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Digitize or Die: Was können Unternehmen bei der digitalen Transformation von Start-ups lernen?

Von Philipp DepiereuxTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Digitalisierung verändert bestehende Wirtschaftsmuster tiefgreifend. Diese Erkenntnis ist mittlerweile in den deutschen Chefetagen angekommen. Viele Unternehmen hierzulande haben inzwischen Digitalinitiativen gestartet und versuchen, den digitalen Wandel voranzutreiben. Doch der Fortschritt vollzieht sich noch immer zu langsam.

Das liegt daran, dass schnelle Fortschritte bei der Digitalisierung noch immer von bestehenden Strukturen und Prozessen in der Kernorganisation verhindert werden, wie die etventure-Studie “Digitale Transformation 2018” zeigt. Gleichzeitig unterschätzen viele Unternehmen, wie radikal und umfassend die digitale Revolution tatsächlich ist. Tech-Konzerne wie Google und Amazon werden nicht als Konkurrenz erkannt. Dabei sind es jene branchenfremden Player aus dem Silicon Valley und junge Startups, die die etablierten Unternehmen der Old Economy, sowohl im B2C- als auch im B2B-Bereich, disruptiv angreifen.

Digitaler Wandel braucht Agilität statt Perfektion

Die jungen Digitalunternehmen operieren dabei nach einer völlig anderen Logik: Mithilfe von Innovationsmethoden wie Lean Startup und Design Thinking werden Ideen und Produkte mit großer Geschwindigkeit und hundertprozentiger Nutzerzentrierung prototypisch entwickelt und getestet. Statt dem für deutsche Unternehmen so typischen ingenieursgetriebenen Perfektionismus lautet das Prinzip "Fail faster, fail cheap". Es versteht sich von selbst, dass diese neuen Methoden gepaart mit einer ganz neuen Denkweise nicht von heute auf morgen im Unternehmen eingeführt werden können.

Deshalb muss der erste Schritt bei der Digitalisierung sein: Raus aus der “Bewahrerorganisation”. Außerhalb der Kernorganisation, im “geschützten Raum”, beispielsweise in einer eigenständigen Innovationseinheit und losgelöst von den bestehenden Strukturen und Prozessen, können neue digitale Ideen und Prototypen mit freiem Blick auf den Kunden entwickelt und getestet werden. Dabei geht es nicht um die Entwicklung perfekter Produkte, sondern um die schnelle Umsetzung von Innovationen und ihre Weiterentwicklung nah am Kunden und seinen Bedürfnissen. Scheitern ist erlaubt – Fehler werden als Chance gesehen, um aus ihnen zu lernen.

Die Kernorganisation zum Helden des Wandels machen

Sind nach wenigen Wochen die ersten Prototypen und Ideen erfolgreich validiert, kann dann im zweiten Schritt auch wieder die Kernorganisation mit einbezogen werden. Denn Skeptiker und Verteidiger bestehender Strukturen lassen sich vom Nutzen der Digitalisierung leichter überzeugen, wenn sie den Erfolg digitaler Ideen direkt sehen können, untermauert durch Test-Ergebnisse und Daten und eben nicht nur durch bekräftigende Worte des Managements. Hinzu kommt, dass die Mitarbeiter der Kernorganisation neue Methoden wie Design Thinking und Lean Startup direkt anwenden müssen, um im Learning by Doing Verständnis für diese neue Herangehensweise aufzubauen.

Auf diese Weise kann in der Kernorganisation echte Begeisterung für die Innovation aus dem “geschützten Raum” geschaffen werden. Mitarbeiter der Digital-Einheit werden vermehrt auf ihre Arbeit angesprochen und eingeladen, von ihren Erfahrungen zu berichten. Mitarbeiter aus der Kernorganisation wiederum bewerben sich um Stellen in der Digital-Einheit und wollen den digitalen Wandel im Unternehmen aktiv vorantreiben. So wird mittelfristig auch der notwendige intensive Austausch zwischen Kernorganisation und Innovationseinheit initiiert.

An dieser Stelle verbinden sich schließlich neue mit alten Stärken. Denn die erfolgreich getesteten ersten Digitalprodukte und Services werden dann mit den Assets der Kernorganisation – langjährige Expertise, Präzision und Ingenieurskunst – zu perfekten, voll funktionsfähigen Produkten entwickelt und am Markt skaliert. So kann die Arbeit der Digital-Einheit als Initialzündung für die digitale Transformation der Gesamtorganisation genutzt werden und zu einem umfassenden Wandel, sowohl in der Methodik, vor allem aber im Mindset der Mitarbeiter, beitragen. Genau dieser Wandel ist es, der den Erfolg der digitalen Transformation letztlich bestimmt und die Mitarbeiter der Kernorganisation, die diesen Wandel vorantreiben und tragen, zu den wahren Helden der Digitalisierung macht.

Philipp Depiereux · etventure
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