Wie steht es um die Alterssicherung der Zukunft?
Wie steht es um die Alterssicherung der Zukunft?Quelle: Uwe Schlick / PIXELIO (www.pixelio.de)
Politik & Regulierung

DIW fordert weitere Reformen der Alterssicherungssysteme

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Neuer Zündstoff in der Diskussion um  die zukünftige Ausgestaltung der Alterssicherung kommender Generationen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat in einer aktuellen Studie die Anwartschaften der rentennahen Jahrgänge unter die Lupe genommen. Das Ergebnis klingt zumindest verheerend: Etwa die Hälfte der 55- bis 64-jährigen Arbeitnehmer wird im Alter nicht genügend Rente beziehen, um den aktuellen Konsum einschließlich Wohnen finanzieren zu können. So würden den betroffenen im Schnitt etwa 700 Euro im Monat fehlen. Private Versicherungen würden diesen Anteil zudem nur geringfügig reduzieren, konstatieren die Studienautoren.
Demnach würde eine private Altersvorsorge in Form einer privaten Lebens- und Rentenversicherungen die Lücke auf durchschnittlich 650 Euro im Monat reduzieren. Der Anteil derjenigen mit einer potentiellen Versorgungslücke kann aber durch diese privaten Versicherungen, zu denen auch Riester- und Rürup-Renten zählen, nur geringfügig von 58 auf 56 Prozent gesenkt werden, heißt es in der Studie. "Die quantitative Relevanz dieser Versicherungen ist also nicht nennenswert. Und die untersuchten Jahrgänge haben häufig ihre Versicherungen noch zu Zeiten mit einer hohen Verzinsung abgeschlossen. Für die späteren Kohorten sind die Aussichten schlechter", erläutert Studienautor Tim Bönke.
Wie steht es um die Deckungslücken im Alter?
Wie steht es um die Deckungslücken im Alter?Quelle: DIW
"Eine potentielle Versorgungslücke haben vor allem diejenigen, die nur Anwartschaften aus der Gesetzlichen Rentenversicherung haben: Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) wären nicht in der Lage, ihren aktuellen Konsum vollständig zu decken. Bestehen auch Ansprüche aus Betriebsrenten, so sinkt dieser Anteil auf 50 Prozent“, ergänzt Studienautorin Anita Tiefensee. Deutlich besser sehe es hingegen bei den Beamten mit einer Deckungslücke von lediglich 13 Prozent aus. "Das Niveau der Pensionen ist überdurchschnittlich", konstatiert Tiefensee.  Würde das gesamte Vermögen hingegen zur Deckung des aktuellen Konsums eingesetzt, würde die Versorgungslücke auf 41 Prozent sinken, stellt das DIW weiterhin fest. "Da aber Vermögen sehr ungleich verteilt sind, zeigt sich, dass von denen die nur Anwartschaften an die Gesetzliche Rentenversicherung haben, ein Viertel nicht in der Lage ist, ihren aktuellen Konsum auch mit dem Vermögen zumindest fünf Jahre lang zu bestreiten", erläutert Studienautor Markus M. Grabka
Für die Forscher des DIW scheinen daher weitere Reformen in der Alterssicherung dringend geboten. Neben einem stärkeren Fokus auf die Gesetzliche Rentenversicherung sollte vor allem das trikte Äquivalenzprinzip aufgeweicht werden, womit die Höhe der Rentenleistungen nicht mehr eins zu eins an die Einzahlungsbeiträge gekoppelt wäre. Zudem könnten bessere Anreize zur Bildung privaten Vermögens gesetzt werden, zum Beispiel durch eine Umleitung der staatlichen Zuschüsse für Riester-Renten in Richtung einer kapitalgedeckten Zusatzrente nach dem schwedischen Fondsmodell, heißt es beim DIW. " Gerade Geringverdienenden sollten dann höhere Leistungen zugutekommen, während die Beitragsbemessungsgrenze für die oberen Einkommensgruppen aufgehoben werden sollte", fordert Grabka.

GDV teilt nicht alle Schlussfolgerungen

Beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) stoßen die Studienergebnisse nur bedingt auf Zustimmung. "Die Studie hebt zu Recht hervor, dass die gesetzliche Rente allein nicht zur Absicherung des Lebensstandards im Alter ausreicht und gleichzeitig die Betriebsrente einen signifikant positiven Beitrag leistet. Die Kritik an der Wirksamkeit der privaten Altersvorsorge ist nicht haltbar: So wurde die Riester-Rente eingeführt, um die durch die Rentenreform entstandene Absenkung des Rentenniveaus zu kompensieren – diese Aufgabe erfüllt die Riester-Rente, wie eine Prognos-Studie aus 2016 zeigt", betont Peter Schwark, Mitglied der Geschäftsführung.
Schwarks Forderung lautet daher: "Richtiger wäre es dagegen, die Teilnahmequoten an betrieblicher oder privater Vorsorge zu erhöhen. Unter anderem muss dazu die Riester-Förderung an die seit 2001 gestiegenen Einkommensverhältnisse angepasst werden. Die vorgeschlagene Umleitung der Riester-Förderung in Richtung Staatsfonds à la Schweden ist dagegen anzulehnen. Zum einen wollen die Deutschen in der Regel nicht, dass ihre Altersvorsorge alleine am Aktienmarkt angelegt wird. Zum anderen wurde bislang immer abgelehnt, die private Vorsorge obligatorisch zu machen. Der Riester-Markt bietet dagegen heute unterschiedliche Produkte für unterschiedliche Sicherheitsbedürfnisse. Nur so konnte eine Verbreitung von mehr als 40 Prozent erreicht werden."
"Richtig allerdings ist, dass in vielen Fälle die Vorsorgeanstrengungen nicht ausreichen. Viele Menschen müssen mehr sparen oder Abstriche bei ihrem Konsumniveau machen. Die Hauptschlussfolgerung der Studie geht dagegen fehl, dass eine Anhebung des Rentenniveaus das richtige Mittel ist. Dieses würde die Renten vor allem derjenigen erhöhen, die bereits ausreichend Rente bekommen. Die tatsächlich Bedürftigen mit kleineren Renten würden nur einen sehr kleinen Teil der dafür nötigen Finanzmittel bekommen. Insofern ist wären Maßnahme allein zugunsten der Geringverdiener zielgerechter und effizienter", erläutert er in einer Stellungnahme.

IW spricht sich gegen höheres Rentenniveau aus

Kritische Anmerkungen kamen auch vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Demnach solle "die gesetzliche Rente gar nicht mehr den Lebensstandard sichern. Diesen Paradigmenwechsel hat die rot-grüne Regierungskoalition bereits Anfang des vergangenen Jahrzehnts vollzogen. Hintergrund: Durch den demografischen Wandel wäre die finanzielle Belastung für künftige Beitragszahler zu groß geworden. Dass mit dem Wechsel in den Ruhestand also auch der Lebensstandards sinkt, künftig noch mehr als bisher, überrascht nicht, sondern folgt einem angekündigten Plan. Insgesamt liegt das Rentenniveau mit aktuell rund 48 Prozent über dem Wert, der ursprünglich für heute erwartet wurde", konstatieren die Ökonomen. Zudem gehe es in der politischen Diskussion "aber gar nicht darum, den Lebensstandard zu sichern, sondern darum, Altersarmut zu vermeiden. Hier könnte vielleicht die Forderung nach einer politischen Kehrtwende wissenschaftlich begründet werden – allerdings beschäftigt sich die DIW-Studie gar nicht mit Armutsgefährdung".
"Ein stabiles Rentenniveau würde den armutsgefährdeten Rentnern ohnehin kaum helfen, weil sich ihre Rente dadurch nicht erhöht. Stattdessen würden gut situierte Ruheständler profitieren, die gar keine Unterstützung brauchen. Und das auf Kosten der nachfolgenden Generationen: Wird das Rentenniveau angehoben, erhöhen sich zwangsläufig Beitrags- und Steuerlasten. Die jüngeren Arbeitnehmer müssten also zusätzliche Lasten schultern, obwohl sie ohnehin schon durch den demografischen Wandel stark belastet werden. Statt Mittel mit der Gießkanne zu verteilen, sind also Maßnahmen gefordert, die vor allem dort helfen, wo Armut droht", fordert das IW.
DIW · Renten
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