IW rechnet mit vier Millionen Pflegebedürftigen bis 2035.
IW rechnet mit vier Millionen Pflegebedürftigen bis 2035.Quelle: Rainer Sturm / PIXELIO (www.pixelio.de)
Politik & Regulierung

IW rechnet mit steigendem Bedarf an Pflegekräften

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Spätestens mit dem Bundestagswahlkampf 2017 steht das Thema Pflege wieder ganz oben auf der politischen Agenda. Dass gerade hier ein dringender Handlungsbedarf besteht, zeigt nun eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Das zentrale Ergebnis: Bis 2035 sind voraussichtlich vier Millionen alte Menschen in Deutschland auf Pflege angewiesen.
Um dem wachsenden Pflegebedarf gerecht zu werden, müsste die Zahl der Pflegekräfte im gleichen Zeitraum um 44 Prozent auf rund eine halbe Million steigen, konstatiert das IW weiter. Für die Pflegeversicherung hat dies nach Ansicht der Ökonomen deutliche Folgen. Damit die Betroffenen n icht immer höhere Eigenanteile für die Pflege zahlen müssten und die Pflege nicht zur "Politik nach Kassenlage" werde, sollten die Leistungen der Pflegeversicherung automatisch an die Preise angepasst werden, fordert das IW weiter.
Großen Handlungsbedarf sieht das IW auch bei den Pflegekräften: 2017 kamen auf 100 offene Stellen gerade einmal 22 Arbeitslose, heißt es. "Die Zahl der Altenpfleger steigt zwar derzeit an, doch langsamer als der Bedarf. Die Lücke wird größer", kommentiert IW-Wissenschaftlerin Susanna Kochskämper. Bund und Länder seien daher gefordert, die Rahmenbedingungen für eine ausreichende Versorgung schaffen und den Pflege-Beruf attraktiver machen. "Dabei geht es nicht nur darum, das Gehalt anzuheben", betont die Expertin. Vor allem eine Entlastung der Pflegekräfte, ein Abbau der Demokratie oder entsprechende Digitalisierungsmodelle seien weitere Schritte, um den Pflegeberuf wieder attraktiv zu machen. "Solche Maßnahmen können aber langfristig nur fruchten, wenn gleichzeitig konsequent Bürokratie abgebaut wird", ergänzt Kochskämpfer.

TK: Viele Bundesbürger würden Angehörige pflegen

Laut einer aktuellen Studie der Techniker-Krankenkasse (TK) ist die Bereitschaft der Deutschen, ihre Angehörigen selbst zu pflegen, durchaus hoch. Immerhin 86 Prozent der befragten Bundesbürger sind demnach grundsätzlich dazu bereit, nahe Angehörige mehrere Stunden in der Woche zu pflegen. Sechs von zehn dieser "Pflegebereiten" würden für diese Aufgabe im Beruf kürzer treten und Stunden reduzieren, zwei von zehn sogar eine längere Auszeit nehmen. Etwas geringer ist allerdings die Bereitschaft, demente Angehörige zu versorgen. Mit 79 Prozent würde aber immer noch eine große Mehrheit einen Menschen mit Demenz aus dem nahen Umfeld pflegen, konstatiert die TK.
Mit 83 Prozent möchte die große Mehrheit allerdings in der eigenen Wohnung versorgt werden. Knapp die Hälfte der Befragten kann sich ebenso vorstellen, bei Angehörigen gepflegt zu werden. Und immerhin 37 Prozent würden in ein Pflegeheim gehen. Vier von fünf wünschen sich zudem, dass professionelle Kräfte die Pflege zu Hause übernehmen, drei von fünf können sich aber genauso eine Versorgung durch nahe Angehörigen vorstellen. "Eine gute Pflege im Alter sicherzustellen, stellt unsere Gesellschaft als Ganzes vor große Herausforderungen. Wir sehen in der Gesellschaft eine immense Bereitschaft zur Unterstützung der Pflegebedürftigen. Auch wenn in der Realität weniger Menschen pflegen, so gibt es ein weit verbreitetes Gefühl der Verantwortung. Wer tatsächlich pflegt, braucht dabei jede mögliche Unterstützung. Dazu gehört auch, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen und die Pflegenden so zu entlasten", kommentiert Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK.
Pflege · IW Köln
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