Markus Faulhaber, Vorstandsvorsitzender der Allianz Leben.
Markus Faulhaber, Vorstandsvorsitzender der Allianz Leben.Quelle: Allianz
Märkte & Vertrieb

Allianz Leben: Wachstum gegen den Trend

Von Mathias von BredowTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die lang anhaltende und nachhaltig wirkende Niedrigzinsphase macht vielen Lebensversicherern zu schaffen. Nach jüngsten Informationen des BdV sind 89 Prozent aller Verträge von der Zinszusatzreserve betroffen. 27 Mrd. Euro müssten kurzfristig zur Problemlösung herbeigeschafft werden. Erste "Run Offs" seien zu verzeichnen. Vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert, dass die Allianz Leben trotz des schwierigen Marktumfeldes zweistellige Zuwächse bei den Neubeiträgen verzeichnet. "Die Steigerung betrug im 1. Halbjahr 12,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 6,4 Mrd. Euro“, berichtete Vorstandsvorsitzender Markus Faulhaber.
Er ist überzeugt, dass diejenigen Anbieter von Lebensversicherungen, die rechtzeitig die Transformation ihrer Geschäftsmodelle eingeleitet haben, weiterhin im Markt bestehen werden. Für den Veränderungsprozess bei der Allianz bei den Anlagestrategien, der vor etwa zehn Jahren verstärkt einsetzte, habe es zwei entscheidende Katalysatoren gegeben, so Andreas Lindner, Chefanleger der Allianz Leben. Zum einen die Finanzkrise 2008/2009, die dem Konzern neue Segmente für das Kapitalanlagegeschäft eröffnete, aus denen sich die betroffenen Banken mehr und mehr zurückzogen. Einen besonderen Schub brachten aber die neuen Anlagerichtlinien nach Solvency II, die im Vergleich zu den starren Regeln davor ganz neue Freiräume für die Anlage von Versichertengeldern schufen. Beide Faktoren führten für die Allianz zu einer grundlegenden Veränderung der Anlagekonzepte. Der klassische Pfandbrief trat immer mehr in den Hintergrund. Er macht derzeit nur noch 17 Prozent des Anlagevermögens aus und wird weiter zurückfallen. Kernstück sind heute Kapitalanlagen, deren Anteil im Neugeschäft bereits 90 Prozent beträgt. Ihre Gesamtperformance liegt nach Informationen Faulhabers über die letzten fünf Jahre bei 6,7 Prozent und damit 1,2 Prozentpunkte über dem Wettbewerb.

Stark an Bedeutung gewonnen haben die alternativen Kapitalanlagen, die dank der Solvency II Regeln in die Anlagekonzepte des Lebensversicherers einfließen konnten. Darunter befinden sich gängige Investments wie Immobilien, aber auch modernere Assets wie erneuerbare Energien oder Infrastrukturfonds. Hier können überall noch sehr viel höhere Renditen erwirtschaftet werden als in klassischen Kapitalanlagemärkten, allerdings auch mit höheren Risiken, wozu nicht alle Neukunden bereit wären. Entscheidend sei, so Lindner, dass für alle unterschiedliche Segmente ausreichend Expertise und Kapitalstärke für Investitionen vorhanden ist. In bestimmten Fällen arbeite man aber auch mit externen Spezialisten zusammen, etwa im Bereich Immobilien, wenn es um den Kauf, die Modernisierung und Neupositionierung von Gewerbeobjekten gehe. Neu sind auch Investitionen in afrikanische und asiatische Märkte, etwa in Immobilien im chinesischen "Silicon Valley". Auf längere Frist strebt die Allianz an, dass etwa 50 Prozent des Portfolios aus Aktien und alternativen Kapitalanlagen besteht. Der Rest teilt sich in etwa zu gleiche Teilen in Unternehmensanleihen und Staatsanleihen.

Seit diesem Jahr ist die Allianz mit dem neuen volldigitalen Angebot „Fourmore“ auf dem Markt. Es basiert auf dem bereits bewährten Vorsorgekonzept „KomfortDynamik“. Kunden können dabei den aktuellen Wert ihrer Zukunftsvorsorge über ein Onlineportal einsehen und dort selbstständig und flexibel Ein- und Auszahlungen vornehmen. Bei Bedarf kann aber auch im laufenden Onlineprozess ein Berater per Servicetelefon hinzugezogen werden. „Unsere Philosophie lautet, dass Digitalisierung eine Strategie und keine bloße Technologie ist“, erklärte Faulhaber.