Der ehemalige Sitz der EZB in Frankfurt am Main.
Der ehemalige Sitz der EZB in Frankfurt am Main.Quelle: SarahC. / PIXELIO (www.pixelio.de)
Politik & Regulierung

EZB reduziert Anleihekäufe und belässt Leitzins unverändert

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) neigt sich offensichtlich allmählich dem Ende zu - wenn auch nur in ganz kleinen Schritten. Demnach will die europäische Notenbank ihre Anleihekäufe ab Oktober halbieren und nur noch 15 Mrd. Euro monatlich in Staats- und Unternehmenspapiere investieren. Der Leitzins bleibt hingegen unverändert bei null Prozent.
Dabei ließen die Notenbänker der EZB durchblicken, das Anleiheprogramm zum Jahresende ganz auslaufen zu lassen. Die Bedingung sei jedoch, dass "die neu verfügbaren Daten die mittelfristigen Inflationsaussichten bestätigen". Nach Angaben des europäischen Statistikamtes Eurostat lagen die Verbraucherbreise in Europa im August bei 2,0 Prozent über dem Vorjahresniveau. Ungewiss ist indes, ob EZB-Präsident Mario Draghi zum Ende seiner achtjährigen Amtszeit im Herbst 2019 noch die erste Zinserhöhung in Kraft setzen oder das seinem Nachfolger überlassen wird.Der Leitzins im Euroraum bleibt jedenfalls weiterhin unverändert bei null Prozent. Zudem sollen Geschäftsbanken weiterhin einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen, wenn diese ihr Geld bei der EZB parken. Dabei bekräftigte der EZB-Rat, dass die Zinsen noch "mindestens über den Sommer 2019" auf dem aktuellen Niveau bleiben sollen. Führende Ökonomen zeigten sich indes wenig überrascht über die Entscheidung der europäischen Notenbank.
"Die europäische Zentralbank bestätigt auf ihrer heutigen Sitzung den eingeschlagenen Kurs und will die Anleihekäufe zum Jahresende 2018 beenden. Sie bleibt damit bei einer extrem langsamen Neuausrichtung, trotz steigenden Lohndrucks und fortgesetzter wirtschaftlicher Expansion im Euroraum. Mit dem sehr vorsichtigen Vorgehen läuft die EZB Gefahr, dass sich der Aufschwung verlangsamt bevor sie eine geldpolitische Positionierung erreicht hat, die auch nur ansatzweise als neutral zu bezeichnen wäre. Bei anhaltend guter wirtschaftlicher Entwicklung läuft sie zudem Gefahr, dass sie in den Augen der Märkte 'hinter die Kurve zurückfällt' (too little, too late). Größtes Risiko bleibt damit ein abrupter Zinsanstieg in den längeren Laufzeiten, der sowohl für die Realwirtschaft als auch die Finanzmärkte problematisch wäre", kommentiert GDV-Chefvolkswirt Klaus Wiener die EZB-Entscheidung.
"Die EZB hat auf ihrer heutigen Ratssitzung wie erwartet keine Anpassungen ihres geldpolitischen Instrumentariums vorgenommen. Die Projektionen mit Blick auf das Wirtschaftswachstum wurden leicht nach unten revidiert, was den zunehmenden Abwärtsrisiken Rechnung trägt. Gleichzeitig äußerte sich Mario Draghi aber zuversichtlicher, dass die Inflationsrate auch perspektivisch und nachhaltig wieder in den Zielbereich von nahe zwei Prozent zurückgeführt werden kann. Wir bleiben bei unserer Einschätzung, dass die EZB wahrscheinlich im September nächsten Jahres und damit noch kurz vor dem Wechsel an der Spitze der Notenbank den Satz für die Einlagefazilität adjustieren wird. Dies wäre der von Mario Draghi gesetzte Schlussakkord in seiner nicht unumstrittenen Schaffensphase", erläutert Jens Kramer, Analyst bei der NordLB.
Und Johannes Müller, Head Macro Research DWS, ergänzt: "Die EZB  bleibt auf der vorsichtigen Seite und will keinen Fehler machen: Es gab keinen offiziellen Beschluss, die Nettoankäufe ab Dezember 2018 zu beenden. Stattdessen hält sich der EZB-Rat ein Hintertürchen offen, indem er weiterhin betont, dass die wirtschaftlichen Daten im Einklang mit der von der EZB zu erwartenden Inflationsentwicklung stehen müssen, um ein Ende der Ankäufe zu beschließen. Dennoch ist die Entscheidung nur aufgeschoben, denn der wirtschaftliche Ausblick bleibt solide, stützt sich auf viele Regionen und die Deflationsgefahren sind gebannt."
EZB · GDV · Leitzins
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