Die beiden Managing Directors von Compre und Vostände von HIR Philipp Kleyser (l.) und Hubertus Labes (r.) in Monte Carlo.
Die beiden Managing Directors von Compre und Vostände von HIR Philipp Kleyser (l.) und Hubertus Labes (r.) in Monte Carlo.Quelle: cpt
Unternehmen & Management

Wie Compre sein Run-off-Geschäft betreibt

Von Philipp ThomasTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Auf der Pirsch nach weiteren zu eher günstigen Beständen in Run-off Versicherern zu übernehmenden run-off Erstversicherern und Beständen im Nichtlebensektor (P&C) befanden sich in Monte Carlo die beiden Compre Vertreter für Deutschland und Österreich und gleichzeitig Vorstände der Hamburger Internationalen Rück (HIR)  Vorstände Dr. Hubertus Labes und Philipp Kleyser. Sie gaben Einblick in das internationale Run-off-Geschäft.

Bei Compre halten die sechs Managing Directors zusammen etwa ein Viertel des Kapitals, der Rest liegt in den Händen von Private Equity. Jede strategische Entscheidung bedeutet daher auch ein eigenes finanzielles Engagement, welches erhebliche Gewinne oder Verluste bringen kann. Den konsensualen Entscheidungen geht eine entsprechend sorgfältige Prüfung voraus.

Derzeit verwendet Compre neben der HIR (den einstigen Rückversicherungs-Carrier der Volksfürsorge) auch noch die finnische Bothnia (einst der Rückversicherer der Pohjola, in sie wurden bereits mehrere skandinavische Versicherer fusioniert) und einen Risikoträger auf Malta.

Im Einzelfall ist der Ausgangspunkt der Verhandlungen mit dem Veräusserer einer Gesellschaft oder eines Bestandes der derzeitige Stand der Rückstellungen, welcher üblicherweise schon einige Aufschläge zum vielleicht auch diskontierten central estimate enthält und dabei auch die häufig nicht befriedigende Transparenz hinsichtlich der 20 Jahre und mehr zurückreichenden Datenhistorie mit einem zusätzlichen Aufschlag berücksichtigt. Dem der Due Diligence folgendenden Angebot von Compre liegt in der Regel eine konservative und Eigenkapital schonende Betrachtung der Reserven zugrunde. Oft befinden sich mehrere Anbieter in einem Prozess und wer dann das Rennen macht, ist auch eine Frage, wie aggressiv die einzelnen Angebote gerechnet wurden. Dem Bestandstransfer oder die Übernahme einer Gesellschaft, die jeweils eine aufsichtsbehördliche Genehmigung voraussetzen, geht häufig eine nicht genehmigungspflichtige Übernahme der Risiken auf einer reinen Rückversicherungsbasis als erster Schritt voraus. Dies gilt insbesondere, wenn die abgebende Gruppe den entsprechenden Bilanzeffekt zu einem bestimmten Bilanzstichtag erzielen möchte. In diesem Fall tritt der ökonomische Bilanzeffekt bereits in dem konkreten Bilanzjahr ein, in dem sich der Abgebende für netto der betroffenen Altlasten entledigt hat.

Acht Prozent Rendite bei Run-off

Konkurrenten von Compre sind Catalina, AXA LM, DARAG, R&Q (welche sich auch auf einnstige Captives spezialisiert und das diesbezügliche Vorgehen schon fast industrialisiert hat) und Enstar. Die Renditeerwartungen der Run-off Branche liegen ähnlich denen der aktiv im Markt agierenden professionellen Rückversichern, also bei vielleicht 8%. Dies liegt nicht zuletzt an den fallweise für einzelne grössere Transaktionen aufzunehmenden zusätzlichen Solva-Mitteln, welche es bei Banken, Rückversicherern oder Private Equity zu leihen gilt. Entscheidend dabei ist neben dem Zinssatz auch für welche Periode die Solva-Mittel benötigt werden. Ziel ist es jeweils durch rasche Finanalisierung der Schadenreserven (etwa im Verhandlungsweg) Solva-Mittel freizusetzen und durch Dividenden oder Kapitalherabsetzungen mit aufsichtsrechtlicher Zustimmung zurückzuführen. An die aufsichtsrechtliche Genehmigung der Transaktion und anschliessende formelle Übernahme schliesst sich eine Phase der Datenkonsolidierung - das sogenannte „data cleansing“ -  an. Es kann durchaus vorkommen, dass der Erwerber in den Datenbeständen einzelne nicht oder nicht genügend reservierte Schäden entdeckt oder dass er Fälle entdeckt, wo frühere Sachbearbeiter es schlicht vergessen hatten nach Schadenzahlungen die entsprechende Rückstellung zu reduzieren.

 

Compre erbringt keine reinen Run-off Dienstleistungen und ist nur am endgültigen Erwerb von Beständen und Gesellschaften interessiert. Labes bezeichnet als „sweet spot“ Transaktionen, die keine separate Finanzierung erfordernde Schadenreserven zwischen 20 bis 60 Mio. USD mit sich bringen und wo der zu übernehmende Risikoträger in Europa belegen ist; wiewohl dieser im Zweifel weltweites Geschäft gezeichnet hat. Die Übernahme von Poolgeschäft gestaltet sich komplexer, in solchen Fällen müssen alle Mitglieder informiert werden und haben Einspruchsrechte. Einen Bogen macht Compre um allzu exotische Sparten, ansonsten ist man hinsichtlich aller Geschäftsmöglichkeiten offen, was sowohl für inwards Rückversicherung als auch Erstversicherung im Nichtlebenbereich gilt. US Haftpflicht und sonstiges „longtail“ Geschäft sind ebenso attraktiv wie beispielsweise Transportgeschäft.

 

Bei der jüngsten zwischen Compre und Generali zustandegekommenen Transaktion ging es gem. Presseerklärung der Generali um 300 Mio. $ an Rückstellungen, welche sich verteilen auf eine UK branch (insofern steht die Genehmigung durch die italienische Finanzaufsichtsbehörde IVASS kurz davor erteilt zu werden) und eine US branch (insofern wohl reine Uebernahme qua Rückversicherung bei anschliessender Kontrolle über die Schadenbearbeitung). Auch bei Hannover Rück und deren Schwestergesellschaft Eisen & Stahl Rück kam ein Compre Angebot zum Zuge. Hinsichtlich des betroffenen US-Hafpflicht-Schadenreservevolumens war insofern jedoch nichts zu vernehmen.

 

Der Brexit dürfte insofern die Run-off Branche beeinflussen als nach März 2019 der Transfer von EU27 Schadenreserven nach Grossbritannien nicht mehr möglich sein wird (solches praktizierte einmal die Deutsche Rück). Andererseits ist noch nicht davon die Rede dass Grossbritannien auch den umgekehrten Weg versperren wird. Der britische Gesetzgeber ist so stark mit Brexit-bedingten Gesetzesänderungen beschäftigt dass noch nichts hinsichtlich einer geplanten Aenderung in Sachen Part VII Transfer Model zu hören ist. Demnach können auch post Brexit noch britische Bestände mit der Zustimmung des High Court übertragen werden.

 

Böse Zungen mögen die Run-off Branche mit einem Ball der blutsaugenden Vampire vergleichen wollen, angebrachter ist es aber wohl von einer gesamtwirtschaftlich äusserst nützlichen Funktion zu sprechen. Run-off Spezialisten bringen in den Bereichen Finalität, wo die bisherigen Eigner es nicht schaffen, ihren von vorangegangenen Generationen geschaffenen fliegenden Holländern zu Seelenfrieden zu verhelfen.

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