut Global Risks Report des World Economic Forum sehr wahrscheinlich zunehmen. Japan hat mit Naturgewalten am meisten Erfahrung gesammelt. Nach dem Tōhoku-Erdbeben 2011 benötigte ein asiatischer Automobilhersteller sechs Monate, um seine Produktion wieder auf das ursprüngliche Niveau zu bringen. Im ersten Monat nach der Naturkatastrophe ging die weltweite Produktion des Automobilherstellers um mehr als 48 Prozent zurück, in Japan sogar um über 74 Prozent. Als primärer Grund für den enormen Produktionsausfall galt das Single Sourcing eines bestimmten Produktionsteils, dessen Produktionsstätte im Laufe der Katastrophe zerstört worden war. "Das Ereignis zeigt, welche Nachteile zu schlanke Lieferketten haben können. Doch wenn Unternehmen die zunehmenden Extremwetter nicht in ihren Strategien einplanen, können sie zum Beispiel aufgrund von Single Sourcing eine ähnliche Schadenerfahrung erleben wie einst der asiatische Automobilhersteller", sagt Frank Drolsbach, Operations Engineering Manager FM Global.

Resilienz stärken

In dem Gebiet, über dem sich „Florence“ aktuell bewegt, ist das Meer 1,5 Grad wärmer als sonst. Und weil der Hurrikan seine Energie auch aus der Wärme des Ozeans saugt, rechnen Experten mit dem Schlimmsten: „Florence“ wird nicht nur mit sehr hohen Windgeschwindigkeiten über die Küstenregionen fegen, sondern wohl sehr viel Feuchtigkeit über dem Meer aufnehmen heftige Regenfällen und Überschwemmungen werden voraussichtlich die Folge sein. 
Flutbedingte Ausfälle werden durch den Klimawandel weltweit ansteigen, besonders aber in China. Der BRIC-Staat ist weiterhin ein attraktiver Produktionsstandort, wird aber laut Aussage des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung in den nächsten 20 Jahren allein durch zunehmendes Hochwasser die stärkste Zunahme wirtschaftlicher Einbußen haben. Mithilfe einer speziellen dynamisch-ökonomischen Computersimulation haben die Forscher untersucht, wie stark sich die zunehmenden Überschwemmungen auf die Weltwirtschaft auswirken werden. Die Computersimulation ließ erkennen, dass sowohl die Europäische Union als auch die USA indirekt von den Überschwemmungen ihres asiatischen Handelspartners betroffen sein werden. Wird nicht reagiert, drohen international Ausfälle von rund 600 Milliarden US-Dollar. Von diesen flutbedingten Einbußen werden mehr als 380 Mrd. US-Dollar China zugerechnet. Dies entspricht etwa fünf Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes und einem Anstieg von flutbedingten Ausfällen um 80 Prozent.

Die Auswirkungen des Klimawandels können jeden treffen. Ganz gleich also, wo das nächste Extremwetter stattfinden wird. Drolsbach betont: "Durch die globalen Lieferketten sind Unternehmen verwundbarerer geworden. Stehen die Maschinen eines wichtigen Zulieferers unter Wasser oder hat ein Sturm die eigene Produktionshalle zerstört, können Aufträge nicht mehr fristgerecht ausgeführt werden und finanzielle Einbußen folgen – zusätzlich zu den durch die Naturkatastrophe verursachten Schäden. Damit es nicht zu dieser Situation kommt, sind eine Analyse der möglichen Unternehmensrisiken und eine damit einhergehende aktive Schadenprävention die zentralen Maßnahmen.Um Worst-Case-Szenarien zu minimieren, gilt es zu verstehen, wo in der Welt die wichtigsten Vermögenswerte liegen, die dort vorhandenen Risiken zu identifizieren und eine geeignete Schadenprävention zu integrieren. Denn einen Schaden erst gar nicht erlitten zu haben oder ihn auf ein Mindestmaß reduzieren zu können, ist für jedes Unternehmen definitiv der favorablere Zustand. Wer es schafft, die Resilienz seines Unternehmens zu stärken, wird in Zeiten der Extremwetter einen entscheidenden Vorteil haben."
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