Hacker / Anonymous  
Hacker / Anonymous  Quelle: Tim Reckmann / www.pixelio.de / PIXELIO
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Versicherung gegen Cybergefahren ein PR-Stunt?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ein Datenschutzexperte bezeichnet den Cyberschutz als "Marketing-Gag". Auch manche Unternehmen setzten lieber ausschließlich auf einen zertifizierten Schutz als auf den Versicherungsschutz. Gefährlicher Irrsinn oder die Entzauberung eines Versicherungshokuspokus?

Die Reporte über die Zunahme von Cyberangriffen sind mannigfaltig, so kann aus einem AON-Report herausgelesen werden, dass die Kriminalitätsrate im vergangenen Jahr um zehn Prozent gesunken sei, sich die Zahl der Cyberkriminalfälle seit dem Jahr 2015 allerdings nahezu verdoppelt hätte.

Angesichts der Bedrohung seien viele Unternehmen mit dem Eigenschutz überfordert, meldet Hiscox und fast zwei Drittel der Unternehmen hätten kein Cyber-Notfall-Management-Konzept – obwohl nahezu allen (98 Prozent) das Risiko bewusst sei, hat eine Willis Towers Watson ermittelt- VWheute hat die Ergebnisse zusammengefasst. Die Liste der Studien mit ähnlichen Ergebnissen ließe sich fortsetzen.

 

Cyber-Angriffe auf Unternehmen in den letzten 12 Monaten
Cyber-Angriffe auf Unternehmen in den letzten 12 MonatenQuelle: Statista / Hiscox

 

Allerdings muss angemerkt werden, dass viele solcher Studien von Versicherern oder Cyber-Sicherheits-Unternehmen stammen. Das bedeutet nicht, dass sie falsch sind, aber ein gewisser Eigennutzen könnte vermutet werden.

 

Cyberversicherung eine olle Kamelle?

 

Es existieren nämlich auch Stimmen, die die Absicherung gegen Cyberschäden kritisch sehen. So schrieb die Technik-Webseite "Netzpiloten-Magazin" im Februar dieses Jahres: "[…] Dieser Mangel an genauem Verständnis für Cyber-Risiken, gepaart mit unübersichtlichen Versicherungsoptionen, unreifen Produkten und den mitunter unerschwinglichen Raten, wirkt eher abschreckend auf potenzielle Versicherungsnehmer."

Das ist Kritik an der Ausgestaltung, aber noch nicht am Produkt selbst, die liefert der Datenschutzexperte Gerhard Zeger. Den "großen Wurf" Cyberversicherung hält er für einen "alten Hut", meldet voralberg.orf.at. Das Medium zitiert den Experten mit der Aussage, dass "materielle Schäden nach Cyberattacken schon seit 30 Jahren versicherbar wären. Die Cyberversicherung sei für Zeger "ein Marketing-Gag".

 

Zudem nennt der Artikel auch Großunternehmen wie die "illwerke vkw" und die Landeskrankenhausbetriebsgesellschaft, die "keine Notwendigkeit für eine Cyber-Versicherung sehen". Mit Bezug auf einen Mitarbeiter der  Krankenhausbetriebsgesellschaft schreibt das österreichische Medium: "Man verfüge über einen zertifizierten Cyberschutz, der von externen IT-Ziviltechnikern in kurzen Abständen überprüft und laufend aktualisiert werde. Außerdem sei man im Schadensfall mit einer Betriebshaftverpflichtung abgesichert."

 

Cyberversicherer kontert die Vorwürfe

 

Die Vorwürfe verwundern Johannes Behrends, Experte für Cyber-Risiken bei Aon in Deutschland, die Sachlage sei eine andere: "Die Einschätzung, dass die Cyberversicherung ein Marketing-Gag sei, ist grob falsch und brandgefährlich. Aktuelle Schadenfälle, die wir betreuen, zeigen, dass die Unternehmen ohne eine Cyber-Versicherung keinen Versicherungsschutz genießen würden und Schäden in Millionenhöhe selbst bezahlen müssten, weil diese durch eine Betriebshaftpflichtversicherung nicht gedeckt gewesen wären."

 

Er fährt fort: "Der größte Schaden entsteht im Eigenschadenbereich durch IT-Forensikkosten. Diese Kosten sind nicht durch eine Betriebshaftpflichtversicherung gedeckt. Ein zertifizierter Cyber-Schutz ist selbstverständlich trotzdem essentiell. Denn die Zertifizierung ist für die Versicherer eine wichtige Voraussetzung, um den Unternehmen Versicherungsschutz zu gewähren."

 

Richard Weber, Team Leader Underwriting Commercial Lines bei Hiscox Deutschland, glaubt hingegen: "Eine Betriebshaftpflicht deckt im Falle eines Cyber-Schadens, wenn überhaupt, nur einen Bruchteil der Kosten. Eine gute Cyberversicherung umfasst neben der Haftpflicht auch eine Eigenschadenkomponente und vor allem umfassende Service-Leistungen wie Soforthilfe im Cyber-Krisenfall durch spezialisierte Dienstleister wie IT-Experten, Datenschutzanwälte oder PR-Berater für die Krisen-PR. Gerade für mittelständische und kleine Unternehmen, die nicht über die nötigen internen Ressourcen und das notwendige Know-how im Umgang mit einer Cyber-Attacke verfügen, ist diese unmittelbare Unterstützung im Rahmen der Versicherung entscheidend. Wer sich mit einer Betriebshaftplicht gegen die Folgen einer Cyber-Attacke absichern will, denkt also zu kurz."

 

Jeder entscheidet für sich

 

Dass die Gefahr eines Schadens durch Cyberangriffen in einer zunehmen vernetzten Welt steigt, ist wohl unstrittig: "Laut einer 2017 veröffentlichten Studie des Digitalverbandes Bitkom ist jeder zweite deutsche Internetnutzer in den (der Studie) vorangegangenen 12 Monaten Opfer von Cybercrime geworden. In jedem zweiten Fall von Cybercrime ist ein finanzieller Schaden entstanden", schreibt das wohl als neutral geltende Bundeskriminalamt unter Bezugnahmen auf den Bundesverband Bitkom, zu dem 2.600 Unternehmen der digitalen Wirtschaft gehören.

 

Es ist eine Einzelentscheidung mit Meldepflicht

 

Die Gefahr steigt also tatsächlich, wer was wie in welcher Höher absichert, das ist nach wie vor eine Entscheidung des Einzelnen.

Sicher ist, seit Inkrafttreten der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) im Mai müssen Unternehmen Cyberattacken melden und können Angriffe und deren Schäden nicht mehr heimlich unter den Teppich kehren.

Aon · Hiscox · Cyberattacken · Cyber-Versicherungen · CyberPolice
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