Matthew Christensen
Matthew ChristensenQuelle: Axa IM
Märkte & Vertrieb

PRI San Francisco: Überlebt Ihr Investment-Portfolio die nächsten zwei Dekaden?

Von Sascha SchulzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Al Gore steht auf der Bühne und gibt seine Keynote. Über allem schwebt die Frage: "Wie verschieben wir Billionen? Wie identifizieren Investoren neue Investment-Möglichkeiten mit geringem CO2-Fussabdruck?". Und das in einem globalen Kontext, in dem der Begriff "Nachhaltigkeit" viel Spielraum für Interpretationen lässt - ein Begriff, den vor allem europäische Investoren immer stärker bei ihren Entscheidungen berücksichtigen wollen und sollen. Warum?

Gestern startete in San Francisco die weltweit führende Konferenz für verantwortungsbewusste Investments. Die PRI findet parallel zum Global Action Climate Summit des Staates Kalifornien statt. VWheute sprach exklusiv mit Matthew Christensen, Head of Sustainable Investments bei Axa Investment Managers und einem Besucher der Konferenz. ESG (Environmental, Social and Governance) ist die international gängige Abkürzung für "Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage", wie es Nadine von Saldern im BaFin Journal beschreibt. Weil Anbieter von Versicherungsprodukten immer stärker von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind, sollen auch Erstversicherungsunternehmen - die größten institutionellen Anleger des Landes – mit ihren Investitionsentscheidungen Impulse für eine Verringerung des CO2-Fußabdrucks setzen.

Das macht aus zweifacher Hinsicht Sinn: Welche Sicherheit bringt heute die Investition in ein Kohlekraftwerk, wenn Kohle in Zukunft nicht mehr als Quelle zur Stromerzeugung gewünscht ist – der Investitionshorizont von Anlegern aber zehn bis 20 Jahre beträgt? Wie sollen Ziele wie die Ausrottung der Malaria in Kenia bis 2020 – ein 550-Millionen-Euro-Vertragsvolumen – finanziert werden, wenn der Investment-Fokus nicht auch auf soziale Themen verschoben wird? Und nicht zuletzt: Woher wollen Versicherer bei immer ähnlicher werdenden Produkten im Massenmarkt die Argumente zur Abgrenzung nehmen, wenn künftig durch die Digitalisierung aus ROPO (Research-Online-Purchase-Offline) größtmögliche Autonomie des Konsumenten wird, weil Produkte vermehrt über Apps und Websites direkt verkauft werden? Richtig: Die stärkere sozio-ökologische Komponente bei Kaufentscheidungen wird neben dem "Vertrauen" in Versicherungsgesellschaften bei Konsumenten eine immer wichtigere Rolle spielen.

Dies ist auch gewollt und basiert auf einer Idee, der 1999 der damalige UN Generalsekretär Kofi Annan ein Gesicht gab. Das Europäische Parlament verlangte nun erstmals seit 2017 Nachhaltigkeitsberichte, im deutschen Recht ist es §315 Absatz 3 des HGB, der Versicherer zur Publikation verpflichtet. Lebensversicherer mit Leistungen der betrieblichen Altersversorgung müssen gemäß §144 VAG zu Beginn eines Versicherungsverhältnisses Informationen offenlegen, die den ökologischen Footprint der eingezahlten Beiträge ausführlich und verständlich darstellt. Solvency II-regulierte Versicherer müssen im Rahmen von EIOPA Leitlinie 29 eine gewisse Qualität ihres Portfolios hinsichtlich Nachhaltigkeit darstellen.

Die Regeln sind da – aber wo sind die Taten? Bislang finden wir, setzen wir die Konsumentenbrille auf, bei den Großen der Branche Nachhaltigkeitsfakten in irgendwelchen Berichten versteckt. Der Weg vom Report zum Transparenz-Service braucht Zeit. Die Analyse von ESG-Faktoren vereint beides in sich: Risiken und Chancen, ebenso die Möglichkeit für Anleger und Versicherungsunternehmen aufgrund eines erweiterten Informationsstandes bessere Entscheidungen fällen zu können. Ein Fokus, der auf langfristige Investment-Risiken und Erträge abzielt, muss ein ESG-Screening durchlaufen, um alle Langzeitrisiken von weniger sichtbaren Sachverhalten und Herausforderungen möglichst gering zu halten.

Welche Ansätze empfiehlt Matthew Christensen von Axa um den maximalen Impact aus dem Themenbereich "Nachhaltigkeit" zu erzielen? "Die Investment-Branche sollte sowohl ESG-Risiken in Betracht ziehen als auch diesen Ansatz mit sinnvollen Lösungen für die Gesellschaft verknüpfen - und zwar in dem Maße, wie es für die Investition erforderlich und ihren Ansprüchen auch in Zukunft  gerecht wird." Für Investment Unternehmen und Versicherungen bietet ESG neue Chancen, durch innovative – auch digitale Kommunikationsformen - die Gunst von Kunden zu gewinnen. Auf welche konkreten Initiativen setzt Axa Investment Managers, um Nachhaltigkeit-Themen zu kommunizieren? "Axa Investment Managers informiert seine Anleger vollumfänglich, aktuell und transparent über alle  Nachhaltigkeitsinitiativen", erklärt Christensen. "Zum Beispiel auf der globalen Nachhaltigkeits-Website, auf der wir auch unseren Nachhaltigkeitsbericht zum Download anbieten."

Bleibt nur zu hoffen, dass ESG mehr als eine verbale Blase ist. Neben Großprojekten in entwickelten Ländern würden vor allem Schwellen- und Dritte-Welt-Länder profitieren. Die kosteneffiziente Produktion von medizinischen Produkten auf dem afrikanischen Kontinent, neue Formen der Agrarwirtschaft (Hydropinics), bei denen Pflanzen in einer Nährlösung statt in der Erde wachsen - aber auch innovative Krankenversicherungssysteme könnten so entstehen. Das würde Stück für Stück dazu beitragen, die UN Initiative, die bis 2030 Armut weltweit in den Griff bekommen und vor allem Nahrungsmittelsicherheit gewährleisten will, mit renditestarken ESG-konformen Anlageformen zu verknüpfen, die in der Gunst europäischer und deutscher Endkunden sicherlich oben stehen werden.

Matthew Christensen ist vor Ort in San Francisco und hört es sich an. Die Power, etwas zu verändern, wäre da: Axa Investment Managers verwaltet Assets im Wert von 759 Mrd. Euro, die von 766 Investment-Experten an 20 Standorten gemanagt werden. Axa Investment Managers ist Teil des in Paris beheimateten 133 Mrd-Euro-Konzerns, der mit seinen 160.000 Mitarbeitenden in 62 Ländern im Jahr 2017 ein mit 105 Millionen Kunden ein Konzernergebnis von 6,2 Mrd. Euro bei einer Solvency II-Ratio von 205 Prozent erwirtschaftet hat und als größter Versicherungskonzern Europas gilt.

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