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Schlaglicht

Rückversicherer suchen verzweifelt nach neuen Einnahmequellen

Von Philipp ThomasTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
In keiner allzu attraktiven Verfassung präsentieren sich vor dem 2018er Monte-Carlo-Rendez-Vous die Rückversicherungsmärkte: Trotz hoher Katastrophenbelastungen im vergangenen Jahr ist es bislang kaum gelungen, Preisanpassungen im Markt durchzusetzen. Vor dem morgen beginnenden Reinsurance-Treffen in Monte Carlo suchen die Rückversicherer verzweifelt nach neuen Einnahmequellen.
Per Mitte 2018 soll es in vielen Fällen gar wieder Ratenabrieb gegeben haben, Willis Towers Watson spricht von bis zu 7,5 Prozent. In diesem Jahr sind die Schäden überschaubar. Unwetter, Stürme, Erdbeben und andere Naturkatastrophen haben in den ersten sechs Monaten des Jahres deutlich weniger Kosten verursacht als bislang üblich. So lagen die Gesamtschäden durch entsprechende Ereignisse im ersten Halbjahr 2018 bei rund 33 Mrd. US-Dollar. Etwa die Hälfte davon war versichert und schlug mit etwa 17 Mrd. US-Dollar zu Buche, berichtete Munich Re. Teuerstes Schadenereignis war der Wintersturm "Friedrike" mit rund 2,2 Mrd. US-Dollar. Es scheint als käme die Branche aus dem derzeitigen Jammertal allzu niedriger Raten, zu hoher Combined-Ratios und somit zu niedriger Eigenkapitalverzinsungen nicht heraus.
Nicht nur Naturkatastrophen können sich gravierend auf die Ergebnisse der Branche auswirken, auch eine größere Haftpflichtschadenwelle ist überfällig. Sie zeichnet sich auch bereits am Horizont ab: US-Bundesstaaten suchen händeringend nach Deep Pockets, die die Kosten für die Behandlung der US-Opiatsüchtigen finanzieren könnten. Über 60.000 Amerikaner sterben jährlich hieran. Ursache sind zum einen legal verschriebene Präparate (mögliche Haftung von Herstellern, Apotheken und verschreibenden Ärzten), zum anderen auch illegal in den Verkehr gebrachte Präparate wie Fentanyl. Wichtigster legaler Hersteller ist Purdue Pharma; welcher der Kunstmäzenatenfamilie Sackler gehört (Produkt OxyContin). Auch Hersteller wie Endo Pharmaceuticals Inc, Allergan, Johnson & Johnson, Teva Pharmaceutical Industries und Mallinckrodt befinden sich im Fadenkreuz der einzelnen US-Bundesstaaten. Mittlerweile werden bereits 16 exekutive und nicht-exekutive Verwaltungsratsmitglieder von Purdue verklagt. Es geht also nicht nur um Produkthaftpflicht, sondern auch um D&O. Hinzu kommt auch noch ein Workers-Comp-Esposure. Wer etwa wegen berufsbedingten chronischen Rückenschmerzen Opiate verschrieben bekam und daraufhin süchtig wurde, der kann dies als einen erweiterten Workers-Comp-Schaden betrachten.

Brexit mischt die Karten neu

Welche Auswirkungen der möglicherweise bereits für Ende März 2019 anstehende Brexit für die Branche haben könnte, ist nach wie vor unklar. Manches spricht für die Annahme, dass die britische Regierung zwar in Sachen Warenverkehr einen EU-assoziierten Status hinbekommen wird, dass dies aber hinsichtlich der für die britische Wirtschaft ungleich wichtigeren Dienstleistungen nicht gelingen wird. Im schlimmsten Fall, der Aberkennung der Regulatory Equivalence, könnte dies dazu führen, dass die britische Assekuranz nicht nur die Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit im Bereich der EU-27 einbüßen wird, sondern dass auch Rückversicherungszessionen an britische Gesellschaften den Solva-Bedarf des Zedenten nur noch dann reduzieren, wenn Prämienübertrags- und Schadenreserve-Depots vereinbart sind. Zedenten, die nachträglich für vergangene Zessionen um eine solche Klausel bitten müssten, dürften bei ihren britischen Rückversicherern wohl auf Granit beißen.
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