Mathematik
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Politik & Regulierung

Mehr Personen im Notlagentarif – ein Zeichen der PKV-Schwäche?

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Es wird (wieder) gegen die PKV geschossen: Eine zunehmende Zahl von privat Krankenversicherten sind im sogenannten Notlagentarif versichert, der für Personen mit Beitragsschulden eingerichtet wurde. Laut der Partei die Linke wären die Betroffenen "schlechter dran als gesetzlich Versicherte". Der PKV-Verband hält mit Mathematik dagegen.

Die Anzahl der Versicherten im Notlagentarif wächst, das zeigt eine Anfrage der Linken an die Bundesregierung. Bei der Einführung im Jahr 2013 fasste er 93.600 Personen, im Jahr 2017 waren es 106.200. Da sind richtige Angaben, sollte aber ins Verhältnis gesetzt werden, denn es waren in diesem Zeitraum immer mehr als  8,7 Millionen Menschen in der PKV versichert. Im Verhältnis zur Gesamtzahl ist der Anteil der "Notlagentarifler" also gering.

 

Werden Versicherte im Notlagentarif schlecht(er) behandelt?

Versicherte werden in den Notlagentarif eingestuft, wenn die Beiträge mehrere Monate nicht bezahlt werden (können). Zu den Leistungen des Tarifs schreibt der PKV-Verband auf seiner Webseite: "Sind Sie im Notlagentarif versichert, erstattet Ihre Versicherung nur die Behandlungskosten bei akuten Erkrankungen und Schmerzzuständen, bei Schwangerschaft und Mutterschaft."

 

Die Linken-Expertin Sabine Zimmermann ist angesichts dieser Tatsache und der steigenden Zahl der Versicherten außer sich: "Die Privatversicherung ist gnadenlos: Wer Einkommenseinbußen hat und die ständig steigenden Beiträge nicht mehr zahlen kann, der ist im Krankheitsfall oft deutlich schlechter dran als gesetzlich Versicherte." Was folgt, ist ein Systemangriff: "Durch die steigende Inanspruchnahme von Sozialtarifen erbringt das PKV-System selber den Beweis, dass es nicht funktioniert."

 

Stefan Reker, Sprecher des PKV-Verbandes kontert: "Die Linken-Abgeordnete Zimmermann liegt gnadenlos daneben: Nichtzahler gibt es in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ebenso wie in der PKV. Und in beiden Systemen erhalten sie genau die gleiche Notfallversorgung", sagte er gegenüber Focus Online.

 

Standard- und Basistarif wachsen

Neben dem oben genannten Notlagentarif existieren noch der Standardtarif und der Basistarif, die ungefähr dieselben Leistungen bieten wie die GKV. In diesen beiden Tarifen steigen die Zahlen ebenfalls: Zwischen den Jahren 2012 und 2017 stieg die Anzahl der Versicherten im Basistarif um 1.200 Personen, im Standardtarif waren es 6.700 Personen. Klingt viel, sollte aber ins Verhältnis zu den über 8,7 Millionen Versicherten gesetzt werden.

Anzahl der PKV-Versicherten
Anzahl der PKV-VersichertenQuelle: Statista
"Weniger als 1,3 Prozent  der Privatversicherten sind im Notlagentarif."
Stefan Reker

Dieses Verhältnis beschreibt Stefan Reker auf Anfrage von VWheute: "Weniger als ein Prozent der Privatversicherten sind in einem der Sozialtarife und weniger als 1,3 Prozent im Notlagentarif. Dass die PKV diese Lösungen für Menschen mit Einkommenseinbußen anbietet, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern beweist im Gegenteil, dass das System gut funktioniert."

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