PR Gag der MunichRe zum Thema Cyber-Risk: in der kalauernd „what the hack“ (statt heck, Hölle) betitelten Schachtel fanden sich einige Info-Blätter sowie chinesische fortune cookies.
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Märkte & Vertrieb

Monte Carlo: Rückversicherer haben unterschiedliche Auffassungen zum Cyberrisiko

Von Philipp ThomasTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Feilschen um höhere Preise auf dem Rendez-Vous de Septembre geht weiter. Daneben versucht Scor sich vor einer Übernahme zu schützen, Munich Re und Partner Re wollen mehr Kapazität in die Sparte Cyber stecken.

Das wohlbeleibte Zweigespann Denis Kessler (CEO, vor 34 Jahres erstmals als UAP board member in Monte Carlo dabei) und Vicgor Peignet, Leiter P&C berichteten stolz von dem in der letzten Dekate erreichten. Die Bruttoprämmie stieg von 2,5 Mrd. EUR auf 14,8 Mrd.. Euro 2017 und wird 2018 über 15 Mrd. Euro erreicht haben, was einem durchschnittliichen 11%igen Jahreswachstum entspricht. Davon entfallen 45% auf Nordamerika und 37% auf Europa, ME und Afrika.  Bei knapp 10% lag im Schnitt der 10 Jahre bis 2017 der return on equity, das Rating wurde auf AA- verbessert. Derzeit liegte die Solva-Quoe bei 221%  im Verhältnis zum erforderlichen per Mitte 201. Bei 220% beginnt das sub-optimale oberes Ende, bis 185% unteres Ende, comfor, bei 150% nicht mehr akzeptabelFrage des capital management.

Was SCOR’s strategische Ausrichtung angeht:

  • Erstversicherungen könnten von 25% auf 1/3 des Prämienvolumens steigen
  • Den Bereich Specialty möchte SCOR expandieren.

In Sachen Cyber gibt sich SCOR sehr vorsichtig. Zwar gibt es ein separates team, SCOR glaubt aber bislang noch nicht über genügendes Verständnis zu verfügen um wirklich mit grossen Kapazitäten einsteigen könne. In Sachen Schaden- Szenarien und  Kumul tappt SCOR noch zu sehr im dunkeln. Die Deckungen betreffen gleichzeitig Crime, Terror, IT failure und sovereign actors. 

Kessler lehnte es ab zum Versuch des französischen Gegenseitigkeits-Versicherers Covéa Stellung zu nehmen, welche vor einigen Tagen versuchte SCOR für 8,2 Mrd. Euro zu übernehmen. Covéa hält bereits 8% der SCOR Aktien und wollte 43 Euro je Aktie bieten, einige 20% mehr als den gegenwärtigen Aktienkurs, aber immer noch weniger als die von Analysten als eigentlicher Wert veranschlagten 45 Euro je Aktie.

SCOR hält die rein national orientierte Covéa unabhängig vom Kaufpreis auch nicht für einen geeigenten Eigner für einen internationalen Rückversicherer. Covéa war 1999 im Wege der Fusion aus den als separate Brands weiter im Markt agierenden Mutuelles MAAF, MMA und GMF entstanden. Ihre Historie ähnelt etwas den Anfängen von Axa, die ebenfalls aus einer Reihe von Funktionen von Mutuelles hervorgegangen war. 1,7 Mrd. Euro der Gruppenprämie stammen bereits von ausserhalb Frankreich. Covéa ist insbesondere auch als Rückversicherer von gruppenfremden mutuelles aktiv.

 

Covéa ist mit 14,3 Mrd. Euro kapitalisiert und beziffert die eigene Solva-Quote mit 372% des regulatorisch erforderlichen, verfügt also über genügend finanziellen Spielraum um SCOR zu übernehmen. Auch wenn man den Kaufpreis für die verbleibenden 92% (7,544 Mrd. Euro) von der jetzigen Kapitalisierung abzöge reichten die verbleibenden 6,756 Mrd. EUR an Solva-Mitteln immer noch für eine Solva-Quote von 176%.

Kessler betrachtet SCOR als global player und hegt keine Präferenz für den französichen Markt. Drum könnte ihn auch eine mögliche Fusion mit der noch staatlichen CCR nicht reizen. Dies wäre für ihn nur eine „bolt-on acquisition“ ohne besondere Vorteile. Andererseits fordet Kesller nach wie vor Privatisierung des derzeitigen französischen cat nat Monopol für alle player.

Immer noch positiv ist SCOR eingestellt was London als Standort angeht, dies trotz Brexit. Zu SCOR gehört u.a. das Channel Syndicate @ Lloyd’s. Dies gilt in Sachen Spezialgeschäfte, insbesondere large corporates. Gerade hat SCOR im Vereinigten Königreich einen ersten cat bond herausgegeben, wohl eine Pionierstat, was  allerdings mit entsprechend höherem Aufwand im Vergleich zu etablierteren Orten verbunden war.

Partner Re: bereit mittelfristig Schwankungen zu absorbieren

Die 1993 als monoline cat Rückversicherer gegründete PartnerRe war 2015 von Exor (Agnelli) erworben und von der Börse genommen worden. Seinerzeit hatte John Elkann (Agnelli-Enkel und Exor CEO) die Transaktion zwar in Monte Carlo vorgestellt, anschließend aber hatte es keine erneute Pressekonferenz gegeben.

Charles Goldie CEO P&C und President Emanuel Clarke unterstrichen die besondere Stärke von Partner Re, die darin liege nicht mehr als börsengelistete Gesellschaft auf Quartalszahlen achten zu müssen. Vielmehr stelle man die eigene Bilanz Zedenten mittelfristig als Instrument zur Glättung von Schwankungen im Risikoverlauf von Zedenten zur Verfügung.

Partner Re fasst die gegenwärtige Marktsituation wie folgt zusammen:

  • Zyklen verbleiben, aber mit geringerer Amplitude. Sie werden nicht mehr bestimmt durch Ereignisse, die sich im Bereich der modellierten Verluste halten. Aussergewöhnliches sollte selben vorkommen, vielleicht alle 25 Jahre. 2017 war zwarextrem verlustreich, aber keine Ueberraschung, hat daher auch den ILS Markt nicht verschreckt.
  • Die derzeitigen Margen sind etwas dürftig, Ziel sollte daher eine Refokussierung auf specialty und life & health wo höhere barriers to entry vorliegen und entsprechend bessere Margen erzielbar sind.
  • Erstversicherer wollen ihre Ergebnisse stabilisieren, daher Trend mehr Rückversicherung zu kaufen. Sie betrachten  Rückversicherung als mittelfristiges Surrogat-Kapital.
  • Grösse spielt eine wichtige Rolle, M&A muss daher fortschreiten, Ziel Relevanz mit technischen Fähigkeiten. Erstversicherer suchen derartige relevante Partner. Herauskommmen werden nur noch eiine Hnadvoll core reinsurer plus weitere kleinere Spieler.
  • Rückversicherer sind idealerweise privately owned, daher fähig kurzfristige Schwankungen zu absorbieren

Partner sieht sich als führend was cyber angeht und wird demnächst noch mehr Kapazität zur Verfügung stellen (noch unter 50 Mio. $ je Einzelrisiko Kapazität). Die  Produkte unterliegen noch dem Wandel, es gibt noch einen Marktkonsensus.

MunichRe: Cyber auf die Fahnen geschrieben

Im Gegensatz zur sehr zugeknöpften Haltung in Sachen Cyber möchte Stefan Golling, Chief Underwriting Officer bei MunichRe die ihm unterstellte und gut mit Experten bestückte Cyber Unit rasch wachsen lassen. MunichRe kooperiert mit Universtitäten und Modelllierungsfirmen. Zielgruppe sind SMEs und der mid-market, die größeren Firmen vefügen einerseits übe die bessere Verteidigung, sind aber auch mehr als Ziele visiert. Claims response gehört i.S. Assistance zum Kundenservice (auch im eigenen Interesse). Es existiert eine 24/7 hotline. Die Kapazität je Risiko beträgt unter Einschaltung von Partnern bis zu 100 Mio. Dollar.

Es existieren klare Regeln was gedeckt ist, insbesondere auch im Fall der Beteiilgung von „sovereign actors“ wie etwa Nordkorea. Zu den gedeckten Szenarien gehören etwa Viren wie wannacry, IT service provider outage (cloud provider) und data breach, auch wenn gleichzeitig eine Vielzahl von Kunden betroffen wird. Gerne möchte MunichRe alternative markets für die Abwälzung von Cyber-Kumul einschalten.

Der Bedarf betrifft die Risiken, die sich aus zunehmender connectivity ergeben. Leider ist der Cyber Kumul nicht an geographische Grenzen gebunden. MunichRe beziffert das Marktvolumen derzeit auf 4 Mrd. Dollar (hiervon MunichRe 10%), dem aber economic losses 2017 von 600 Mio. Dollar. Hieraus ergbit siche eine entsprechende protection gap. 2025 soll das Marktvolumen 20 Mrd. Dollar betragen.  

Abkommen möchte MunichRe von der bisher üblichenn „silent coverage“, d.h. implizitem Einschluss in bestehende in prä-IT Zeiten formulierten Policen. Cyber gehört künftig zu den klaren Ausschlüssen bei gleichzeitiger Bereitschaft zu separater Deckung mit weiteren Ausschlüssen.